Du hilfst gerne anderen Menschen? Blut zu sehen macht dir nichts aus? Belastbarkeit und Verantwortungsbewusstsein zählen zu deinen Stärken? Dann ist diese Ausbildung vielleicht genau das Richtige für dich!
Rund 30.000 Mal am Tag wird in Deutschland der Notruf gewählt. Als Notfallsanitäterin oder Notfallsanitäter bist du Retter in der Not und eilst mit deinem Team so schnell wie möglich zum Einsatzort. Dort angekommen, verschaffst du dir schnell einen Überblick über die Situation, versorgst die Patientinnen und Patienten, leitest im Ernstfall lebensrettende Maßnahmen ein und entscheidest darüber, ob ein Notarzt hinzugezogen werden muss. Auf dem Weg in die Klinik behältst du die Vitalfunktionen im Blick, sprichst Mut zu oder spendest Trost.
Das Spannende am Beruf ist, dass man morgens nie weiß, welche Einsätze einen erwarten. Der Job kann sehr erfüllend sein, fordert aber auch Körper und Seele. Zu den typischen Belastungen zählen neben dem Schichtdienst rückenbelastende Tätigkeiten und die psychische Belastung nach tragischen Ereignissen. Wenn das alles interessant für dich klingt, solltest du weiterlesen. Dann erfährst du, welche Voraussetzungen für die Notfallsanitäter-Ausbildung gelten und wie viel man als Notfallsanitäter/in verdient.
Gehalt und Ausbildungsverdienst als Notfallsanitäter/in
Das Ausbildungsgehalt als Notfallsanitäter/in variiert je nach Träger, Bundesland und Tarifvertrag. Bei tarifgebundenen Arbeitgebern im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach dem TVAöD (Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes), Besonderer Teil Pflege (§ 1 Abs. 1 Buchst. b), der auch Auszubildende nach dem Notfallsanitätergesetz umfasst. Private Träger können abweichen.
Ausbildungsvergütung nach TVAöD – gültig ab 01.04.2025:
- 1. Ausbildungsjahr: 1.293 Euro brutto pro Monat
- 2. Ausbildungsjahr: 1.343 Euro brutto pro Monat
- 3. Ausbildungsjahr: 1.389 Euro brutto pro Monat
Ab dem 1. Mai 2026 steigen die Sätze erneut (auf 1.368 / 1.418 / 1.464 Euro monatlich). Hinzu kommen eine Jahressonderzahlung sowie eine Abschlussprämie von 400 Euro nach bestandener Abschlussprüfung. Quelle: oeffentlicher-dienst.info, TVAöD Pflege, gültig ab 01.04.2025.
Gehalt nach der Ausbildung: Als ausgebildete Notfallsanitäterin oder ausgebildeter Notfallsanitäter im öffentlichen Dienst ist ein Einstiegsgehalt von rund 3.000 Euro brutto monatlich realistisch. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt das Gehalt auf durchschnittlich 3.400 bis 3.600 Euro und kann laut praktischarzt.de bei erfahrenen Fachkräften bis zu 4.250 Euro brutto monatlich erreichen. Seit Juli 2024 wurde zudem die monatliche Wechselschichtzulage auf 155 Euro erhöht. Seit Januar 2026 gilt eine reduzierte Wochenarbeitszeit von 42 Stunden sowie 31 Urlaubstage jährlich. Quelle: praktischarzt.de, Notfallsanitäter Gehalt (Januar 2026); jobs-regional.de (Dezember 2025); medi-karriere.de (März 2026).
Durch Weiterbildungen – etwa zur Leiterin oder zum Leiter der Rettungswache, zum betrieblichen Notfallsanitäter oder zur Lehr-Notfallsanitäterin – lässt sich der Verdienst weiter steigern. Auch eine Tätigkeit in der internationalen Katastrophenhilfe bietet Einkommensperspektiven über dem Standardniveau.
Ausbildung als Notfallsanitäter/in
Die Ausbildung als Notfallsanitäter/in ist im Notfallsanitätergesetz (NotSanG) bundesweit einheitlich geregelt (§ 29 NotSanG). Sie dauert drei Jahre und umfasst insgesamt 4.600 Stunden aus Theorie und Praxis. Die Ausbildung findet dual statt: Ein Teil in der Berufsfachschule, mehr als die Hälfte der Zeit in der Lehrrettungswache oder im Krankenhaus.
Durch die Praxiseinheiten im Krankenhaus lernst du viele verschiedene Abteilungen kennen, darunter Anästhesie, Geburtshilfe, Intensivmedizin, Notfallaufnahme, OP und Pflege. Im theoretischen Unterricht werden zehn Lernfelder bearbeitet. Besonders wichtig ist das medizinische Kernwissen: Du lernst zu erkennen, was für ein Notfall vorliegt, und welche Maßnahmen zur Stabilisierung und Verbesserung des Patientenzustands ergriffen werden müssen. Dafür wirst du mit verschiedenen Medikamenten, Rettungsmitteln und Techniken eingehend vertraut gemacht.
