GM-Chefs fliegen betteln!

Ich will nicht mit meinem Latinum trumpfen. Mir fiel nur in dem allgemeinen Durcheinander der Wirtschaftskrise, den täglichen Hiobsbotschaften und qualitätslosen Orakelsprüchen (es ist ja plötzlich jeder vom potentiellen Bundestrainer zum Witschaftsweisen mutiert) ein Satz wieder ein: Aegroti salus suprema lex. – Das Wohl des Patienten ist höchstes Gesetz. In Bochum stehen die Bänder bei Opel still, weil die große Mutter GM über Jahre hinweg am Markt vorbei produziert hat, den Rest besorgte die Wirtschaftskrise. Böse Zungen munkeln, nur durch den Transfer europäischen Know Hows sei sie überhaupt noch lebensfähig gewesen.

Auf der Seite gmfactsandfiction.com beschreiben die Nochmanager aus Detroit, was passiert, wenn die Autoindustrie keine Hilfe bekommt. Apokalypse, Weltuntergang. Schlicht: das Ende. Opel hofft auf eine milliardenschwere Staatsbürgschaft, GM geht in den USA auf Betteltour. Und wie! Zu einer Anhörung in Washington reisten die gematerten Vorstände Rick Wagoner (GM), Alan Mullaly (Ford) und Robert Nardelli (Chrysler) über den Köpfen ihrer aufgabenlosen Arbeiter hinweg- mit dem jeweiligen Privatjet, versteht sich. Gerade jetzt in der Krise folgt wohl ein Termin dem Nächsten, bleibt keine Zeit für Linienflüge. Ich bezweifle das. Selbst Otto Normal schafft es, geschäftliche Verabredungen einzuhalten- auch ohne LearJet.

Nein, ich halte das für Ignoranz, Ständeverhalten und ein Armutszeugnis in Richtung Problem-Bewußtsein. Die Nummer kann man nicht verkaufen: oben hui und unten pfui. Das ganze Gebaren bleibt in Worthülsen stecken, wenn die Taten so eindeutig sprechen: Ich habe meine Aktienoptionen, wer hätte die Entwicklung absehen können. Mir fällt noch ein Satz aus dem Lateinunterricht ein: Amicus certus in re incerta cernitur. – In der Not erkennst du den wahren Freund..

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