Wer im Bestattungswesen Verantwortung übernehmen, ein eigenes Unternehmen führen oder selbst Auszubildende qualifizieren möchte, kommt an einem Abschluss nicht vorbei: dem Bestattermeister bzw. der Bestattermeisterin. Der Meistertitel ist die höchste handwerkliche Qualifikation im Bestattungsgewerbe und eröffnet Wege in die Selbstständigkeit, die Betriebsleitung und die Ausbildungsverantwortung. Seit dem 1. Januar 2010 ist die Fortbildung bundeseinheitlich durch die Bestattermeisterverordnung (BestMstrV) geregelt – damit hat das Bestattungsgewerbe eine vollständige, aufeinander aufbauende Qualifikationsstruktur erhalten.
Das Bestattungsgewerbe ist in Deutschland dem handwerksähnlichen Gewerbe zugeordnet (Anlage B 2 der Handwerksordnung). Das bedeutet: Für die selbstständige Gewerbeausübung ist der Meistertitel rechtlich derzeit nicht zwingend vorgeschrieben. Dennoch ist er in der Praxis von erheblicher Bedeutung – als Qualitätsmerkmal gegenüber Kundinnen und Kunden, als Voraussetzung für die Ausbildung von Bestattungsfachkräften und als Einstellungskriterium für Führungspositionen in größeren Bestattungsunternehmen. Zudem eröffnet der Meisterabschluss den Zugang zum Hochschulstudium, auch ohne Abitur.
Nach bestandener Meisterprüfung darf zusätzlich der Titel „Bachelor Professional“ im jeweiligen Gewerbe geführt werden – eine seit 2020 gültige gesetzliche Aufwertung des Meisterbriefs auf DQR-Niveau 6, gleichwertig mit einem Bachelor-Hochschulabschluss.
Gehalt als Bestattermeister/in
Der Meistertitel wirkt sich spürbar auf das Gehalt aus. Bestattermeisterinnen und Bestattermeister verdienen laut aktuellen Gehaltserhebungen (2026) im Durchschnitt rund 3.275 Euro brutto monatlich, was einem Jahresgehalt von etwa 39.300 Euro entspricht. Der Einstieg nach abgelegter Meisterprüfung liegt bei etwa 2.666 Euro, erfahrene Fachkräfte in leitenden Positionen erzielen bis zu 3.975 Euro brutto monatlich. Wer ein eigenes Bestattungsunternehmen führt oder eine Betriebsleiterstelle in einem größeren Unternehmen innehat, kann deutlich darüber hinaus verdienen – Angaben von bis zu 4.500 Euro monatlich werden für erfahrene Bestattermeister in Führungsverantwortung genannt.
Im Vergleich zur Bestattungsfachkraft ohne Meistertitel bedeutet die Fortbildung damit einen Gehaltssprung von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent – zusätzlich zu besseren Aufstiegschancen und der Möglichkeit zur Selbstständigkeit. Nacht- und Wochenendbereitschaft kann das Grundgehalt durch entsprechende Zuschläge weiter erhöhen.
Meisterfortbildung als Bestattermeister/in
Die Fortbildung zum Bestattermeister bzw. zur Bestattermeisterin ist bundeseinheitlich durch die Bestattermeisterverordnung (BestMstrV) geregelt, die am 15. September 2009 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und am 1. Januar 2010 in Kraft trat. Zuständig für die Prüfungsabnahme sind die Handwerkskammern Düsseldorf und Würzburg (Unterfranken), die jeweils für bestimmte Bundesländer zuständig sind.
