Gibt es überhaupt eine Kollektivschuld?

Klimawandel, Wirtschaftskrise, Geburtenrückgang und so weiter, die Liste der Sünden ist lang und wird immer länger. Wenn man jedoch nach den Ursachen und Verursachern fragt, bekommt man meistens die Antwort „dafür sind wir alle verantwortlich“. Doch ist das wirklich so?

Gibt es überhaupt eine Kollektivschuld? Nun, das schlechte Gewissen wollen uns viele wirklich Verantwortliche einreden, denn es lenkt von ihren Verfehlungen ab und lässt sie wie Teflon glänzen.

Nehmen wir den Klimawandel als Beispiel, er wird gerne mit den westlichen Lebensstandards begründet und der schwarze Peter den Verbrauchern zugeschoben. Doch haben die Konsumenten wirklich die Verantwortung zu tragen? Hätte der Klimawandel durch die Verbraucher verhindert werden können?

Menschen, die das behaupten führen häufig zwei Möglichkeiten ins Feld: Entweder durch Kaufverhalten oder durch politische Wahl.

Sicherlich, die Deutschen hätten in den 80-90ern die Grünen wählen können anstatt die Volksparteien CDU und SPD, denen nachhaltige Politik ein Fremdwort war. Doch wie wird politische Meinung gebildet? Genau, durch Medien und die waren auf der Seite konservativen Umweltverschmutzer.

Vor dem Gesetz heißt es „Unwissenheit schützt nicht vor Strafe“, gleiches gilt jetzt auch für den Klimawandel. Doch daraus eine Kollektivschuld abzuleiten wäre falsch, denn die Öffentlichkeit wurde bewusst manipuliert. Kollektivschuld wird auch immer gerne genommen, wenn Sachverhalte vereinfacht werden sollen.

Die Deutschen waren Schuld am Weltkrieg, die Banker an der Finanzkrise, die Frauen am Geburtenrückgang, die Lehrer für das Pisa-Ergebnis, das Internet für die soziale Isolation, die Schmarotzer für steigende Sozialausgaben und und und …

Vereinfachung ist der Schlüssel zur Kollektivschuld und meistens führte dieser Schlüssel an den wahren Verantwortlichen vorbei. Schlagzeilen wie „Wir sind Papst“ machen hier die mediale Macht und Verantwortung deutlich. Selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sich von der „wertfreien“ Informationsvermittlung vielfach verabschiedet.

Die Meinung jedes Einzelnen bildet das Gesamtgefüge und somit das Kollektiv, doch ist das Kollektiv niemals einheitlich wie damals die DDR-Wahlen suggerieren wollten. Sich eine Meinung zu bilden ist schwierig und aus dieser Meinung die Konsequenzen abzuleiten ebenso.

Sicherlich würden sich die meisten Deutschen sehr gerne Bio-Lebensmittel kaufen und nicht die billige Massen-Discoutware, doch wer kann sich das schon leisten?

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die aktuelle Schwarz-Gelbe Regierung ab, trotzdem wurde diese vor der Bundeswahl 2009 mit phsychologischen Finessen gewählt. Ist es eine Kollektivschuld, wenn die Bevölkerung jetzt nicht gegen die „Gurkentruppe“ rebelliert? Ich denke nein, denn man kann nicht von den Menschen erwarten, dass sie Revolutionäre sind, schließlich unterliegen sie ihr Leben lang der gesellschaftlichen Ordnung und Selbstreflektion kommt darin nicht vor.

Doch ist es Kollektivschuld, wenn 60% die Nazi-Partei wählen und 40% eine demokratische Partei? Immerhin hat die absolute Mehrheit einer Bevölkerung damit ihren Willen bekundet und muss die Verantwortung übernehmen, doch was ist mit den anderen 40%? Sind sie ebenso schuldig, obwohl sie wirklich nichts dafür können?

In meinen Augen gibt es keine Kollektivschuld in einer parlamentarischen Demokratie. Mehrheitsentscheidungen stellen keine Kollektivverantwortung dar und somit keine Kollektivschuld, denn es gibt kein Kollektiv.

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