Praktikumszeugnis – Wichtige erste Arbeitsnachweise für Schüler und Studenten

Für Studenten und Schüler ist es Gold wert, wird aber oft auch in seiner Funktion weit überschätzt – das Praktikumszeugnis. Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, unabhängig davon, ob er eine Woche oder sechs Monate als Mitarbeiter für ein Unternehmen tätig war. Für Schüler und Studenten stellt ein Praktikumszeugnis die erste Bewährungsprobe im beruflichen Leben dar. Nicht selten wird ein Praktikum sogar nur deshalb absolviert, um anschließend ein Praktikumszeugnis mit dem Logo einer großen, starken Marke vorweisen zu können.

Ein qualifiziertes Praktikumszeugnis kann entscheidend für den weiteren Karriereweg sein – sei es für die Bewerbung um einen Studienplatz, einen Ausbildungsplatz oder die erste feste Anstellung. Personalverantwortliche werten Praktikumszeugnisse als wichtigen Indikator für die Persönlichkeit, Lernbereitschaft und das berufliche Potenzial eines Bewerbers.

Was steht in einem Praktikumszeugnis?

Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Es enthält im Wesentlichen den gleichen Inhalt wie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Natürlich gibt es im Detail einige Unterschiede. Ein Praktikum ist immer auf einen bestimmten und relativ kurzen Zeitraum ausgelegt, weshalb am Ende des Zeugnisses nicht auf den Grund der Beendigung eingegangen werden muss.

Die wichtigsten Bestandteile eines Praktikumszeugnisses sind:

  • Persönliche Daten: Vor- und Nachname, Geburtsdatum sowie ggf. Geburtsort des Praktikanten
  • Art und Dauer des Praktikums: Beginn und Ende sowie Bezeichnung der Praktikumsstelle
  • Tätigkeitsbeschreibung: Detaillierte Auflistung der ausgeführten Aufgaben und übernommenen Verantwortungsbereiche
  • Leistungsbeurteilung: Bewertung der Arbeitsweise, Auffassungsgabe, Belastbarkeit und Arbeitsergebnisse
  • Verhaltensbeurteilung: Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und ggf. Kunden
  • Schlussformel: Dank, Bedauern über das Ausscheiden und Zukunftswünsche
  • Ort, Datum und Unterschrift einer zeichnungsberechtigten Person

In der heutigen Praxis wird den Praktikanten die Ausarbeitung des Zeugnisses sehr häufig selbst überlassen. Die meisten Praktikanten nehmen dieses Angebot dankbar an. Fassen Sie dies nicht unbedingt als Geringschätzung Ihrer Arbeit auf. Viele Unternehmen sind dazu übergegangen, Praktikanten als festen Bestandteil ihrer Mitarbeiterplanung zu betrachten. Ist ein Praktikant weg, kommt der nächste und führt die Tätigkeit fort.

In dieser Massenabfertigung von Praktikanten bleibt den Betreuern in der Regel wenig Zeit. Der Mitarbeiter, der Sie als Praktikant betreut hat, möchte Ihnen die Chance geben, sich selbst in einem guten Licht darzustellen, weil er weiß, wie wichtig Ihnen das Praktikumszeugnis ist. Nicht selten kommt es jedoch auch vor, dass er im Praktikumszeitraum von vier Wochen gar nicht mitbekommen hat, wie Sie gearbeitet haben, weil Sie schlecht betreut wurden. In jedem Fall sollten Sie die Chance ergreifen und sich das Zeugnis selbst ausstellen, bevor Ihnen einfach ein mittelmäßiges Standardzeugnis präsentiert wird.

Beachten Sie dabei jedoch unbedingt die Zeugnissprache: Praktikumszeugnisse folgen denselben sprachlichen Konventionen wie reguläre Arbeitszeugnisse. Formulierungen wie „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ entsprechen dabei nicht etwa einer überschwänglichen Lobeshymne, sondern stellen die Note „sehr gut“ dar.

Was ist wichtig im Praktikumszeugnis?

Aus Sicht eines zukünftigen Arbeitgebers sind bei einem Praktikumszeugnis vor allem zwei Aspekte besonders wichtig: zum einen die Art und der Umfang der Tätigkeiten und zum anderen die Bewertung dieser Tätigkeiten. Der Arbeitgeber möchte wissen, was Sie dort gelernt haben – denn es geht nicht unbedingt um Produktivität.

