Kriminologe/Kriminologin – Ausbildung, Berufsbild, Gehalt und Voraussetzungen für die Kriminologie

Du besitzt eine analytische Denkweise und interessierst dich sehr für die Erforschung der Ursachen kriminellen Verhaltens? Vielleicht ist dann der Beruf Kriminologe/Kriminologin genau richtig für dich.

Dieses Tätigkeitsfeld ist stark theoretisch orientiert und bietet vielfältige Arbeitsbereiche. Die Aufklärung spektakulärer Einzelkriminalfälle – wie man sie aus Fernsehformaten wie CSI kennt – ist ausdrücklich nicht die Aufgabe von Kriminologen und Kriminologinnen. Diese Expertinnen und Experten arbeiten hauptsächlich an der Erstellung von Verhaltens- und Fallanalysen sowie an der Ursachenforschung.

Kriminologen und Kriminologinnen erforschen, welche Ursachen kriminelles Verhalten hat und wie es sich auf die Gesellschaft auswirkt. Ziel dieser Forschungsarbeiten ist die Entwicklung geeigneter Präventionsmaßnahmen. Bei ihrer Arbeit nutzen sie statistische Auswertungen und suchen anhand von Akten sowie anderen Quellen nach Erklärungen für kriminelles Verhalten. Dazu führen sie Interviews mit Expertinnen und Experten, Opfern und Straftätern.

Häufig umfasst die Arbeit zudem die Analyse der Wechselwirkung zwischen Einzelperson und Gesellschaft sowie die Bewertung der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen und des Strafvollzugs. Neben Statistiken und Fallanalysen gehört auch die Weitergabe der Ergebnisse auf Fachtagungen sowie das Verfassen wissenschaftlicher Fachartikel zu den Aufgaben.

Gehalt als Kriminologe/Kriminologin

Das Gehalt hängt in erster Linie von Berufserfahrung, Abschluss, Standort und Arbeitgeber ab. Aktuelle Daten 2025 zeigen folgendes Bild:

Im öffentlichen Dienst werden Kriminologen und Kriminologinnen mit Masterabschluss in der Regel in Entgeltgruppe E 13 des TV-L oder TVöD eingruppiert. Das entspricht einem Einstiegsgehalt von ca. 3.400–3.700 Euro brutto monatlich, das mit Berufserfahrung auf bis zu 5.200 Euro und in Spitzenstufen oder höheren Gruppen (E 14/E 15) auf mehr ansteigt. Mit Beamtenstatus profitierst du zusätzlich von deutlich geringeren Abzügen aufgrund der Sozialversicherungsfreiheit. Das Jahresgehalt zum Einstieg liegt laut studis-online.de und iqb.de bei ca. 48.000–60.000 Euro (E 13), für Führungspositionen und Promotionsinhaber/innen sind auch höhere Eingruppierungen möglich (Quellen: studis-online.de 2024, iqb.de April 2025, mystipendium.de).

Gehaltsvergleich.com ermittelte auf Basis von 837 Datensätzen ein deutschlandweites Durchschnittsgehalt von 4.209 Euro brutto monatlich (Spanne: ca. 3.196 Euro bis 5.472 Euro und mehr). Indeed.de (Juli 2025) gibt einen Durchschnitt von 3.686 Euro brutto monatlich an. Diese Unterschiede erklären sich durch verschiedene Tätigkeitsfelder, Erfahrungsstufen und Branchen.

In der Privatwirtschaft – etwa in der Unternehmensberatung, bei Sicherheitsdienstleistern oder als freiberufliche/r Sachverständige/r – hängt das Einkommen von Berufserfahrung, Verantwortung und Verhandlungsgeschick ab. Das Einstiegsgehalt liegt hier bei rund 2.900–4.000 Euro brutto monatlich; erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten können deutlich mehr verdienen.

Mit Spezialisierung, Weiterbildungen und besonders mit einer Promotion verbessern sich die Verdienstmöglichkeiten erheblich. Inhaberinnen und Inhaber einer Professur an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung können je nach Bundesland und W-Besoldungsgruppe 5.800 Euro und mehr verdienen. Quellen: gehaltsvergleich.com 2025, indeed.de Juli 2025, studis-online.de 2024, iqb.de April 2025, mystipendium.de.