Wichtig: Neuordnung der Heilkundebefugnis. Seit dem 27. Juli 2023 dürfen Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter unter bestimmten Voraussetzungen auch Betäubungsmittel (insbesondere Opioide) eigenverantwortlich verabreichen – ohne vorherige ärztliche Anordnung – sofern das Eintreffen eines Arztes nicht abgewartet werden kann. Dies stärkt die Stellung des Berufsbilds erheblich. Quelle: § 2a NotSanG, Änderung des Betäubungsmittelgesetzes 2023.
Sofern du nur einen Führerschein Klasse B hast, wirst du während der Ausbildung den Führerschein Klasse C1 erwerben müssen. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten, die du vorab einkalkulieren solltest. Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung aus einem schriftlichen, einem praktischen und einem mündlichen Teil. Nach erfolgreichem Bestehen darfst du als Notfallsanitäter/in arbeiten.
Voraussetzungen und Eigenschaften
Als schulische Voraussetzung für die Ausbildung als Notfallsanitäter/in gilt der Realschulabschluss (mittlerer Schulabschluss) oder alternativ der Hauptschulabschluss in Verbindung mit einer abgeschlossenen mindestens zweijährigen Berufsausbildung. Darüber hinaus sind ein eintragungsfreies Führungszeugnis und ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorzulegen.
Beim Start der Ausbildung solltest du volljährig sein und über einen Führerschein (Klasse B oder C) verfügen. Um körperliche Fitness und persönliche Eignung zu prüfen, führen viele Ausbildungsbetriebe Vorstellungsgespräche oder Assessment-Center durch. Dabei wird deine Fitness auf die Probe gestellt – der NotSan-Rucksack bringt allein 15 Kilogramm auf die Waage, gelegentlich müssen auch Patientinnen und Patienten getragen werden.
Für eine erfolgreiche Bewerbung solltest du außerdem mitbringen: ein starkes medizinisches Interesse, Akzeptanz für Körperflüssigkeiten, eine schnelle Auffassungsgabe, Empathie, Konzentrationsfähigkeit, psychische Belastbarkeit, Sorgfalt, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Wer diese Eigenschaften mitbringt, hat gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
Bewerbung als Notfallsanitäter/in
Wenn du dich für eine Ausbildung als Notfallsanitäter/in bewerben möchtest, solltest du bei Blutspendediensten, Feuerwehren sowie Rettungs- und Krankentransportdiensten nach freien Lehrstellen suchen. Auch größere Betriebe wie Flughäfen bilden eigene Notfallsanitäter/innen aus. Bekannte Ausbildungsträger sind unter anderem das DRK, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der ASB sowie kommunale Berufsfeuerwehren.
Bei den großen Ausbildungsträgern sind Online-Bewerbungsformulare inzwischen üblich. Kleinere, regionale Träger können weiterhin auf eine schriftliche Bewerbung bestehen. In jedem Fall sollte deine Bewerbung das Bewerbungsanschreiben, den tabellarischen Lebenslauf mit einem aktuellen Bewerbungsfoto und deine letzten Schulzeugnisse enthalten.
Nimm dir genügend Zeit für das Anschreiben und arbeite heraus, warum dich die NotSan-Ausbildung reizt und weshalb du dich für diesen Träger entschieden hast. Eine ehrenamtliche Tätigkeit oder ein Praktikum im sozialen Bereich oder direkt im Rettungsdienst verbessert die Chancen erheblich – auch für Hauptschülerinnen und -schüler. Entsprechende Nachweise sollten direkt der Bewerbung beigefügt werden.
Zukunft und Perspektive als Rettungsdienstmitarbeiter/in
Den Beruf Notfallsanitäter/in gibt es in seiner heutigen Form seit dem Jahr 2014. Er ersetzt den bisherigen Beruf Rettungsassistent/in, stellt die höchste nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst dar und ist in Fachkreisen als NotSan bekannt. Alle ehemaligen Rettungsassistentinnen und -assistenten mussten sich bis spätestens Ende 2023 mittels staatlicher Ergänzungsprüfung zum NotSan weitergebildet haben.
Die Berufsaussichten sind ausgezeichnet: Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) waren im Jahr 2022 rund 86.000 Personen im Rettungsdienst beschäftigt – ein Anstieg von 71 Prozent gegenüber 2012, als es noch rund 50.000 waren. Trotz dieses Wachstums ist der Bedarf an Fachkräften weiterhin hoch. Die alternde Bevölkerung und die steigende Zahl von Notfalleinsätzen sorgen dafür, dass eine Trendwende in naher Zukunft nicht absehbar ist.
Technologie und Telemedizin verändern die Arbeit zunehmend: Neue Diagnose- und Überwachungsgeräte, KI-gestützte Lageeinschätzung und telemedizinische Unterstützung durch Ärzte aus der Ferne verbessern die Versorgungsqualität und eröffnen neue Tätigkeitsfelder. Die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung – gemäß den aktuellen medizinischen Standards und technologischen Entwicklungen – ist dabei eine Schlüsselkompetenz.
