Du interessierst dich für einen Job im Gesundheitswesen abseits der Schulmedizin? Als Heilpraktiker/in darf man auch ohne Medizinstudium Menschen behandeln – vielleicht wäre dieser Beruf ja genau das Richtige für dich.
Den Beruf Heilpraktiker/in gibt es in Deutschland bereits seit vielen Jahrzehnten. Die Tätigkeit ist im Heilpraktikergesetz (HeilprG) aus dem Jahr 1939 geregelt. Dort ist festgelegt, dass Heilpraktiker/innen nicht als Arzt oder Psychotherapeut approbiert sein müssen, um die Heilkunde auszuüben.
Doch erst in den letzten zwanzig Jahren steigt bei der Bevölkerung das Interesse an den sogenannten „sanften Heilern“ deutlich an, wie Heilpraktiker/innen wegen ihrer ganzheitlichen Herangehensweise häufig genannt werden. Denn anders als Schulmediziner/innen sehen Heilpraktiker/innen jede Erkrankung als eine Störung des Gesamtsystems, das aus Körper, Seele und Geist besteht. Laut einer YouGov-/Statista-Umfrage hat fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) schon einmal Naturheilverfahren ausprobiert – 13 Prozent nutzen alternative Heilmethoden sogar regelmäßig. Ferner unterscheiden Heilpraktiker/innen nicht streng zwischen krank und gesund, sondern betrachten den Menschen als Gesamtsystem. Das spricht in der heutigen Zeit immer mehr Menschen an.
Gehalt als Heilpraktiker/in
Wie hoch der Verdienst in diesem Beruf ausfällt, lässt sich im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nur eingeschränkt nachprüfen, da unter Heilpraktiker/innen Festanstellungen die Ausnahme sind und die Datenlage daher dünn ist. In der Regel macht man sich mit diesem Beruf selbstständig und betreibt eine eigene Praxis, wobei die Höhe des Behandlungshonorars frei bestimmt werden kann.
Angestellte Heilpraktiker/innen können laut aktuellen Marktdaten ein monatliches Bruttogehalt von rund 2.500 bis 3.200 Euro erzielen. Selbstständige Heilpraktiker/innen mit etablierter Praxis erreichen laut Indeed und StepStone im Durchschnitt rund 4.200 bis 4.600 Euro brutto monatlich, wobei Spitzenwerte in Großstädten wie München von bis zu 5.500 Euro möglich sind. Die typische Jahresgehaltsspanne liegt laut StepStone zwischen 41.700 Euro (Einstieg) und 59.500 Euro (überdurchschnittlich). (Quellen: Indeed, 2025; StepStone, 2026)
Dabei hängt der Verdienst stark davon ab, ob ein guter Patientenstamm aufgebaut wurde, wie viele Stunden pro Woche gearbeitet wird und ob die eigene Praxis in einer einkommensschwächeren Region oder in einer wohlhabenderen Großstadt liegt. Spezialisierungen – etwa auf Akupunktur, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin oder Physiotherapie – können den Verdienst deutlich steigern.
Wichtig: Als Heilpraktiker/in in Ausbildung gibt es keine Ausbildungsvergütung. Für die Heilpraktikerausbildung fallen in der Regel Kursgebühren und Kosten für Fachliteratur von rund 2.000 bis 11.000 Euro an, die privat zu tragen sind. Zuschüsse können in Einzelfällen über die Agentur für Arbeit beantragt werden.
Ausbildung und Fortbildung als Heilpraktiker/in
Aktuell gibt es keine staatlich vorgeschriebene Ausbildung zum/zur Heilpraktiker/in. Auch im Heilpraktikergesetz finden sich diesbezüglich keine verbindlichen Vorgaben. Was im Rahmen der Ausbildung vermittelt werden muss, ist nicht einheitlich definiert, und verbindliche Lehrpläne existieren nicht.
Entsprechend unterschiedlich sind die einzelnen Lehrgänge an den über 500 Heilpraktikerschulen in Deutschland gestaltet. Von Crashkursen bis zu mehrjährigen Ausbildungen gibt es unterschiedliche Angebote – mal als Abendkurs, mal in Vollzeit, mal in Teilzeit. Weil eine gesetzliche Regelung bezüglich der Ausbildungsinhalte fehlt, kann es zu erheblichen Qualitätsunterschieden kommen.
