Der Begriff Volontariat stammt aus dem Französischen („volontaire“) und bedeutet übersetzt „freiwillig“. In der Berufswelt bezeichnet ein/e Volontär/in jedoch keine ehrenamtlich tätige Person, sondern eine Nachwuchskraft, die eine praktische, betriebsinterne Berufsausbildung oder Weiterbildung absolviert.
Klassisch handelt es sich dabei um eine Ausbildung im journalistischen oder redaktionellen Bereich, zunehmend aber auch in der Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit (PR), im Marketing sowie in wissenschaftlichen Einrichtungen wie Museen, Archiven oder Bibliotheken.
Auch Personalabteilungen größerer Unternehmen suchen gelegentlich Volontär/innen – meist mit geisteswissenschaftlichem oder wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund. Das Volontariat gilt heute in vielen Branchen als Standardeinstieg nach dem Studium, da es eine systematische Einarbeitung in die Berufspraxis ermöglicht.
Dauer der Ausbildung als Volontär
Die Dauer eines Volontariates beträgt in der Regel zwischen 12 und 24 Monaten. Der Trend geht in vielen Medienunternehmen klar zum zweijährigen Volontariat – häufig auch deshalb, weil Volontäre als vergleichsweise günstige, gut qualifizierte Arbeitskräfte gerne möglichst lange im Unternehmen gehalten werden. Vor allem die Medien-, Verlags- und Werbebranche nutzt diesen Spielraum aus.
Wer bereits ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder einschlägige Vorerfahrung mitbringt, sollte darauf achten, dass das Volontariat nicht länger als 18 Monate dauert. Bei tarifgebundenen Verlagen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist die Dauer üblicherweise auf 24 Monate begrenzt und durch Tarifverträge klar geregelt.
Ausbildungsinhalte und Aufbau
Ähnlich wie ein Trainee durchläuft auch der Volontär ein strukturiertes Ausbildungsprogramm, das sich über mehrere Abteilungen oder Ressorts erstrecken kann – aber nicht zwingend muss. Die konkreten Ausbildungsinhalte liegen weitgehend im Ermessen des Unternehmens, da es sich um eine überwiegend praktische Ausbildung handelt, die in den meisten Fällen einen akademischen Abschluss voraussetzt.
Ein gut strukturiertes Volontariat sollte folgende Elemente beinhalten:
- Durchlauf mehrerer Abteilungen oder Ressorts (Rotation)
- Begleitung durch eine/n festen Ausbilder/in oder Mentor/in
- Besuch externer Seminare oder einer Journalistenschule (z. B. ARD.ZDF medienakademie, Akademie für Publizistik)
- Schriftlicher Ausbildungsplan mit klar definierten Lernzielen
- Regelmäßige Feedback- und Beurteilungsgespräche
- Qualifiziertes Arbeitszeugnis am Ende der Ausbildung
Der Begriff „Volontariat“ wurde im kaufmännischen Bereich weitgehend durch den Begriff des Trainees verdrängt. Wer heute eine Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit oder der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens oder einer Organisation anstrebt, hat ohne Volontariat in vielen Fällen kaum eine Chance auf eine Anstellung. Für bereits ausgebildete Journalisten mit Abschluss einer Journalistenschule ist ein zusätzliches Volontariat dagegen nicht üblich.
Branchen und Einsatzbereiche
Klassische Branchen für ein Volontariat sind Medien und Kommunikation. Dazu zählen insbesondere:
| Bereich | Typische Arbeitgeber |
|---|---|
| Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Magazine, Fachverlage | |
| Rundfunk | Öffentlich-rechtliche und private TV- und Radiosender |
| Online | Nachrichtenportale, Online-Redaktionen, Blogs |
| Agentur | PR-Agenturen, Werbeagenturen, Kommunikationsberatungen |
| Unternehmen | Pressestellen, Corporate-Communications-Abteilungen, Marketingabteilungen |
| Wissenschaft & Kultur | Museen, Bibliotheken, Archive, Stiftungen, Universitäten |
Verwandte und ergänzende Berufsbilder sind unter anderem Online-Redakteur/in, Content-Manager/in, Kommunikationswissenschaftler/in, Mediengestalter/in sowie Online-Marketing-Manager/in.