Eine Alternative für Interessierte, die zunächst einen kürzeren Einstieg suchen, ist die Ausbildung zum Rettungssanitäter/in – diese ist jedoch wesentlich kürzer und kein anerkannter Ausbildungsberuf im rechtlichen Sinne.
Beschäftigte im Rettungsdienst in Deutschland 2010–2025
Beschäftigte im Rettungsdienst gesamt (Haupt- und Teilzeit), Deutschland
Prognose/Schätzung 2023–2025
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Dezember 2024: Im Jahr 2022 waren rund 86.000 Personen im Rettungsdienst beschäftigt, Anstieg von 71 % gegenüber 2012 (damals ca. 50.000); 2021 waren es laut Destatis-Pressemitteilung zur Europäischen Notruftag-Statistik (2023) rund 85.000. Die Werte umfassen Selbstständige, Beamte, Angestellte, Arbeiterinnen und Arbeiter, Personen im Bundesfreiwilligendienst und Praktikantinnen und Praktikanten; nicht enthalten sind ehrenamtlich Tätige und Auszubildende. Werte 2010–2011 und 2013–2020 sowie 2023–2025 interpoliert/geschätzt. Alle Angaben gerundet und ohne Gewähr. Stand: April 2025.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ausbildung als Notfallsanitäter/in
Was verdient man während der Notfallsanitäter-Ausbildung?
Die Ausbildungsvergütung richtet sich bei tarifgebundenen Trägern im öffentlichen Dienst nach dem TVAöD (Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes), Besonderer Teil Pflege. Ab dem 1. April 2025 gelten folgende monatliche Bruttovergütungen: 1.293 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 1.343 Euro im 2. Ausbildungsjahr und 1.389 Euro im 3. Ausbildungsjahr. Hinzu kommen eine Jahressonderzahlung und eine Abschlussprämie von 400 Euro nach bestandener Prüfung. Ab dem 1. Mai 2026 steigen die Sätze erneut auf 1.368 / 1.418 / 1.464 Euro monatlich. Bei privaten Trägern ohne Tarifbindung kann die Vergütung geringer ausfallen. Träger wie DRK und Malteser orientieren sich in der Regel ebenfalls am TVAöD. Quellen: oeffentlicher-dienst.info TVAöD Pflege ab 01.04.2025; medi-karriere.de, März 2026.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die Notfallsanitäter-Ausbildung?
Für die Ausbildung als Notfallsanitäter/in werden folgende Voraussetzungen erwartet: (1) Schulischer Abschluss: Mindestens Realschulabschluss (mittlerer Schulabschluss) oder Hauptschulabschluss mit mindestens zweijähriger abgeschlossener Berufsausbildung. (2) Mindestalter: Volljährigkeit zu Ausbildungsbeginn. (3) Führerschein: Klasse B oder C (Klasse C1 wird ggf. während der Ausbildung erworben). (4) Führungszeugnis: Eintragungsfreies polizeiliches Führungszeugnis. (5) Gesundheitszeugnis: Ärztliches Attest über körperliche Eignung. Viele Ausbildungsträger führen zusätzlich Eignungstests, Vorstellungsgespräche oder Assessment-Center durch, bei denen körperliche Fitness, psychische Belastbarkeit, Teamfähigkeit und medizinisches Interesse geprüft werden. Erste ehrenamtliche Erfahrungen bei Hilfsorganisationen verbessern die Bewerbungschancen erheblich. Quellen: § 5 NotSanG; praktischarzt.de; jobs-regional.de.
Wie unterscheidet sich der Notfallsanitäter vom Rettungssanitäter und Rettungsassistenten?
Der Notfallsanitäter (NotSan) ist seit 2014 die höchste nicht-ärztliche Qualifikation im deutschen Rettungsdienst und ersetzt den früheren Rettungsassistenten. Die Ausbildung dauert drei Jahre (4.600 Stunden), ist nach dem NotSanG bundesweit geregelt und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. NotSan dürfen unter definierten Voraussetzungen eigenverantwortlich heilkundliche Maßnahmen durchführen – seit 2023 auch die Vergabe von Betäubungsmitteln. Der Rettungsassistent (RA) war der Vorgängerberuf mit zweijähriger Ausbildung und ist seit 2014 nicht mehr neu ausbildbar; alle ehemaligen RA mussten sich bis Ende 2023 zum NotSan weiterqualifizieren. Der Rettungssanitäter (RettSan) hingegen ist kein anerkannter Ausbildungsberuf im rechtlichen Sinne, sondern ein Kurs mit 520 Stunden. Er befähigt zur Mitarbeit im Krankentransport und als Helfer im Rettungsdienst, darf aber keine eigenverantwortlichen heilkundlichen Maßnahmen vornehmen. Quellen: § 29 NotSanG; Wikipedia, Notfallsanitäter; praktischarzt.de.
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