Ausbildung und Studium als Kriminologe/Kriminologin

Die Kriminologie ist die Lehre vom Verbrechen. Im Studium erwartet dich ein interdisziplinärer Studiengang, der unterschiedliche Fachgebiete wie Soziologie, Psychologie und Rechtswissenschaften verbindet. In Deutschland kann Kriminologie ausschließlich als weiterführender Masterstudiengang belegt werden – einen grundständigen Kriminologie-Bachelor gibt es hierzulande nicht. Die reguläre Studiendauer beträgt vier Semester und endet mit dem Titel Master of Laws (LL.M.) oder Master of Arts (M.A.). An einigen Hochschulen ist auch ein berufsbegleitendes Studium in drei bis fünf Semestern möglich (Quelle: studycheck.de 2026).

Kriminologie kann aktuell in Deutschland an rund 10 Hochschulen in über 6 Städten studiert werden, darunter die Universität Hamburg (Internationale Kriminologie), die Universität Regensburg (Kriminologie und Gewaltforschung), die Ruhr-Universität Bochum (Criminal Justice, Governance and Police Science) und die HWR Berlin (Kriminologie und Kriminalprävention). Der Studiengang ist oft mit einem Numerus Clausus oder einer Aufnahmeprüfung versehen. Praktische Berufserfahrung bei Polizei oder Justiz ist bei einigen Hochschulen Zulassungsvoraussetzung (Quellen: unicheck.unicum.de 2024, studycheck.de 2026).

Während des Studiums werden drei zentrale Schwerpunkte vermittelt: angewandte Kriminologie, kritische Kriminologie und kriminalpolitische Kriminologie.

Die angewandte Kriminologie befasst sich mit dem theoretischen Grundwissen und seiner praktischen Anwendung – insbesondere mit der Erstellung und Analyse von Kriminalprognosen sowie der Interpretation von Forschungsergebnissen. In der kritischen Kriminologie wird eine sozialwissenschaftliche Ausrichtung vermittelt: Sie untersucht, wie soziale Benachteiligung und negative Lebensbedingungen kriminelles Verhalten beeinflussen. Die kriminalpolitische Kriminologie befasst sich mit der Verhinderung von Straftaten und leitet Handlungsempfehlungen für die Kriminalprävention ab.

In diesem Beruf bist du immer als einer der ersten vor Ort. Als Kriminalbeamter kann einem daher schon mal das erlebte relativ nahe gehen, besonders bei Tötungsdelikten. Neben den fachlichen Kompetenzen ist daher eine gewisse Stressresistenz notwendig.

Für die Arbeit an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung ist eine Promotion zwingend erforderlich. Laut Absolventenbefragungen haben bis zu zehn Jahre nach dem Kriminologieabschluss 100 % aller Absolventinnen und Absolventen eine Beschäftigung – und 86 % sind mit ihrer Tätigkeit inhaltlich zufrieden oder sehr zufrieden (Quelle: mystipendium.de).

Eigenschaften und Voraussetzungen für die Kriminologie

Für das Studium der Kriminologie benötigst du einen Bachelorabschluss, da es in Deutschland ausschließlich als weiterführender Masterstudiengang angeboten wird. Empfehlenswert ist vorab ein grundständiges Studium in einem verwandten Bereich – dazu zählen Psychologie, Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften oder Rechtspsychologie. Auch ein Staatsexamen oder ein Magister befähigt zur Aufnahme. Praktische Erfahrungen bei Polizei, Justiz oder in der Sozialarbeit sind bei vielen Hochschulen Zulassungsvoraussetzung und stärken das Profil für den Bewerbungsprozess deutlich.

Du solltest über eine ausgeprägte analytische Denkweise, Belastbarkeit und starke Kommunikationsfähigkeiten verfügen. Zudem sind Interesse an empirischen Forschungsmethoden, Statistik und an der Analyse sozialer sowie gesellschaftlicher Rahmenbedingungen wichtige Voraussetzungen. Empathie im Umgang mit Opfern und Tätern sowie emotionale Distanzierungsfähigkeit sind ebenfalls zentral für den Berufsalltag.

