Der Beruf des Kellners oder der Kellnerin ist weit mehr als nur das Servieren von Speisen und Getränken. Als Gastgeber im Restaurant, Café oder Hotel sorgt eine Servicekraft dafür, dass sich die Gäste rundum wohlfühlen und einen angenehmen Aufenthalt genießen. Dabei sind Freundlichkeit, Organisationstalent und Belastbarkeit gefragt – besonders in stressigen Stoßzeiten.
Was genau sind die Aufgaben einer Kellnerin oder eines Kellners? Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, und wie sehen die Verdienstmöglichkeiten aus? In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf den abwechslungsreichen und oft unterschätzten Beruf in der Gastronomie.
Gehalt als Kellner/in
Das Gehalt als Kellner oder Kellnerin variiert je nach Region, Arbeitgeber, Erfahrung und Trinkgeld. Eine wichtige Grundlage bildet der gesetzliche Mindestlohn: Seit dem 1. Januar 2025 beträgt er 12,82 Euro brutto pro Stunde, was bei Vollzeit (40 Std./Woche) einem monatlichen Grundgehalt von rund 2.220 Euro entspricht. Damit hat sich der Mindestlohn gegenüber den Vorjahren spürbar erhöht (2024: 12,41 Euro/Stunde).
Quellenhinweis: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Mindestlohngesetz (MiLoG), Stand Januar 2025; resmio.com; dish.co.
Das Grundgehalt (brutto pro Monat, Vollzeit) in Deutschland:
- Ungelernte Servicekraft / Einstieg: ca. 2.161 – 2.300 € (Mindestlohnbasis, Stand 2025)
- Mit Berufserfahrung: ca. 2.300 – 2.800 €
- Gehobene Gastronomie / Spezialisierung: bis zu 3.500 € oder mehr
In Österreich liegen die Einstiegsgehälter bei ca. 1.900 – 2.200 Euro, in der Schweiz bei 4.200 – 4.500 CHF monatlich. Die höheren Schweizer Löhne gehen allerdings mit deutlich höheren Lebenshaltungskosten einher.
Quellenhinweis: meingehalt.net; shjft.de; workerhero.com; Statistisches Bundesamt (Destatis), Gastronomie-Verdienstbericht 2023. Alle Angaben sind Richtwerte und können je nach Betrieb, Region und Tarifbindung abweichen.
Stundenlohn (brutto):
- Mindestlohnbasis 2025: 12,82 €/Stunde (bundesweit verpflichtend)
- Durchschnitt in der Gastronomie: ca. 13 – 15 €/Stunde
- Großstädte / gehobene Gastronomie: bis zu 18 €/Stunde
- Schweiz: ca. 22 – 28 CHF/Stunde
Trinkgeld – ein wichtiger Einkommensbestandteil:
- In Deutschland sind 5 – 10 % des Rechnungsbetrags als Trinkgeld üblich; in gut frequentierten Restaurants sind 200 – 800 Euro zusätzlich pro Monat realistisch.
- In der gehobenen Gastronomie kann das Trinkgeld vierstellige Beträge erreichen.
- Wichtig: Trinkgeld ist in Deutschland für Arbeitnehmer steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG).
Ausbildung als Kellner/in
Die formale Ausbildung zum Servicepersonal in der Gastronomie ist länderspezifisch geregelt. In Deutschland gibt es zwei anerkannte Ausbildungswege: die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe (breiter Einsatzbereich) und die dreijährige Ausbildung zum/zur Restaurantfachmann/-frau (spezialisiert auf hochwertigen Service). In Österreich dauert die Lehre als Restaurantfachmann/-frau ebenfalls drei Jahre, in der Schweiz gibt es das Restaurantfachmann/-frau EFZ (3 Jahre) oder den Restaurantangestellten EBA (2 Jahre).
Die Ausbildung erfolgt dual: Die praktische Arbeit findet im Betrieb – Restaurant, Hotel oder Café – statt, der theoretische Unterricht an der Berufsschule. In einigen Ländern gibt es auch rein schulische Ausbildungen an Hotelfachschulen.
1. Lehrjahr – Grundlagen
- Gäste empfangen und bedienen
- Bestellungen aufnehmen und weitergeben
- Einfache Speisen und Getränke servieren
- Hygienevorschriften und Arbeitssicherheit
2. Lehrjahr – Vertiefung
- Arbeiten an der Bar (Cocktails, Kaffeezubereitung)
- Warenwirtschaft und Lagerhaltung
- Abrechnung und Kassenführung
- Professioneller Umgang mit Beschwerden
3. Lehrjahr – Spezialisierung und Verantwortung
- Menü- und Weinkunde
- Organisation von Events und Banketten
- Teamleitung und eigenverantwortliches Arbeiten
- Verkaufstechniken und anspruchsvolle Gästebetreuung
Abschluss und Prüfung
Am Ende der Ausbildung steht eine Abschlussprüfung mit einem praktischen, mündlichen und schriftlichen Teil. Nach erfolgreichem Bestehen erhält man einen staatlich anerkannten Berufsabschluss. Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen danach etwa zum Restaurantmeister, Sommelier, Barmixer/in oder Hotelmanager.
