Das Bewerbungsanschreiben ist der Auftakt und ein inhaltlicher Vorgeschmack auf Ihre gesamten Bewerbungsunterlagen. Gleichzeitig dient es als Beweis Ihrer Fähigkeit, sich präzise und überzeugend schriftlich auszudrücken. Damit ist es das wichtigste Element Ihrer Online-Bewerbung – und entscheidet in vielen Fällen darüber, ob Ihre weiteren Unterlagen überhaupt gelesen werden.
Personalverantwortliche entscheiden häufig innerhalb der ersten 30 bis 60 Sekunden, ob ein Anschreiben überzeugt. Vermeiden Sie es daher unbedingt, eine allgemeine Vorlage für alle Bewerbungen zu nutzen. Ein Muster, in dem nur Namen und Daten ausgetauscht werden, wird sofort erkannt – und landet meist direkt im Stapel der Absagen.
Die wichtigsten Tipps zum Anschreiben
Das Anschreiben sollte einen klaren und individuellen Bezug zum Unternehmen herstellen und Ihre persönlichen Interessen, Fähigkeiten sowie Ihre Motivation widerspiegeln. Pauschale Verweise auf den Lebenslauf oder auf Zeugnisse gehören nicht hinein – diese sprechen für sich. Bleiben Sie zudem stets bei der Wahrheit, denn spätestens im Vorstellungsgespräch werden Widersprüche und Übertreibungen schnell entlarvt.
Der Personalverantwortliche möchte sich anhand Ihres Anschreibens ein authentisches Bild von Ihnen machen. Anhand Ihrer Formulierungen, Ihres Tons und Ihrer Argumentation entscheidet er, ob Sie für die Position infrage kommen.
- Warum sollte das Unternehmen gerade mich einstellen?
- Was macht mich für genau diese Stelle besonders interessant?
- Was erwarte ich vom Job – und was kann ich im Gegenzug bieten?
Sprechen Sie den zuständigen Ansprechpartner persönlich mit Namen an, um sofort einen direkten Bezug herzustellen. Die unpersönliche Geschäftsbrief-Floskel „Sehr geehrte Damen und Herren“ sollten Sie wenn möglich vermeiden. Ist in der Stellenanzeige kein Ansprechpartner genannt, lohnt sich ein kurzer Anruf bei der Personalabteilung – das zeigt zusätzlich Eigeninitiative. Erst wenn auch dies nichts ergibt, greifen Sie auf die allgemeine Anrede zurück.
Nehmen Sie in Ihrem Schreiben Bezug auf den Text der Stellenanzeige. Stellenbeschreibungen – die immer häufiger in englischer Sprache verfasst sind – enthalten alle wichtigen Informationen zur geforderten Qualifikation und zum Aufgabengebiet. Greifen Sie gezielt einzelne Anforderungen auf und belegen Sie diese mit konkreten Beispielen aus Ihrer beruflichen Praxis.
Wird in der Anzeige eine Angabe zur Gehaltsvorstellung gefordert, sollten Sie diese realistisch formulieren – idealerweise als Jahresbruttogehalt und unmittelbar vor dem Abschlusssatz.
Handelt es sich um eine Initiativbewerbung, geben Sie Ihren konkreten Bewerbungsgrund an. Verweisen Sie auf ein vorheriges Telefonat, sofern eines stattgefunden hat.
Wurden Sie durch Mitarbeiter des Unternehmens auf die Stelle aufmerksam, sollten Sie dies ruhig erwähnen. Auch wenn dieser Hinweis nach „Vitamin B“ klingt – persönliche Empfehlungen sind in Deutschland weit verbreitet und werden von Personalern in der Regel positiv aufgenommen.
Für den inhaltlichen Aufbau eignet sich die aus der Werbepsychologie bekannte AIDA-Formel hervorragend als Struktur.
Die AIDA-Formel für das Anschreiben
Die AIDA-Formel umfasst vier zentrale Punkte, die Ihr Anschreiben durchdacht aufbauen:
- A – Attention (Aufmerksamkeit erzeugen): Beginnen Sie mit einem starken, individuellen Einstieg, der sofort neugierig macht.
- I – Interest (Interesse wecken): Heben Sie Ihre relevantesten Qualifikationen und Erfahrungen hervor.
- D – Desire (Wunsch auslösen): Vermitteln Sie den Eindruck, dass das Unternehmen Sie unbedingt kennenlernen sollte.