Bewerbung als Kriminologe/Kriminologin

Nach erfolgreichem Masterabschluss ist die Bewerbung der nächste Schritt. Zu den obligatorischen Unterlagen gehören ein Bewerbungsschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf sowie relevante Zeugniskopien und Praktikumsbescheinigungen.

Im Bewerbungsschreiben kannst du mit analytischer Genauigkeit darlegen, warum du genau die richtige Person für die ausgeschriebene Stelle bist – und welche deiner Qualifikationen, Forschungsschwerpunkte und praktischen Erfahrungen besonders zur Stelle passen. Für wissenschaftliche Positionen sind Publikationslisten und Informationen zu eigenen Forschungsprojekten ein wichtiger Bestandteil der Unterlagen.

Achte darauf, dass dein Lebenslauf keine unerklärlichen Lücken aufweist und detailliert über deinen Werdegang informiert. Dazu zählen Studienabschlüsse, Praktika, Nebentätigkeiten und einschlägige Erfahrungen etwa in Justizeinrichtungen, Justizwachtstellen, Forschungsinstituten oder sozialen Einrichtungen.

Tipps und Vorlagen zur Bewerbungserstellung!

Die Karriereaussichten für Kriminologen und Kriminologinnen sind grundsätzlich gut – der Arbeitsmarkt ist jedoch relativ klein und stark spezialisiert. Besonders in Großstädten und Ballungsräumen finden sich interessante Beschäftigungsmöglichkeiten bei Landeskriminalämtern, Forschungsinstituten, Hochschulen und Beratungseinrichtungen. Die Konkurrenz um Stellen in Forschung und Lehre ist hoch, und für leitende wissenschaftliche Positionen ist eine Promotion in der Regel Voraussetzung (Quelle: iqb.de April 2025, indeed.de Oktober 2025).

Wachsende Zukunftsfelder sind Cyberkriminalität und digitale Forensik, Wirtschaftskriminalität, Terrorismusforschung und Extremismusprävention sowie die evidenzbasierte Kriminalprävention in Kommunen. Auch Themen wie KI-gestützte Kriminalanalyse und die Nutzung großer Datensätze (Big Data) für kriminologische Forschung gewinnen an Bedeutung und erfordern entsprechend aktualisierte Kompetenzen.

Das Feld der Strafrechtspflege bietet praxisnahe Einsatzmöglichkeiten in Bewährungs- und Gerichtshilfe sowie bei Staatsanwaltschaften und beim Verfassungsschutz. Mit thematischer Spezialisierung ist auch eine Tätigkeit als freiberufliche/r Sachverständige/r im kriminologischen Bereich möglich.

Beschäftigungsentwicklung: Forschung & Justiz / Kriminologie in Deutschland 2010–2025

∅-Gehalt Kriminologe/in 2025
ca. 3.686–4.209 €
Einstieg öD (E 13) 2025
ca. 3.400–3.700 €
Masterst.-Angebote D 2025
ca. 10 Hochschulen
Sv.-pflichtig Beschäft. Rechtspflege 2023
ca. 148.000

Sv.-pflichtig Beschäftigte in Rechtspflege & öffentlicher Sicherheit (BA/Destatis, in Tausend) – relevantes Berufsumfeld für Kriminolog/innen

2010: 115, 2011: 118, 2012: 120, 2013: 122, 2014: 124, 2015: 127, 2016: 130, 2017: 133, 2018: 136, 2019: 139, 2020: 141, 2021: 143, 2022: 145, 2023: 148, 2024: 150, 2025: 152
Sv.-pflichtig Beschäftigte Rechtspflege & Sicherheit (BA-Statistik, Tsd.)
Schätzung 2024–2025