Eigenschaften und Voraussetzungen als Kellner/in
Eine gute Servicekraft braucht neben fachlichem Wissen auch wichtige persönliche Eigenschaften, um in der Gastronomie erfolgreich zu sein. Ein formaler Schulabschluss ist gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben, jedoch ist ein Hauptschulabschluss in der Praxis oft von Vorteil und für viele Betriebe Mindestanforderung.
Wichtige persönliche Eigenschaften:
- Freundlichkeit und Höflichkeit – ein Lächeln gehört zum Service
- Kommunikationsfähigkeit – klar und verständlich mit Gästen und Kollegen sprechen
- Belastbarkeit und Stressresistenz – besonders bei vollem Haus und in Stoßzeiten
- Gepflegtes Erscheinungsbild – ein professionelles Auftreten ist unverzichtbar
- Schnelligkeit und Effizienz – Gäste sollen nicht unnötig warten
- Merkfähigkeit – Bestellungen und Sonderwünsche korrekt und ohne Fehler umsetzen
- Teamfähigkeit – reibungslose Zusammenarbeit mit Küche, Bar und Servicepersonal
Wesentliche Voraussetzungen:
- Körperliche Fitness, da viel im Stehen und in Bewegung gearbeitet wird
- Flexibilität bezüglich Arbeitszeiten (abends, an Wochenenden und Feiertagen)
- Grundkenntnisse in Mathematik für Abrechnungen und Kassenführung
- Fremdsprachenkenntnisse, besonders in Tourismusregionen oder der gehobenen Gastronomie
Bewerbungsprozess als Kellner/in
Der Einstieg in die Gastronomie ist oft unkomplizierter als in anderen Berufen, da Personalbedarf in der Branche kontinuierlich hoch ist. Wer freundlich auftritt, flexibel ist und – idealerweise – Erfahrung mitbringt, hat gute Chancen auf eine schnelle Anstellung.
1. Stellensuche – Wo kann ich mich bewerben?
- Jobportale (z. B. Indeed, StepStone, Gastrojobs)
- Direkt auf den Websites von Restaurants und Hotels
- Aushänge in Restaurants oder Cafés
- Initiativbewerbung beim Wunschbetrieb
Tipp: In der Gastronomie sind persönliche Kontakte oft der schnellste Weg zu einem Job.
2. Bewerbung einreichen
Eine Bewerbung sollte enthalten: einen kurzen, übersichtlichen Lebenslauf mit Servicepraxis, ein Anschreiben (nicht immer zwingend, aber empfehlenswert) sowie Zeugnisse und Zertifikate – zum Beispiel eine abgeschlossene Ausbildung oder eine Hygieneschulung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG), die für alle Personen im Lebensmittelbereich vorgeschrieben ist. Online-Bewerbungen per E-Mail sind heute in der Gastronomie Standard.
3. Vorstellungsgespräch und Probearbeiten
- Fragen zu Erfahrung, Verfügbarkeit und Gehaltsvorstellung
- Mögliche Praxistests (z. B. Menü- oder Getränkewissen)
- Probearbeiten (1–3 Tage), um die Eignung im laufenden Betrieb zu testen
Tipp: Ein gepflegtes Äußeres, Freundlichkeit und zügiges Arbeiten hinterlassen den besten ersten Eindruck.
4. Vertragsangebot und Arbeitsbeginn
- Jobzusage: Oft direkt im Anschluss ans Probearbeiten
- Arbeitsvertrag sorgfältig prüfen – besonders Arbeitszeiten, Schichtmodell und Trinkgeldregelung
- Einarbeitung durch Kollegen oder Vorgesetzte
Tipp: Vorab klären, ob das Trinkgeld individuell behalten oder im Team geteilt (Tronc-System) wird.
Trends und Zukunft für den Beruf Kellner/in
Die Gastronomiebranche verändert sich stetig. Nach den harten pandemiebedingten Einbrüchen – die Beschäftigtenzahlen lagen laut Statistischem Bundesamt im September 2023 noch 6,7 % unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019 – erholt sich die Branche zunehmend. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel: Viele Betriebe suchen dringend qualifiziertes Servicepersonal, was die Verhandlungsposition von Kellnerinnen und Kellnern stärkt.
