Warum sich Stuttgart 21 und der Anti-Atomprotest zu einem Flächenbrand entwickeln

Nun ist der Castor da. Mit einem nie dagewesenen Aufgebot an Polizei und Demonstranten hat dieser Einsatz alle bisherigen Kosten gesprengt. Diejenigen, die für diese Transporte verantwortlich sind, die Atomkonzerne und die Bundesregierung wird man vor Ort nicht sehen, sie sitzen zuhause vor dem Kamin und freuen sich über Gewinne und Zuwendungen.

Ich kenne beide Lager der Castor-Kontrahenten, sowohl Demonstranten als auch Polizisten aus meinem Bekanntenkreis standen sich am Wochenende beim Castor-Transport gegenüber. Eigentlich hat weder der Demonstrant noch der Polizist große Lust für den Castor in der Kälte zu stehen/sitzen. Viele Polizisten teilen die Sorge der Demonstranten und viele Demonstranten sehen in der Polizei auch nur den Arbeitnehmer, nicht das Bullen-Schwein.

Dass beide dort stehen müssen, haben sie Energiekonzernen wie E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall zu verdanken, aber vor allem der CDU. Wasserwerfer-Mappus hat Röttgen immer dafür kritisiert, dass er plötzlich nach dem Regierungswechsel den Atomausstieg ins Auge fasste. Norbert Röttgen war fast der einzige Vernünftige in der CDU, bis er aufgrund des Drucks aus der eigenen Partei umfiel. Stefan Mappus entwickelt sich erfolgreich zum absoluten Bad Guy im Politikbusiness, weit über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus.

Mappus soll nicht nur den Wasserwerfer-Einsatz gegen die Stuttgarter-Demonstranten angeordnet haben, er steht auch wie kein anderer Politiker für die Interessen der Atomlobby. Im Schwabenländle ist EnBW der König, ebenso die Deutsche Bahn. Während Rüdiger Grube mit der Deutschen Bahn schon einen PR-Gau erlebte, kommt EnBW mit Hans-Peter Villis wegen der AKWs in Neckarwestheim und Phillipsburg nicht in die Öffentlichkeit. Villis hat damals in Paderborn bei E.ON WestfalenWeser ordentlich Leergeld bezahlt, als er den Protest in die Öffentlichkeit brachte, dabei war es eher sein CDU-Pressesprecher Meinolf Päsch, der die heißen Kartoffeln wieder aus dem Feuer zog. Doch Villis wollte sich profilieren und schaffte es schließlich von E.ON in Paderborn zum EnBW-Chef, seitdem meidet er die Öffentlichkeit weitgehend, er ist ein „gebrandtes Kind“ und scheut das Feuer.

Mappus war in Baden-Württemberg Umwelt- und Verkehrsminister, seine beiden Steckenpferde waren hier natürlich die Bahnverbindungen und die Energieversorgung. Als ehemaliger Mitarbeiter im Vertrieb bei Siemens weiß er aus Erfahrung, wie das Geschäft in der Wirtschaft funktioniert. Siemens hat nachweislich 1,3 Mrd EUR für Schmiergeld ausgegeben.

Tausende von Stuttgartern waren dieses Wochenende im Wendland, sie demonstrieren dort nicht nur gegen den Castor und seine Ursachen, sondern auch gegen Stuttgart 21. Vor allem aber, demonstrieren die Menschen gegen Politiker wie Stefan Mappus und gegen die blauäugige Politik von CDU und FDP, alleine zum Wohle der deutschen Wirtschaft.

Wir erleben gerade nichts anderes als einen beginnenden Volksaufstand, quer durch alle Schichten der Gesellschaft, egal ob Arbeiter, Bürgertum oder Reicher. Sie alle wollen Politiker wie Mappus nicht mehr hinnehmen und leuten einen Wandel ein. Wenn wir in 20 Jahren auf das aktuelle Geschehen nach der Finanzkrise zurückblicken, wird dieser Zeitraum vielleicht einen eigenen Namen besitzen, weil er unsere Gesellschaft nachhaltig veränderte.

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