Quellen: Bundesagentur für Arbeit – sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Rechtspflege und öffentlicher Sicherheit (Justizfachangestellte, Bewährungshilfe, Rechtspflegeberufe; Berufsgruppe 731 ff. KldB 2010): 2024 ca. 148.000 (+2 % ggü. 2023) (Quelle: statistik.arbeitsagentur.de 2024). Kriminologen/-innen sind ein spezialisierter Teilbereich; eigene Beschäftigungsstatistik liegt nicht separat vor. Gehaltsdaten: gehaltsvergleich.com 2025 (Ø 4.209 €/Monat); indeed.de Juli 2025 (Ø 3.686 €/Monat); iqb.de April 2025 (E13: 48.000–60.000 €/Jahr). Studierende Kriminologie: ca. 10 Masterstudiengänge an 10 Hochschulen in 6+ Städten (studycheck.de 2026). 2010–2022 interpoliert. 2024–2025 = Schätzung. Stand: April 2025.


Häufig gestellte Fragen zum Beruf Kriminologe/Kriminologin

Wie hoch ist das Gehalt als Kriminologe/Kriminologin 2025?

Das Gehalt variiert je nach Arbeitgeber, Erfahrung und Spezialisierung. Im öffentlichen Dienst wird mit Masterabschluss typischerweise in Entgeltgruppe E 13 des TV-L oder TVöD eingruppiert – das entspricht einem Einstiegsgehalt von ca. 3.400–3.700 Euro brutto monatlich und kann mit Erfahrung auf bis zu 5.200 Euro steigen. Für Promotionsinhaber/innen und Leitungspositionen sind höhere Eingruppierungen (E 14/E 15) möglich. gehaltsvergleich.com ermittelte auf Basis von 837 Datensätzen ein deutschlandweites Durchschnittsgehalt von 4.209 Euro brutto monatlich (Spanne: 3.196–5.472 € und mehr). Indeed.de gibt (Juli 2025) im Durchschnitt 3.686 Euro brutto monatlich an. Eine Promotion verbessert die Verdienstmöglichkeiten erheblich; erfahrene Fachkräfte in der Privatwirtschaft können auch mehr verdienen (Quellen: iqb.de April 2025, gehaltsvergleich.com 2025, indeed.de Juli 2025, studis-online.de 2024).

Wie und wo kann man Kriminologie in Deutschland studieren?

Kriminologie gibt es in Deutschland ausschließlich als Masterstudiengang – einen Bachelorstudiengang in Kriminologie gibt es hierzulande nicht. Als Voraussetzung benötigst du einen Bachelorabschluss in einem verwandten Fach wie Psychologie, Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften oder Rechtspsychologie. Das Masterstudium dauert in der Regel vier Semester (120 ECTS) und schließt mit dem Titel M.A. oder LL.M. ab. Aktuell bieten ca. 10 Hochschulen in über 6 Städten diesen Studiengang an – darunter die Universität Hamburg (Internationale Kriminologie), die Universität Regensburg (Kriminologie und Gewaltforschung), die Ruhr-Universität Bochum und die HWR Berlin. Einige Hochschulen setzen praktische Berufserfahrung bei Polizei oder Justiz als Zulassungsvoraussetzung voraus (Quellen: studycheck.de 2026, unicheck.unicum.de 2024).

Welche Berufsfelder und Karrierechancen gibt es für Kriminologen/Kriminologinnen?

Die Berufsaussichten sind grundsätzlich gut, der Arbeitsmarkt jedoch klein und spezialisiert. Häufige Arbeitgeber sind Landes- und Bundeskriminalämter, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Justizverwaltungen sowie die Bewährungs- und Gerichtshilfe. An Hochschulen und Forschungsinstituten ist eine Promotion Grundvoraussetzung für wissenschaftliche Laufbahnen. Mit thematischer Spezialisierung – etwa auf Cyberkriminalität, Wirtschaftskriminalität oder Extremismusforschung – ist auch eine freiberufliche Tätigkeit als Sachverständige/r möglich. Laut Absolventenstudien sind bis zu zehn Jahre nach dem Abschluss 100 % aller Kriminologieabsolvent/innen berufstätig, und 86 % sind mit ihrer Tätigkeit inhaltlich zufrieden oder sehr zufrieden (Quelle: mystipendium.de). Auch Tätigkeiten beim Sicherheitsdienst, beim Verfassungsschutz oder für Staatsanwaltschaften sind möglich.

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