Wer sich für den Beruf interessiert, sollte ein Ausbildungsmodell wählen, das an die eigenen medizinisch-therapeutischen Vorkenntnisse angepasst ist. Allgemein gilt, dass eine fundierte Ausbildung als Heilpraktiker/in rund 3.000 Unterrichtsstunden umfassen sollte. Daher absolviert die Mehrheit eine zwei- bis dreijährige Ausbildung, welche die medizinischen Grundlagen von der Anatomie über die Biochemie bis hin zur Neurologie vermittelt.
Als angehende/r Heilpraktiker/in lernt man, ansteckende Krankheiten und akute Notfälle zu erkennen und zu versorgen. Später im Beruf darf nicht in allen Fällen selbst behandelt werden – teilweise müssen Patienten an approbierte Ärzte überwiesen werden. Auch die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist Heilpraktiker/innen nicht erlaubt.
Um nach der Ausbildung als Heilpraktiker/in arbeiten zu dürfen, muss die staatliche Heilpraktikerprüfung abgelegt werden. Dies erfolgt beim zuständigen Landesgesundheitsamt. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil und einer mündlichen Befragung beim Amtsarzt. Abgefragt werden medizinische Grundlagen, Krankheitsbilder, Hygienevorschriften und Gesetze.
Eigenschaften und Voraussetzungen für die Naturheilkunde
Da es keine staatlich vorgeschriebene Ausbildung gibt, sind die Hürden für den Einstieg in manche Heilpraktikerschulen niedrig. Mancherorts darf jede/r die Ausbildung absolvieren, sofern die Kursgebühren bezahlt werden. Grundsätzlich kann jede Schule eigene Zulassungsvoraussetzungen festlegen.
Wichtig zu wissen: Man darf nur als Heilpraktiker/in arbeiten, nachdem die staatliche Heilpraktikerprüfung erfolgreich abgelegt wurde – die Berufsbezeichnung ist staatlich geschützt. Zur Heilpraktikerprüfung wird nur zugelassen, wer alle der folgenden Voraussetzungen erfüllt:
- mindestens einen Hauptschulabschluss besitzt,
- das 25. Lebensjahr vollendet hat,
- über eine gültige Aufenthaltserlaubnis verfügt oder deutsche/r Staatsbürger/in ist,
- ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorlegen kann und
- ein Gesundheitszeugnis vorgelegt hat, das die körperliche und geistige Eignung attestiert (keine Süchte, ansteckenden oder chronischen Erkrankungen).
Somit sollten Interessenten den Start der Ausbildung so planen, dass sie gegen Ausbildungsende mindestens das 25. Lebensjahr erreicht haben. Neben den formalen Voraussetzungen sind Empathie, Kommunikationsstärke, Belastbarkeit und ein ausgeprägtes Interesse an ganzheitlicher Medizin wichtige persönliche Eigenschaften für den Beruf – ähnlich wie bei verwandten Berufen wie Physiotherapeut/in oder Hausarzt/Hausärztin.
Bewerbung als Heilpraktiker/in
Bei der Bewerbung an einer Heilpraktikerschule können die Anbieter eigene Schwerpunkte setzen. Positiv im Auswahlprozess wirken sich medizinische Vorkenntnisse und gute Noten in Biologie aus. Vor der Bewerbung sollte gezielt auf die Anzahl der Ausbildungsstunden sowie die Ausbildungsinhalte geachtet werden, um eine qualitativ hochwertige Schule auszuwählen.
Ohne medizinische Vorbildung ergibt sich naturgemäß ein höherer Lernaufwand als bei Heilpraktikeranwärtern mit einer abgeschlossenen Ausbildung im therapeutisch-medizinischen Bereich. Ein weiterer wichtiger Punkt: Viele Lehrgänge schließen mit einer schulinternen Prüfung ab – diese berechtigt jedoch nicht dazu, als Heilpraktiker/in tätig zu werden. Dafür ist zwingend die staatliche Heilpraktikerprüfung notwendig, um die sich jede/r angehende/r Heilpraktiker/in selbst kümmern muss.
In manchen Regionen betragen die Wartezeiten für die staatliche Prüfung bis zu einem Jahr – eine frühzeitige Anmeldung ist daher dringend empfohlen. Gute Heilpraktikerschulen bieten hier Unterstützung an.