Gehalt im Volontariat
Beim Gehalt sollte man sich – besonders im redaktionellen Bereich – keine großen Illusionen machen. Da das Volontariat rechtlich nicht eindeutig definiert ist, gilt der gesetzliche Mindestlohn nicht. Unternehmen können die Vergütung weitgehend frei festlegen, sofern sie nicht an einen Tarifvertrag gebunden sind.
Das durchschnittliche Bruttogehalt liegt deutschlandweit zwischen rund 1.900 und 2.500 Euro pro Monat, je nach Branche, Region, Größe des Unternehmens und Tarifbindung. In der freien Wirtschaft und in der Unternehmenskommunikation großer Konzerne sind die Vergütungen in der Regel deutlich höher als bei kleinen Verlagen oder Agenturen.
| Bereich | Monatliches Bruttogehalt (Richtwerte) |
|---|---|
| Kleine Verlage / Agenturen | ca. 1.200 – 1.800 € |
| Tageszeitungen (tarifgebunden) | ca. 2.000 – 2.400 € |
| Öffentlich-rechtlicher Rundfunk | ca. 2.300 – 2.700 € |
| Wissenschaftliche Volontariate (TV-L analog) | ca. 2.200 – 3.000 € |
| Unternehmenskommunikation (Konzerne) | ca. 2.500 – 3.200 € |
Quellen: StepStone Gehaltsreport 2026; Indeed Karriere-Guide; meinpraktikum.de; Bürgerschaftskanzlei Bremen (Gehaltsstufen Volontariat, Stand Juli 2025).
Wichtig: Ein unbezahltes Volontariat sollten Sie grundsätzlich nicht annehmen. Sinnvoll kann ein solches Angebot allenfalls dann sein, wenn schriftlich eine spätere Festanstellung zugesichert wird.
Rechtlicher Rahmen
Volontäre werden arbeitsrechtlich in der Regel als „andere Auszubildende“ nach § 26 Berufsbildungsgesetz (BBiG) eingestuft. Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen:
- Es besteht kein Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn nach dem MiLoG.
- Die Vergütung muss aber laut BBiG „angemessen“ sein und im Laufe der Ausbildung mindestens jährlich ansteigen.
- Es gelten Arbeitsschutz-, Urlaubs- und Kündigungsregeln wie für Auszubildende.
- Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub: mindestens 24 Werktage (20 Arbeitstage bei 5-Tage-Woche).
- Ein schriftlicher Volontariatsvertrag mit Ausbildungsplan ist dringend zu empfehlen.
Steht im Einzelfall die Arbeitsleistung deutlich im Vordergrund und der Ausbildungscharakter tritt zurück, kann das Volontariat rechtlich auch als reguläres Arbeitsverhältnis einzuordnen sein – mit der Folge, dass dann der gesetzliche Mindestlohn (2026: 13,90 € pro Stunde) greift.
Quellen: § 17, § 26 Berufsbildungsgesetz (BBiG); Mindestlohngesetz (MiLoG); Haufe Personalmagazin „Volontäre und Mindestlohn“; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
Typische Fallstricke – das sollten Sie vermeiden
Gerade in den begehrten Medienbranchen versuchen Unternehmen immer wieder, die Bedingungen zu ihren Gunsten zu gestalten. Auf folgende Punkte sollten Sie achten:
- Volontariate ohne schriftlichen Vertrag oder ohne festen Ausbildungsplan
- Unbezahlte oder symbolisch vergütete „Volontariate“ ohne Ausbildungscharakter
- Mehr als 24 Monate Dauer – häufig ein verschleiertes günstiges Arbeitsverhältnis
- Reiner Einsatz als billige Arbeitskraft ohne Rotation und ohne Mentoring
- Keine externen Fortbildungen oder Seminare während der gesamten Ausbildungszeit
- Mündliche, aber nicht schriftlich fixierte Übernahmezusagen
- Verzicht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis am Ende der Ausbildung
Bewerbung als Volontär/in
Die Konkurrenz um attraktive Volontariate – etwa bei großen Verlagshäusern oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – ist enorm. Auswahlverfahren bestehen häufig aus mehreren Stufen: schriftliche Bewerbung, redaktioneller Test, Assessment-Center und persönliches Vorstellungsgespräch.