Die Meisterprüfung gliedert sich in vier Teile:
- Teil I – Fachpraxis: Praktische Meisterprüfungsarbeit aus dem Bereich Bestattung, Kremation und Friedhof
- Teil II – Fachtheorie: Vertiefte Fachkenntnisse in Bestattungstechnik, Hygiene, Recht, Trauerpsychologie und Betriebswirtschaft
- Teil III – Betriebswirtschaft, Recht und Soziales: Kaufmännische Unternehmensführung, Arbeitsrecht, Steuerrecht (kann bei vorhandenem Wirtschaftsabschluss entfallen)
- Teil IV – Berufs- und Arbeitspädagogik (AEVO): Ausbildereignungsnachweis für die Befähigung zur betrieblichen Ausbildung (kann bei vorhandenem Meisterbrief in einem anderen Gewerbe entfallen)
Die Fortbildung ist berufsbegleitend konzipiert und findet in zeitlich versetzten Modulen statt. Die Gesamtdauer beträgt in Teilzeit rund 11 Monate. Vorbereitungslehrgänge werden hauptsächlich durch den Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes GmbH angeboten und umfassen ca. 200 Stunden, aufgeteilt in rund 60 Stunden Praxis und 140 Stunden Theorie. Je nach Vorqualifikation (z. B. Abschluss als Bestattungsfachkraft, geprüfter Bestatter oder Bürokommunikationsfachwirt) können Prüfungsbefreiungen für einzelne Teile beantragt werden.
Die Fortbildung ist über das Aufstiegs-BAföG (AFBG) förderungsfähig. Seit der Reform 2025 wurden die Fördersätze deutlich verbessert: Bei erfolgreichem Abschluss werden 60 Prozent des noch offenen Darlehens für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren erlassen. Auch der Höchstbetrag für die Meisterstückförderung wurde auf 4.000 Euro angehoben. Die Förderung wird unabhängig vom Alter gewährt.
Eigenschaften und Voraussetzungen für Bestattermeisterinnen und Bestattermeister
Für die Zulassung zur Meisterprüfung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf sowie einschlägige Berufspraxis im Bestattungsgewerbe nachzuweisen. Eine vorherige Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist der häufigste und direkteste Weg, aber nicht die einzige Möglichkeit: Auch Tischlermeisterinnen oder Kaufleute mit mehrjähriger Berufserfahrung im Bestattungsunternehmen können zur Prüfung zugelassen werden.
Neben der fachlichen Qualifikation sollten Bestattermeisterinnen und Bestattermeister folgende Fähigkeiten und Eigenschaften mitbringen:
- Führungskompetenz und Organisationstalent für die Leitung von Teams und Betriebsabläufen
- Betriebswirtschaftliches Denken für Kalkulation, Kostensteuerung und unternehmerische Entscheidungen
- Empathie und Trauerpsychologisches Wissen für die Beratung und Begleitung von Hinterbliebenen auf höchstem Niveau
- Rechtskenntnisse im Bestattungs-, Arbeits- und Steuerrecht
- Pädagogische Eignung für die Ausbildung und Anleitung von Bestattungsfachkräften
- Kommunikationsstärke und Diskretion als Basis des Vertrauensverhältnisses zu Kunden und Mitarbeitenden
Wer noch keine Meisterqualifikation besitzt, aber Führungsaufgaben anstrebt, sollte zunächst mehrere Jahre Berufserfahrung als Bestattungsfachkraft sammeln und ggf. die Zwischenstufe des Geprüften Bestatters absolvieren, bevor die Meisterprüfung angegangen wird.
Bewerbung als Bestattermeister/in
Mit dem Meistertitel in der Tasche ergeben sich verschiedene berufliche Wege: die Übernahme oder Gründung eines eigenen Bestattungsunternehmens, die Bewerbung auf eine Betriebs- oder Filialleitung in einem größeren Unternehmen oder die Fortführung eines bestehenden Familienbetriebs. Auch Inhaberinnen und Inhaber von Bestattungshäusern suchen häufig qualifizierte Nachfolger mit Meistertitel.
Für eine Anstellung in leitender Position umfassen die Bewerbungsunterlagen ein aussagekräftiges Anschreiben, einen tabellarischen Lebenslauf sowie Kopien der relevanten Abschlüsse – insbesondere des Meisterbriefs und der Ausbildungsnachweise. Wer sich selbstständig machen möchte, sollte zusätzlich einen Businessplan sowie Kenntnisse in der Unternehmensfinanzierung mitbringen. Netzwerke über Landesverbände des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB) oder regionale Berufsinnungen sind in dieser Branche besonders wertvoll für die Stellensuche.