Trends und Perspektiven für das Berufsbild
Laut einer YouGov-/Statista-Umfrage hat fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) schon einmal Naturheilverfahren ausprobiert. Diese Zahl belegt, dass alternative Therapieverfahren im Trend liegen. Vor allem zwei Gründe sprechen für die steigende Beliebtheit: Als Heilpraktiker/in ist es möglich, Patienten deutlich mehr Zeit zu widmen und intensivere Gespräche zu führen. In Zeiten, in denen Hausärzte durchschnittlich nur acht Minuten Zeit pro Patient aufbringen können, ist das ein überzeugendes Argument. Der zweite Grund liegt bei der Vielzahl chronischer Schmerzerkrankungen. Wenn sich die Ursache chronischer Beschwerden schulmedizinisch nicht klären lässt, suchen viele Betroffene ergänzend Hilfe beim Hausarzt und beim Heilpraktiker.
Derzeit praktizieren in Deutschland rund 47.000 Heilpraktiker/innen in Voll- oder Teilzeitpraxen mit hochgerechnet über 46 Millionen Patientenkontakten pro Jahr – das entspricht täglich rund 128.000 Patienten (Quelle: Bund Deutscher Heilpraktiker e.V., BDH). Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass es zu einer Verschärfung der gesetzlichen Regelungen kommen könnte. Im Jahr 2017 sprachen sich Mediziner im Ärzteblatt dafür aus, die Ausbildung als Heilpraktiker/in einheitlich zu regeln – eine Forderung, die auch viele Heilpraktikerverbände unterstützen, um die Qualität und das Vertrauen in den Berufsstand zu stärken.
Entwicklung der praktizierenden Heilpraktiker/innen in Deutschland 2010–2025
Praktizierende Heilpraktiker/innen gesamt (inkl. Teilzeit, geschätzt)
Quellen: Bund Deutscher Heilpraktiker e.V. (BDH), Statistisches Bundesamt, Statista/Bundesagentur für Arbeit. Gesamtzahl inkl. freiberuflich und teilzeit tätiger Heilpraktiker/innen. Werte für 2010–2019 teilweise geschätzt auf Basis verfügbarer Verbandsangaben. Stand: 2025.
Häufige Fragen zum Beruf Heilpraktiker/in
Was kostet die Ausbildung zum/zur Heilpraktiker/in und wie lange dauert sie?
Die Ausbildung zum/zur Heilpraktiker/in ist nicht staatlich geregelt und wird nicht vergütet. Die Kosten für Lehrgang, Fachliteratur und Prüfungsgebühren liegen je nach Anbieter und Ausbildungsform zwischen rund 2.000 und 11.000 Euro, die vollständig privat zu tragen sind. Die Dauer variiert stark: Intensivkurse dauern bereits 4 bis 16 Monate, Fernlehrgänge 12 bis 30 Monate, und vollständige Präsenzausbildungen mit rund 3.000 Unterrichtsstunden können bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen. Nach der Ausbildung muss zusätzlich die staatliche Heilpraktikerprüfung beim zuständigen Gesundheitsamt abgelegt werden.
Wie viel verdient man als Heilpraktiker/in in Deutschland?
Das Einkommen als Heilpraktiker/in variiert stark und hängt vor allem davon ab, ob man angestellt oder selbstständig tätig ist. Angestellte Heilpraktiker/innen verdienen monatlich rund 2.500 bis 3.200 Euro brutto. Selbstständige mit etablierter Praxis erzielen im Durchschnitt rund 4.200 bis 4.600 Euro brutto monatlich; in Großstädten wie München sind auch deutlich höhere Einkommen möglich. Der Verdienst hängt wesentlich von Standort, Patientenstamm, Spezialisierung und Wochenstunden ab. Eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht – die Ausbildungskosten müssen selbst getragen werden.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die staatliche Heilpraktikerprüfung?
Zur staatlichen Heilpraktikerprüfung beim Landesgesundheitsamt wird zugelassen, wer mindestens einen Hauptschulabschluss besitzt, das 25. Lebensjahr vollendet hat, die deutsche Staatsbürgerschaft oder eine gültige Aufenthaltserlaubnis besitzt, ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorlegen kann und ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorweist, das die körperliche und geistige Eignung bestätigt. Die Prüfung selbst besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. In manchen Regionen gibt es Wartezeiten von bis zu einem Jahr, weshalb eine frühzeitige Anmeldung empfehlenswert ist.
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