Diese Unterlagen sollten in Ihrer Bewerbung enthalten sein:
- Aussagekräftiges Anschreiben, das Ihre Motivation und Schreibstil zeigt
- Lückenloser, professionell gestalteter Lebenslauf
- Hochschulzeugnisse und ggf. Praktikumsbescheinigungen
- Arbeitsproben – Artikel, Hörfunk- oder Videobeiträge, Online-Beiträge (siehe Arbeitsprobe)
- Optional ein Deckblatt oder eine Dritte Seite der Bewerbung
- Nachweise über Auslandsaufenthalte und Sprachkenntnisse
Hilfreiche Tipps zur Erstellung der gesamten Bewerbungsunterlagen sowie zur Online-Bewerbung finden Sie in unseren weiterführenden Beiträgen.
Karrierechancen nach dem Volontariat
Ein erfolgreich abgeschlossenes Volontariat ist in vielen Medien- und Kommunikationsberufen das Standard-Ticket für den Berufseinstieg. Allerdings: Nur etwa ein Drittel aller Volontäre wird nach Abschluss vom ausbildenden Unternehmen übernommen. Eine direkte Festanstellung ist deshalb nie garantiert.
Realistische Karriereperspektiven nach dem Volontariat sind:
- Festanstellung als Redakteur/in, Pressereferent/in, PR-Manager/in
- Tätigkeit als freier Mitarbeiter (Freelancer) für mehrere Auftraggeber
- Wechsel in eine PR- oder Werbeagentur
- Einstieg in die Unternehmenskommunikation (Corporate Communications)
- Weiterqualifikation, etwa mit einem MBA oder einem Aufbaustudium
Quelle: meinpraktikum.de – „Volontariat: Alles zum Volo in Journalismus, Medien & Co.“
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich für ein Volontariat zwingend ein Hochschulstudium?
In den meisten Fällen ja. Vor allem journalistische und wissenschaftliche Volontariate setzen einen Bachelor- oder Masterabschluss voraus, häufig ergänzt durch Praktika und erste Veröffentlichungen. Manche Volontariate bei kleineren Lokalzeitungen oder im PR-Bereich akzeptieren auch Bewerber/innen mit einschlägiger Berufserfahrung statt eines Studienabschlusses. Konkrete Anforderungen finden Sie immer in der jeweiligen Stellenausschreibung.
Was unterscheidet ein Volontariat von einem Trainee-Programm?
Ein Trainee-Programm ist meist in der Wirtschaft angesiedelt, dauert in der Regel 12–24 Monate und bietet eine deutlich höhere Vergütung (oft 40.000–55.000 € jährlich). Ein Volontariat dagegen ist vorrangig in Medien, PR und Kultur verbreitet, gilt rechtlich als Ausbildung und wird entsprechend geringer vergütet. Inhaltlich sind beide Modelle ähnlich aufgebaut: Rotation durch verschiedene Bereiche, Mentoring und begleitende Schulungen.
Habe ich während des Volontariats Anspruch auf Urlaub und Krankengeld?
Ja. Volontäre haben grundsätzlich Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen pro Jahr (entspricht 20 Arbeitstagen bei einer 5-Tage-Woche). Tarifgebundene Unternehmen gewähren häufig deutlich mehr. Auch im Krankheitsfall besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung sowie auf Krankengeld nach den allgemeinen Regeln. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist wie üblich vorzulegen.
Weiterführende Informationen
Vertiefende Beiträge auf ulmato.de zum Thema Berufsstart und Karriere:
- Trainee – Programme und Karriereeinstieg
- Praktikum – Voraussetzungen und Tipps
- Weiterbildung nach der Ausbildung
- Berufsbild Journalist/in
- Berufsbild Online-Redakteur/in
- Arbeitsvertrag – worauf Sie achten sollten
- Probezeit – Rechte und Pflichten
- Arbeitszeugnis richtig lesen
ulmato.de wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Volontariat und Ihrem beruflichen Werdegang!
Allgemeine Quellen: Berufsbildungsgesetz (BBiG); Mindestlohngesetz (MiLoG); Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET; Deutscher Journalisten-Verband (DJV); Bundesverband Deutscher Pressesprecher (BdP); StepStone Gehaltsreport 2026; Haufe Personalmagazin; Indeed Karriere-Guide; meinpraktikum.de; Bürgerschaftskanzlei Bremen (Gehaltsstufen Volontariat, Stand Juli 2025).



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