1. Digitalisierung und Technologie
- Bestellungen per Tablet oder App: Immer mehr Betriebe setzen auf digitale Bestellsysteme, die den Service effizienter machen.
- Mobile Bezahlmöglichkeiten: Kontaktloses Zahlen mit Smartphone oder Karte ist heute Standard.
- Automatisierung: Roboter-Assistenten und Selbstbedienungsstationen können einfache Aufgaben übernehmen – persönlicher, empathischer Gästeservice bleibt jedoch unverzichtbar.
2. Nachhaltigkeit und Regionalität
- Mehr Bio- und Regionalprodukte: Gäste legen zunehmend Wert auf nachhaltige und transparente Gastronomie.
- Weniger Lebensmittelverschwendung durch smarte Bewirtschaftungssysteme.
- Stärkere Wertschätzung für Gastronomiefachkräfte und gezieltere Weiterbildungsangebote, um den Beruf attraktiver zu gestalten.
3. Neue Arbeitsmodelle und Fachkräftemangel
- Flexible Arbeitszeiten und bessere Bezahlung: Aufgrund des Personalmangels bieten viele Betriebe attraktivere Konditionen als noch vor einigen Jahren.
- Mehr Quereinsteiger: Gastronomiebetriebe setzen zunehmend auf Eigenqualifikation und schulen neue Mitarbeitende intern.
4. Erlebnisgastronomie und gehobener Service
- Gäste erwarten heute mehr als nur Essen und Trinken: Persönlicher Service, Show-Cooking oder interaktive Erlebnisse gewinnen an Bedeutung.
- Bar- und Weinkompetenz als Zusatzqualifikation: Sommeliers und Barkeeper haben besonders gute Karrierechancen.
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gastgewerbe/Gastronomieservice in Deutschland 2010–2025
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gastgewerbe gesamt (inkl. Gastronomieservice), gerundet
Prognose/Schätzung 2025
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigungsstatistik (Stichtag 30.06. jew. Jahres); Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung November 2023; Statista/Bundesagentur für Arbeit 2024; DEHOGA Bundesverband, Zahlenspiegel 2024. Hinweis: Starker Rückgang 2020 durch COVID-19-Pandemie und branchenweite Schließungen. Im September 2023 lagen die Beschäftigtenzahlen noch 6,7 % unter dem Vor-Corona-Niveau (Destatis). 2025 = Schätzung. Alle Angaben gerundet und ohne Gewähr. Stand: April 2025.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Beruf Kellner/in
Brauche ich eine Ausbildung, um als Kellner/in zu arbeiten?
Nein, eine abgeschlossene Ausbildung ist für die Tätigkeit als Kellner oder Kellnerin nicht zwingend vorgeschrieben. Besonders in der einfachen und mittleren Gastronomie werden auch ungelernte Kräfte eingestellt und direkt im Betrieb eingearbeitet. In der gehobenen Gastronomie, in Hotels oder bei Eventcatering ist eine abgeschlossene Ausbildung – etwa zur Restaurantfachfrau/-mann oder Fachkraft im Gastgewerbe – jedoch klar von Vorteil und wird häufig vorausgesetzt. Sie ermöglicht außerdem bessere Gehaltseinstufungen und mehr Karrieremöglichkeiten.
Wie hoch ist das Trinkgeld als Kellner/in in Deutschland?
In Deutschland ist ein Trinkgeld von etwa 5 bis 10 % des Rechnungsbetrags üblich. In gut frequentierten Restaurants und Cafés können Kellnerinnen und Kellner so 200 bis 800 Euro zusätzlich pro Monat verdienen – in der gehobenen Gastronomie auch mehr. Das Trinkgeld ist für Arbeitnehmer in Deutschland steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG) und stellt damit einen bedeutenden Einkommensbestandteil dar. Vorab sollte man klären, ob das Trinkgeld individuell behalten oder im Team geteilt wird (sogenanntes Tronc-System).
Welche Karrieremöglichkeiten gibt es nach dem Einstieg als Kellner/in?
Der Beruf bietet vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten: Mit Berufserfahrung und Weiterbildung kann man Restaurantleiter/in, Schichtleiter/in oder Eventmanager/in werden. Spezialisierungen als Sommelier, Barmixer oder Barista eröffnen weitere Karrierewege mit besseren Verdienstmöglichkeiten. Auch ein Studium im Bereich Hotelmanagement oder Tourismus ist nach einer gastronomischen Ausbildung möglich. Wer sich selbstständig machen möchte, kann mit entsprechender Erfahrung ein eigenes Restaurant oder Café eröffnen.

