Die ersten Jahre deiner ärztlichen Laufbahn absolvierst du als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt – häufig in einer Klinik, manchmal in einer Reha-Einrichtung oder einer Praxis. Dort bist du oft die erste Ansprechperson für Patientinnen und Patienten: Wegweiser, Begleiter, Tröster und Gesundmacher in einem.
Zu deinen Aufgaben gehören die ärztliche Aufnahme und Untersuchung von Patientinnen und Patienten, die Erstellung von Diagnosen, die Verschreibung weiterer Tests, Medikamente und Therapien, die tägliche Visite, die Dokumentation der Behandlungsabläufe sowie die Entlassung inklusive Fertigung von Arztbriefen an die Hausärztin bzw. den Hausarzt. Auch Anästhesien und Operationen können zum Aufgabenbereich gehören. Fachärztinnen, Fachärzte und Oberärztinnen sowie Oberärzte beaufsichtigen deine Arbeit und leiten dich an.
Als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt befindest du dich auf dem Weg zum Facharzttitel – etwa in der Allgemeinmedizin, der Inneren Medizin oder der Chirurgie. Du wirst daher auch als Ärztin bzw. Arzt in Weiterbildung bezeichnet. Das Medizinstudium hast du bereits erfolgreich abgeschlossen und die Approbation – die staatliche Zulassung zur Berufsausübung – erhalten. Es fehlt noch die Facharztweiterbildung, die du in der Zeit als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt absolvierst.
Gehalt als Assistenzarzt/-ärztin
Als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt richtet sich der Verdienst in der Regel nicht nach dem Fachbereich, sondern nach dem jeweiligen Tarifvertrag. Für kommunale Krankenhäuser gilt der TV-Ärzte/VKA, für Universitätskliniken der TV-Ärzte/TdL. Auch private Klinikverbände wie Asklepios, Helios oder Rhön-Klinikum haben eigene Tarifverträge. Nach den aktuellen Tarifabschlüssen 2024/2025 startet das Grundgehalt für Assistenzärztinnen und Assistenzärzte bei ca. 5.200 bis 5.800 Euro brutto pro Monat und steigt mit der Beschäftigungsdauer stufenweise an.
Zusätzlich zum Grundgehalt können durch Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaft erhebliche Zulagen verdient werden, die das Gesamteinkommen spürbar erhöhen.
Die Dauer der Facharztausbildung ist ebenfalls relevant: Je nach Fachgebiet dauert die Weiterbildung fünf oder sechs Jahre – etwa in der Chirurgie, Orthopädie oder Neurochirurgie. Während dieser Zeit steigt das Gehalt mit zunehmender Erfahrungsstufe, liegt aber insgesamt noch unter dem Niveau einer approbierten Fachärztin bzw. eines approbierten Facharztes.
Studium und Ausbildung als Assistenzarzt/-ärztin
Voraussetzung für die Tätigkeit als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt ist ein abgeschlossenes Medizinstudium mit bestandenem Staatsexamen sowie die erteilte Approbation. Die Facharztweiterbildung – im Alltag als Assistenzarztausbildung bezeichnet – baut direkt darauf auf.
Die Dauer der Weiterbildung hängt vom gewählten Fachgebiet ab und beträgt in der Regel 60 bis 72 Monate. Die Ausbildungsinhalte werden durch die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer geregelt und unterscheiden sich je nach Fachbereich. Im Fokus steht die Erlangung fachspezifischer Kenntnisse und praktischer Fertigkeiten: In der Chirurgie geht es etwa um die Erkennung und Behandlung von Verletzungen sowie operative Eingriffe, in der Allgemeinmedizin um eine breite hausärztliche Versorgungskompetenz.
Im Anschluss an die Weiterbildungszeit folgt die Facharztprüfung vor der zuständigen Landesärztekammer. Nach erfolgreichem Bestehen darfst du den Facharzttitel führen und deine Karriere eigenständig gestalten – einschließlich der Möglichkeit zur Niederlassung mit eigener Praxis.
Voraussetzungen für die Assistenzarztausbildung
Die erste Hürde liegt bereits bei der Zulassung zum Medizinstudium: Zuletzt bewarben sich deutlich über 40.000 Personen auf weniger als 10.000 Studienplätze. Entscheidend für die Zulassung sind neben der Abiturnote (NC) das Ergebnis im Medizinertest (TMS), die Ortspräferenz, das Ergebnis des Auswahlgesprächs sowie – soweit vorhanden – eine abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen Bereich. Alternativ ist ein Medizinstudium über die Bundeswehr möglich, das jedoch eine anschließende Dienstzeit voraussetzt.
