Der Beruf des Dachdeckers gehört zu den ältesten Handwerksberufen und wird nachweislich seit dem 13. Jahrhundert ausgeübt. Das Berufsbild hat sich im Laufe der Jahrhunderte prinzipiell wenig verändert. Was sich jedoch deutlich weiterentwickelt hat, sind die Materialien, Werkstoffe und Gerätschaften, mit denen Dachdecker heute arbeiten.
Der Beruf unterteilt sich in zwei Fachrichtungen: die Reetdachtechnik und den Bereich Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik. Weil die Reetdachtechnik hauptsächlich in Norddeutschland zur Anwendung kommt und die Mehrheit der Dachdecker im Fachbereich Dachtechnik, Wandtechnik und Abdichtungstechnik tätig ist, geht es hier speziell um dieses Fachgebiet.
Der Job als Dachdecker/in spielt sich hauptsächlich in luftiger Höhe auf den Dachstühlen deutscher Häuser ab. Dachdecker erstellen Dächer auf Neubauten und bringen verschiedene Materialien wie Ziegel, Schiefer, Dachplatten, Schindeln oder Blech zum Einsatz. Mit diesen Materialien wird das Dach nach außen verkleidet.
Ebenfalls zum Tätigkeitsbereich gehört die Verwendung von Dämmstoffen und Holz für Unterkonstruktionen. Das Einfügen von Fenstern in Bedachungen unterliegt den Dachdeckern ebenso wie das Anbringen von Dachrinnen, Blitzableitern oder Photovoltaik- und Solartechnik.
Gehalt als Dachdecker
Das Gehalt als Dachdecker/in richtet sich wie bei den meisten anderen Berufen nach der Qualifikation, der Berufserfahrung und dem Verantwortungsbereich. In den Wintermonaten ist die konjunkturelle Lage der Dachdeckerei wetterbedingt oft schwächer. Einige Dachdecker werden daher in den Wintermonaten freigestellt, weil weniger Arbeit in den Betrieben vorhanden ist. Übergangsweise bis zum Frühjahr ist dann der Bezug von Saison-Kurzarbeitergeld keine Seltenheit.
Der Verdienst variiert je nach Region, Betriebsgröße und Tarifbindung. Laut aktuellem Tarifvertrag im Dachdeckerhandwerk liegt der Gesellenstundenlohn seit Oktober 2025 bei 22,51 Euro brutto und steigt ab Oktober 2026 auf 23,28 Euro brutto. Je nach Erfahrung und Verantwortung liegt das monatliche Bruttogehalt für Dachdecker in der Regel zwischen 2.700 und 4.000 Euro. Als Dachdeckermeister sind bis zu 5.500 Euro brutto im Monat möglich. Zusätzlich erhalten Dachdecker tariflich ein 13. Monatseinkommen.
Ausbildung zum Dachdecker
Dachdecker ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der deutschen Handwerksordnung und wird in den zwei Fachrichtungen Reetdachtechnik sowie Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik angeboten. Die Ausbildung in der Dachdeckerei ist eine duale Ausbildung mit einer Dauer von drei Jahren. Eine Spezialisierung auf einen der zwei Fachbereiche erfolgt im dritten Ausbildungsjahr.
Wie bei allen anerkannten Berufen nach der Handwerksordnung existiert für die Lehre keine gesetzliche Zugangsvoraussetzung. Die Auswahl der Bewerber obliegt daher ganz allein den Ausbildungsbetrieben, die ihre Einstellungskriterien selbst definieren. In der Regel werden Auszubildende mit Hauptschulabschluss oder mittlerem Schulabschluss eingestellt.
Die Dachdeckerausbildung gilt bei erfolgreicher Abschlussprüfung vor der Handwerkskammer als bestanden. Dazu müssen eine praktische Prüfung und eine schriftliche Prüfung abgelegt werden. Sollte die schriftliche Prüfung an der Grenze zwischen Durchfallen und Bestehen liegen, kann eine zusätzliche mündliche Prüfung in Erwägung gezogen werden. Die tarifliche Ausbildungsvergütung (Stand: ab Oktober 2025) sieht wie folgt aus:
Eigenschaften und Voraussetzungen
Die wesentlichste Eigenschaft für Dachdecker oder Dachdeckermeister ist die Schwindelfreiheit in luftiger Höhe. Das Hauptarbeitsgebiet in diesem Job liegt, wie die Berufsbezeichnung schon sagt, auf dem Dach. Wer unter Höhenangst leidet, ist für diesen Beruf nicht geeignet. In dieser luftigen Höhe müssen Dachdecker nicht nur sicher stehen, sondern aktiv ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen – unter anderem bei der Erstellung von Holzkonstruktionen.
Dachdeckerarbeiten finden immer unter freiem Himmel statt. Diese Tatsache sollte man sich vor der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz bewusst machen. Natürlich wird bei Unwetterwarnungen kaum jemand eine Bedachung betreten, aber Regen, Wind oder starker Sonnenschein gehören zum Arbeitsalltag in diesem Beruf.
