Bildungswesen und lernen von Kompetenzen

Gott, die Zeit rast. Schon wieder über ein Woche her seit dem letzten Eintrag, der Blog hat erstmals nach mir gebissen, als ich ihn aufgerufen habe. Typisches Kasper-Hauser Syndrom, eventuell Hospitalismus, auf jeden Fall chronische Vernachlässigung.
Von einem Seminar am Wochenende in systemischem Familienstellen in der Nähe von Göttingen, über eine arbeitsreiche Woche als Referent in der Jugend- und Erwachsenenbildung bis zum Abarbeiten des Schreibtisches in meiner Firma blieb nicht mal Zeit für einen belohnenden Guten -Abend Wein.
Was bleibt, ist ein nüchternes Gefühl von Beschränktheit. Immer mehr Schüler, deren persönlichen Probleme sie zu Außenseitern in der Klasse machen und so dazu beitragen, dass sie sich noch weiter isolieren und ins „aus“ geraten. Lehrer, die angesichts von Zentralabschlüssen, Verkürzung der Lerninhalte auf 12 Schuljahre selbst weniger motiviert sind, weil die eigene Gestaltung des Unterrichts, das Eingehen auf Interessen der Schüler, nicht mehr möglich ist, und schon dass, was an den Unis mit Bachelor und Master Studiengängen zu funktionierenden Einheitsmenschen postuliert wird, jetzt schon mit Leistungsdruck bei Jugendlichen ankommt, die schon mit der Pubertät überfordert sind.
Da bleibt keine Zeit mehr für Einzelschicksale, und Bildung, im Sinne von Humboldt („..die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“) scheint als soziale und persönliche Kompetenz im Vorstellungsgespräch gefragt zu sein, aber Schule sieht sich nicht mehr in der Lage, diese zu vermitteln.
Und wie sollen junge Menschen diese Fähigkeiten lernen, wenn zweimal die Woche bis 17 Uhr Nachmittagsunterricht angesagt ist, um alle Kultusminister-Erwartungen unter einen Hut zu bringen? Kein Vereinssport mehr, Keine Jugendgruppen, eingeschränkte Kontakte, weniger Engagement. Wir züchten egoistische Individuen, keine Persönlichkeiten, keine Teamplayer. Das Resultat sehe ich bei Schulbegegnungstagen, in denen eine Klasse teamfähig gemacht werden soll, und Pädagogen eine Systemische Therapie Ausbildung brauchen um die Konflikte lösen zu können. Hier verschleppt sich ein Problem, dessen Folgen wir noch böse zu spüren bekommen werden. Weit über Legislaturperioden hinaus..

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