Der Weg zur Assistenzärztin bzw. zum Assistenzarzt ist lang und lernintensiv. Intensives Auswendiglernen ist dabei ebenso gefragt wie vernetztes Denken und analytische Fähigkeiten. Durchhaltevermögen und Disziplin sind unverzichtbar.
Bewerbung als Assistenzarzt/-ärztin
Der Berufseinstieg als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt beginnt nach der Approbation. Überlege dir im Vorfeld, welche Fachrichtung, welcher Kliniktyp und welche Region zu deinen Vorstellungen passen – die Zeit als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt ist lang und anspruchsvoll, daher sollte die Stellenwahl nicht überstürzt werden.
Zur Bewerbung gehören folgende Unterlagen: das Anschreiben – adressiert an eine konkrete Ansprechperson oder die Personalabteilung –, der Lebenslauf mit Lichtbild (Schulbildung, Studium, Famulaturen, Praktika, Auslandserfahrung etc.) sowie Kopien der Approbationsurkunde und des Examenszeugnisses.
Das Anschreiben spielt eine zentrale Rolle. Es sollte individuell auf die anvisierte Stelle zugeschnitten sein und deinen Werdegang – Famulaturen, ggf. Doktorarbeit, Lehrgänge – mit dem Anforderungsprofil der Klinik verknüpfen. Formuliere klar, warum diese Stelle und diese Klinik dein Interesse geweckt haben, und stelle heraus, dass du die gefragten Kompetenzen mitbringst.
Trends und Perspektiven für Arztstellen
Laut Bundesärztekammer sind in deutschen Krankenhäusern rund 200.000 Ärztinnen und Ärzte tätig – etwa die Hälfte davon als Assistenzärztinnen und Assistenzärzte. Die Personaldecke ist in vielen Bereichen dünn, was zu langen Diensten und einer mitunter eingeschränkten Betreuung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen führt.
Der Ärztemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, wie das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) prognostizieren. Besonders betroffen ist die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen: Rund ein Drittel der niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen sowie Haus- und Fachärzte hat bereits das Rentenalter erreicht und wird in naher Zukunft aus dem Beruf ausscheiden.
Wer sich mit einer eigenen Praxis niederlassen möchte, muss zuvor die Facharztausbildung abgeschlossen haben. Ohne Facharzttitel sind nur bestimmte Tätigkeitsfelder möglich – etwa privatärztliche Tätigkeit, Gutachtertätigkeit im Gesundheitsamt, Arbeit in der Pharmaindustrie oder als medizinische/r Fachjournalist/in.
Der Bedarf an jungen Ärztinnen und Ärzten ist hoch und wird angesichts der alternden Bevölkerung weiter steigen. Strukturreformen – etwa effizientere Notdienstorganisation, die Einführung von Primärversorgungszentren und die Senkung von Zulassungshürden zum Medizinstudium – sind politisch diskutiert und werden das Berufsfeld in den kommenden Jahren prägen.
Häufige Fragen zum Beruf Assistenzarzt/-ärztin
Wie lange dauert die Ausbildung als Assistenzarzt/-ärztin?
Die Facharztweiterbildung als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt dauert je nach Fachgebiet in der Regel 60 bis 72 Monate (fünf bis sechs Jahre). In manchen Fachbereichen wie Allgemeinmedizin oder Psychiatrie sind es fünf Jahre, in anderen wie Chirurgie, Neurochirurgie oder Orthopädie sechs Jahre. Die Inhalte sind durch die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer geregelt. Am Ende steht die Facharztprüfung.
Wie hoch ist das Gehalt als Assistenzarzt/-ärztin in Deutschland?
Das Einstiegsgehalt als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt liegt nach aktuellen Tarifabschlüssen (2024/2025) bei ca. 5.200 bis 5.800 Euro brutto pro Monat, abhängig vom Tarifvertrag (TV-Ärzte/VKA für kommunale Kliniken, TV-Ärzte/TdL für Unikliniken). Durch Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaft kann das Gesamteinkommen erheblich steigen. Mit wachsender Erfahrungsstufe erhöht sich das Grundgehalt stufenweise.
Was kommt nach der Assistenzarztzeit?
Nach bestandener Facharztprüfung darf der Facharzttitel geführt werden. Damit eröffnen sich verschiedene Karrierewege: die Tätigkeit als Oberärztin bzw. Oberarzt in einer Klinik, die Niederlassung mit einer eigenen Praxis (als Vertragsärztin/-arzt oder Privatärztin/-arzt), eine wissenschaftliche Laufbahn an einer Universitätsklinik oder der Wechsel in andere Bereiche wie Pharmaindustrie, Gutachterwesen oder medizinischen Journalismus.
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