- A – Action (Handlung anstoßen): Ermutigen Sie den Personalverantwortlichen aktiv, Sie zum Vorstellungsgespräch einzuladen.
Mögliche Beispiele für die Eröffnung im Anschreiben
Vermeiden Sie abgegriffene Standardsätze wie „Hiermit bewerbe ich mich…“. Solche Phrasen wirken austauschbar und gehen im Stapel unter. Setzen Sie stattdessen auf einen individuellen, motivierenden Einstieg:
„Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen und bewerbe mich auf die ausgeschriebene Position als […].“
„In Ihrer Anzeige vom […] in der […] suchen Sie eine/n […]. Da ich die Entwicklung Ihres Unternehmens seit Längerem mit großem Interesse verfolge, bewerbe ich mich hiermit als […].“
„Ihr Mitarbeiter […] hat mich auf den Bedarf an […] in Ihrem Unternehmen aufmerksam gemacht – eine Aufgabe, die genau meinen fachlichen Schwerpunkten entspricht.“
„Innovative Projekte im Bereich […] haben mich schon während meines Studiums begeistert. Umso mehr freue ich mich, dass Ihr Unternehmen genau in diesem Feld eine Stelle als […] ausschreibt.“
Der Hauptteil: Ihre Argumentation
Im Hauptteil geht es darum, konkret zu belegen, warum Sie der richtige Kandidat sind. Vermeiden Sie allgemeine Aussagen wie „Ich bin teamfähig und belastbar“ – solche Floskeln erwartet jeder Personaler und niemand glaubt sie ohne Beleg.
Setzen Sie stattdessen auf messbare Ergebnisse und konkrete Beispiele:
- Statt „Ich habe Erfahrung im Projektmanagement“ → „In meiner letzten Position habe ich ein Team von fünf Personen geleitet und ein IT-Projekt mit einem Budget von 200.000 € termingerecht abgeschlossen.“
- Statt „Ich arbeite gerne im Team“ → „Während meines Praktikums bei […] habe ich gemeinsam mit Kollegen aus drei Abteilungen einen neuen Prozess entwickelt, der die Bearbeitungszeit um 20 % reduziert hat.“
Achten Sie darauf, dass Ihre Argumente direkten Bezug zur Stellenanzeige haben. So erkennt der Leser sofort, dass Sie die Anforderungen nicht nur verstanden, sondern auch verinnerlicht haben.
Beispiele für mögliche Abschlusssätze
Der Abschluss sollte selbstbewusst und einladend formuliert sein – ohne unterwürfig zu wirken:
„Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich sehr.“
„Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch davon, dass ich die richtige Verstärkung für Ihr Team bin.“
„Für ein persönliches Kennenlernen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.“
Bei einer eventuellen Kündigungsfrist können Sie auch Ihren frühestmöglichen Eintrittstermin nennen: „Mein frühester Eintrittstermin ist der […].“
Beispiele für wichtige Formulierungen
Verwenden Sie in Ihrem Bewerbungsschreiben – und in Ihrer gesamten Bewerbung – niemals den Konjunktiv (würde, könnte, möchte). Solche Formulierungen vermitteln Unsicherheit und den Eindruck, dass Sie die Stelle eigentlich gar nicht wirklich wollen. Treten Sie stattdessen direkt und selbstbewusst auf.
Falsch (Konjunktiv – wirkt zögerlich):
- Ich würde mich freuen…
- Ich möchte mich bewerben…
- Ich könnte Ihnen…
Richtig (Indikativ – wirkt selbstbewusst):
- Ich freue mich…
- Ich bewerbe mich…
- Ich biete Ihnen…
Häufige Fehler im Anschreiben vermeiden
Auch das beste Anschreiben verliert seine Wirkung durch vermeidbare Patzer. Achten Sie besonders auf folgende Punkte:
- Rechtschreib- und Grammatikfehler: Lassen Sie Ihr Anschreiben mindestens von einer zweiten Person Korrektur lesen. Tippfehler sind das häufigste K.-o.-Kriterium.
- Falsche Ansprache oder veraltete Daten: Prüfen Sie den Namen des Ansprechpartners sowie die Adresse mehrfach – besonders bei Mehrfachbewerbungen.