Ein Praktikum stellt in der Regel den ersten Kontakt zur Arbeitswelt dar. Daher ist es logisch, dass es vor allem um das Potenzial geht, das in Ihnen schlummern könnte. Wie haben Sie sich bei der Bewältigung der Aufgaben angestellt? Können Sie sich in Strukturen und Hierarchien einordnen? Wie schnell haben Sie neue Inhalte erfasst? Antworten auf solche Fragen suchen Arbeitgeber meistens in Praktikumszeugnissen.

Achten Sie insbesondere darauf, dass folgende Punkte nicht fehlen:

  • Konkrete Tätigkeiten mit Bezug zum angestrebten Berufsfeld
  • Soft Skills wie Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Lernbereitschaft
  • Eine eindeutige Leistungsbewertung in der branchenüblichen Zeugnissprache
  • Eine wohlwollende Schlussformel mit Dank und Zukunftswünschen

Anspruch auf ein Praktikumszeugnis

Der Anspruch auf ein Praktikumszeugnis ergibt sich aus § 109 der Gewerbeordnung (GewO) sowie für Auszubildende und Praktikanten ergänzend aus dem Berufsbildungsgesetz (§ 16 BBiG). Praktikanten haben grundsätzlich denselben Zeugnisanspruch wie reguläre Arbeitnehmer – sowohl auf ein einfaches Zeugnis (Tätigkeitsbeschreibung) als auch auf ein qualifiziertes Zeugnis (mit Leistungs- und Verhaltensbeurteilung).

Auch bei freiwilligen Praktika, Pflichtpraktika während des Studiums oder Schülerpraktika besteht dieser Anspruch. Wer einen Praktikumsvertrag unterzeichnet hat, sollte den Zeugnisanspruch auch aktiv einfordern – idealerweise spätestens am letzten Praktikumstag.

Arten von Praktikumszeugnissen

Grundsätzlich werden zwei Formen unterschieden:

  • Einfaches Praktikumszeugnis: Enthält lediglich die Bestätigung über Art und Dauer des Praktikums sowie die ausgeübten Tätigkeiten – ohne Bewertung.
  • Qualifiziertes Praktikumszeugnis: Beinhaltet zusätzlich eine ausführliche Bewertung der Leistung und des Verhaltens. Dies ist die empfehlenswerte Variante, da sie für künftige Bewerbungen deutlich aussagekräftiger ist.

Wer während eines längeren Praktikums bereits eine Beurteilung benötigt – etwa für eine parallele Bewerbung – kann auch ein Zwischenzeugnis anfordern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wie lange habe ich Zeit, mein Praktikumszeugnis einzufordern?
Der Anspruch auf ein Praktikumszeugnis verjährt grundsätzlich nach drei Jahren. Es empfiehlt sich jedoch dringend, das Zeugnis unmittelbar nach Beendigung des Praktikums einzufordern. Je länger Sie warten, desto schwieriger wird es für den Betreuer, sich an Details Ihrer Arbeit zu erinnern. Zudem kann der zuständige Mitarbeiter zwischenzeitlich das Unternehmen verlassen haben, was die Erstellung erheblich erschwert.

2. Was kann ich tun, wenn das Praktikumszeugnis schlechte oder ungerechtfertigte Bewertungen enthält?
Sollten Sie mit Ihrem Praktikumszeugnis nicht einverstanden sein, haben Sie das Recht, eine Berichtigung zu verlangen. Wenden Sie sich zunächst an Ihren ehemaligen Praktikumsbetreuer und legen Sie konkret dar, welche Punkte Sie für unzutreffend halten. Bringen Sie nach Möglichkeit Belege für Ihre tatsächlichen Leistungen mit (z. B. Projektergebnisse, E-Mails, Kundenfeedback). Im Streitfall können Sie eine Berichtigung notfalls auch arbeitsgerichtlich einklagen – die Beweislast für negative Bewertungen liegt dabei beim Arbeitgeber.

3. Ist ein Praktikumszeugnis weniger wert als ein Empfehlungsschreiben?
Beide Dokumente erfüllen unterschiedliche Funktionen. Ein Praktikumszeugnis ist ein offizielles Dokument mit standardisiertem Aufbau, das den Anforderungen des Arbeitsrechts entspricht und juristisch bindend ist. Ein Empfehlungsschreiben hingegen ist persönlicher gehalten und kann individuelle Stärken stärker hervorheben. Idealerweise verfügen Sie über beide Dokumente – das Praktikumszeugnis als formalen Nachweis und das Empfehlungsschreiben als persönliche Referenz.

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