Trends und Berufsaussichten für Bestattermeisterinnen und Bestattermeister
Die Zahl qualifizierter Bestattermeisterinnen und Bestattermeister ist nach wie vor überschaubar: Seit Inkrafttreten der Bestattermeisterverordnung 2010 haben bis 2019 erst rund 273 Personen die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt. Seitdem wächst die Zahl kontinuierlich, bleibt aber im Verhältnis zur Branchengröße gering. Das bedeutet: Qualifizierte Bestattermeister sind gefragt und können ihre Marktposition gegenüber Mitbewerbern ohne Meistertitel klar hervorheben.
Die demografische Entwicklung in Deutschland – mit jährlich rund einer Million Sterbefälle und steigender Tendenz – sorgt für eine stabile und wachsende Nachfrage nach Bestattungsleistungen. Gleichzeitig steigt der Anspruch der Hinterbliebenen an Qualität, Individualität und professionelle Begleitung. Bestattermeisterinnen und Bestattermeister, die diesen Ansprüchen durch fundierte Fachkompetenz und betriebswirtschaftliches Know-how begegnen, sind bestens positioniert.
Die Aufwertung des Meistertitels zum „Bachelor Professional“ (DQR-Niveau 6) seit 2020 stärkt die gesellschaftliche Anerkennung zusätzlich und eröffnet den Zugang zu weiterführenden Studiengängen, etwa in Betriebswirtschaft oder Service Management. Die Berufsaussichten für Bestattermeisterinnen und Bestattermeister sind damit insgesamt ausgezeichnet und zukunftssicher.
Häufige Fragen zum Beruf Bestattermeister/in (FAQ)
Was sind die Voraussetzungen für die Meisterprüfung im Bestattungsgewerbe?
Für die Zulassung zur Bestattermeisterprüfung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf sowie einschlägige Berufspraxis im Bestattungsgewerbe erforderlich. Der direkteste Weg führt über die dreijährige Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, gefolgt von Berufserfahrung im Betrieb. Auch Quereinsteiger mit anderen Berufsabschlüssen und mindestens zwei bis fünf Jahren nachgewiesener Tätigkeit in einem Bestattungsunternehmen können zur Prüfung zugelassen werden. Je nach Vorqualifikation sind Befreiungen von einzelnen Prüfungsteilen möglich.
Wie lange dauert die Meisterfortbildung und was kostet sie?
Die berufsbegleitende Fortbildung zum Bestattermeister dauert in Teilzeit rund 11 Monate und umfasst ca. 200 Unterrichtsstunden. Die Prüfungen finden vor den Handwerkskammern Düsseldorf oder Würzburg statt. Die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren variieren je nach Anbieter. Die Fortbildung ist über das Aufstiegs-BAföG (AFBG) förderungsfähig: Bei erfolgreichem Abschluss werden seit der Reform 2025 bis zu 60 Prozent des Darlehensanteils für Lehrgangskosten erlassen.
Was verdient man als Bestattermeister/in?
Bestattermeisterinnen und Bestattermeister verdienen im Durchschnitt rund 3.275 Euro brutto monatlich (ca. 39.300 Euro jährlich). In leitenden Positionen oder bei selbstständiger Unternehmensführung sind Gehälter von bis zu 4.500 Euro monatlich möglich. Gegenüber einer Bestattungsfachkraft ohne Meistertitel bedeutet der Abschluss in der Regel einen Gehaltssprung von 10 bis 15 Prozent – zusätzlich zu deutlich besseren Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten.
Weitere ähnliche Berufe
Wer sich für den Bestattermeister interessiert, könnte auch diese verwandten Qualifikationen und Berufsbilder in Betracht ziehen:
- Bestattungsfachkraft – die dreijährige duale Grundausbildung als Basis für die Meisterqualifikation
- Thanatopraktiker/in – Spezialisierung auf die konservierende und rekonstruktive Aufbereitung Verstorbener als ergänzende Zusatzqualifikation