- Copy-Paste-Spuren: Stellen Sie sicher, dass keine Reste eines früheren Anschreibens (anderer Firmenname, andere Position) übrig bleiben.
- Selbstbeweihräucherung ohne Belege: Behauptungen ohne konkrete Beispiele wirken unglaubwürdig.
- Negative Formulierungen über frühere Arbeitgeber: Sie wirken unprofessionell – egal, wie berechtigt die Kritik sein mag.
- Zu langes Anschreiben: Mehr als eine Seite wird in der Regel nicht gelesen.
Form und Layout im Anschreiben
Das Bewerbungsschreiben ist im Umfang auf eine DIN-A4-Seite begrenzt. Längere Texte werden in der Regel nicht gelesen. In Berufsfeldern mit akutem Fachkräftemangel kann ausnahmsweise eine zweite Seite akzeptiert werden – dies bleibt jedoch die Ausnahme.
Das Layout gliedert sich klar:
- Kopfbereich: Ihre vollständigen Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefon, E-Mail)
- Adressblock: Vollständige Anschrift des Unternehmens inklusive Ansprechpartner
- Ort und Datum: Rechtsbündig, aktuell
- Betreffzeile: Klar und prägnant – ohne das Wort „Betreff“ davor
- Anrede: Möglichst persönlich
- Hauptteil: Eröffnung, Argumentation, Abschluss
- Grußformel und Unterschrift: „Mit freundlichen Grüßen“ plus handschriftliche Unterschrift
Empfohlene Formatierung: Nutzen Sie eine gut lesbare Schriftart wie Arial, Calibri oder Times New Roman in Schriftgröße 11 oder 12. Der Zeilenabstand sollte zwischen 1,15 und 1,5 liegen. Vermeiden Sie es, einzelne Wörter oder Passagen außerhalb der Betreffzeile fett zu markieren.
Achten Sie zudem auf ein einheitliches Erscheinungsbild Ihrer gesamten Bewerbungsunterlagen – Anschreiben, Lebenslauf und Deckblatt sollten optisch zusammengehören.
Download: Vorlagen zum Anschreiben
Nachfolgend finden Sie zwei Beispiele für die Erstellung eines Bewerbungsschreibens als Anregung. Wichtig: Übernehmen Sie niemals fertige Formulierungen 1:1 – diese werden von Personalern erkannt und wirken unpersönlich.
Beispiel Bewerbungsschreiben A (PDF)
Beispiel Bewerbungsschreiben B (PDF)
Weitere Muster finden Sie auf unserer Seite Bewerbungsbeispiele zum Download.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Bewerbungsanschreiben
Ein Bewerbungsanschreiben sollte maximal eine DIN-A4-Seite umfassen – das entspricht etwa 350 bis 450 Wörtern. Personalverantwortliche lesen pro Bewerbung oft nur wenige Sekunden den Einstieg, bevor sie entscheiden, ob sie weiterlesen. Ein zu langes Anschreiben wirkt schnell ausschweifend. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche: Warum bewerben Sie sich, was qualifiziert Sie und welchen Mehrwert bringen Sie?
Die Reihenfolge in der Bewerbungsmappe ist nicht einheitlich geregelt. Klassisch wird das Anschreiben lose obenauf gelegt, sodass es zuerst gelesen wird – aber nicht offiziell zur gehefteten Mappe gehört. Bei Online-Bewerbungen per E-Mail oder über Bewerberportale empfiehlt es sich, alle Dokumente in einer einzigen PDF-Datei zusammenzufassen, beginnend mit dem Anschreiben, gefolgt von Deckblatt (optional), Lebenslauf, Zeugnissen und sonstigen Nachweisen. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag zu Bewerbungsunterlagen.
Ja – auch eine digitale Bewerbung sollte unterschrieben sein. Eine handschriftliche Unterschrift wirkt persönlicher und professioneller als ein bloß getipptes Schreiben. Scannen Sie Ihre Unterschrift ein oder fotografieren Sie diese auf einem weißen Blatt ab und fügen Sie sie als Bilddatei in Ihr Anschreiben ein. Achten Sie darauf, dass die Unterschrift sauber freigestellt ist (transparenter Hintergrund). Anschließend speichern Sie das gesamte Dokument als PDF, damit das Layout beim Empfänger nicht verrutscht.
ulmato.de wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Bewerbung!
Weiterführende Informationen zur Bewerbung:



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