Der Anteil an Frauen in diesem Beruf ist nach wie vor gering, was unter anderem an der hohen körperlichen Beanspruchung liegt. Die Materialien, mit denen Dachdeckerarbeiten durchgeführt werden, haben ein hohes Gewicht und sind oft unhandlich. Dachziegel sind zwar einzeln noch relativ leicht, aber wer an einem Tag beispielsweise 4.000 davon in die Hand nehmen muss, weiß, wovon die Rede ist.
Bewerbung als Dachdecker/in
Eine Bewerbung auf Ausbildungsplätze oder Jobs bei einer Dachdeckerei erfolgt in der Regel auf dem postalischen Weg mit einer Bewerbungsmappe. Die Bewerbung enthält einen Lebenslauf und Zeugniskopien. Zudem liegt der Bewerbungsmappe das Bewerbungsschreiben bei. Im Bewerbungsschreiben wird deutlich auf Qualifikation, Berufserfahrung und Motivation eingegangen. Der Lebenslauf wird tabellarisch gestaltet und bietet eine vollständige Übersicht der bisherigen beruflichen und schulischen Stationen samt Abschlüssen mit zeitlicher Angabe.
Online-Bewerbungen auf Stellenangebote als Dachdecker werden zunehmend häufiger, dennoch spielt in diesem Bereich der persönliche Kontakt zum potenziellen Arbeitgeber nach wie vor eine wichtige Rolle.
Sollten Sie offene Fragen zum Stellenangebot haben, können Sie diese ruhig telefonisch klären. So bekommen Sie einen direkten Eindruck vom Unternehmen – und das Unternehmen natürlich ebenso von Ihnen. Wenn Sie hierbei in positiver Erinnerung bleiben, kann das im weiteren Bewerbungsverfahren hilfreich sein. Idealerweise geben Sie die Bewerbungsunterlagen sogar direkt im Betrieb ab und lernen so bereits das Unternehmen vor Ort kennen.
Trends für Dachhandwerker
Neue Entwicklungen im Bereich der Wärmedämmung und Energieeffizienz, bedingt unter anderem durch verschärfte Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), sorgen bei Dachdeckereien für neue Aufträge. Über die Bedachung entweicht sehr viel Wärmeenergie, was besonders bei Bewohnern von Dachgeschosswohnungen hohe Heizkosten verursachen kann.
Ein weiteres bedeutendes Tätigkeitsfeld, das Dachdeckern aktuell viel Arbeit beschert, ist die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern zur Energieerzeugung durch Solartechnik. Der Ausbau erneuerbarer Energien hat die Nachfrage nach Dachdeckern mit Solartechnik-Kompetenz in den letzten Jahren stark erhöht. Ebenso werden zunehmend Solarthermie-Anlagen auf Hausdächern installiert, die das Gebäude mit Warmwasser versorgen können.
Auch die Digitalisierung hält Einzug im Dachdeckerhandwerk: Drohnenvermessung, BIM (Building Information Modeling) und digitale Baustellen-Dokumentation werden immer wichtiger. Generell hat die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland einen großen Einfluss auf die Beschäftigungszahlen für Dachdecker. Die Zinspolitik ist dabei entscheidend für Bauvorhaben – bei hohen Zinsen wird weniger gebaut, bei niedrigen Zinsen entsprechend mehr.
Übrigens gibt es auch den Beruf Dachklempner/in als anerkannten Ausbildungsberuf. Dieser überschneidet sich bei vielen Aspekten mit dem Dachdeckerberuf. Dachklempner sind meistens ebenfalls in einer Dachdeckerei angestellt, arbeiten aber in der Regel eher mit Blechen aus Zink, Kupfer, Aluminium oder Edelstahl.
Häufig gestellte Fragen zum Beruf Dachdecker
Wie viel verdient ein Dachdecker?
Das Gehalt eines Dachdeckers liegt je nach Erfahrung, Region und Tarifbindung zwischen 2.700 und 4.000 Euro brutto im Monat. Der tarifliche Gesellenstundenlohn beträgt ab Oktober 2026 rund 23,28 Euro brutto. Als Dachdeckermeister sind bis zu 5.500 Euro brutto monatlich möglich.
Welche Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung zum Dachdecker?
Für die dreijährige duale Ausbildung zum Dachdecker wird in der Regel ein Hauptschulabschluss oder ein mittlerer Schulabschluss erwartet. Wichtig sind Schwindelfreiheit, körperliche Belastbarkeit, handwerkliches Geschick und die Bereitschaft, bei jedem Wetter im Freien zu arbeiten.
Hat der Beruf Dachdecker Zukunft?
Ja, der Beruf Dachdecker hat sehr gute Zukunftsperspektiven. Durch die steigende Nachfrage nach energetischer Gebäudesanierung, den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen und den zunehmenden Fachkräftemangel im Handwerk werden qualifizierte Dachdecker stark gesucht.
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