Selbst in einer zunehmend digitalisierten Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und virtuellem Raum verschwimmen, spielt der Beruf der Gestalterin bzw. des Gestalters für immersive Medien eine entscheidende Rolle.
Als Fachkraft in der Entwicklung von Virtual-Reality- (VR), Augmented-Reality- (AR) und Mixed-Reality-Erfahrungen (MR) bist du die kreative und technische Kraft hinter fesselnden digitalen Welten, die Nutzerinnen und Nutzer in neue Erlebnisräume entführen.
Diese multidisziplinäre Ausbildung erfordert ein einzigartiges Zusammenspiel aus Design, Technologie und künstlerischem Geschick, um innovative Anwendungen in Bereichen wie Gaming, Bildung, Medizin, Architektur und Industrie zu schaffen.
Gehalt als Gestalter/in für immersive Medien
Das Gehalt als Gestalter/in für immersive Medien variiert je nach Standort, Berufserfahrung, Spezialisierung und Arbeitgeber. Da es sich um einen noch jungen, staatlich anerkannten Ausbildungsberuf handelt (eingeführt 2020), liegen die Gehaltsdaten noch nicht so umfangreich vor wie in etablierten Berufsfeldern.
Als Berufseinsteiger/in nach der Ausbildung ist ein Jahresbruttogehalt zwischen 28.000 und 40.000 Euro realistisch. Mit wachsender Berufserfahrung und Spezialisierung – etwa in der industriellen VR-Simulation, der medizinischen Visualisierung oder im Game Design – steigen die Gehälter deutlich an. Erfahrene Fachkräfte, leitende Gestalterinnen und Gestalter oder Art Directors können Jahresgehälter von 60.000 bis über 90.000 Euro erzielen. In spezialisierten Führungspositionen oder bei großen Studios sind auch Gehälter über 100.000 Euro möglich.
Während der Ausbildung erhalten Auszubildende eine Vergütung, die sich nach dem jeweiligen Tarifvertrag oder der Branchenüblichkeit richtet und in der Regel zwischen 600 und 1.000 Euro brutto pro Monat liegt.
Ausbildung als Gestalter/in für immersive Medien
Die Ausbildung zur Gestalterin bzw. zum Gestalter für immersive Medien ist seit 2020 ein staatlich anerkannter dualer Ausbildungsberuf in Deutschland. Die Ausbildungsdauer beträgt 36 Monate und findet abwechselnd im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Sie schließt mit einer Abschlussprüfung vor der IHK ab.
Rechtlich ist keine bestimmte schulische Vorbildung vorgeschrieben. In der Praxis bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur, insbesondere mit Stärken in den Bereichen Kunst, Informatik oder Medien.
Ausbildungsinhalte in den ersten 18 Monaten im Betrieb
Gestalten von immersiven Medien mit Autorenwerkzeugen und in Entwicklungsumgebungen:
Das Gestalten von immersiven Medien umfasst die Erstellung von Inhalten, die Nutzerinnen und Nutzer in virtuelle Umgebungen eintauchen lassen. Mit spezialisierten Autorenwerkzeugen und Entwicklungsumgebungen – etwa Unity oder Unreal Engine – werden interaktive Erfahrungen wie virtuelle Welten, Simulationen und digitale Umgebungen entwickelt, die visuelle, auditive und haptische Elemente kombinieren.
Iteratives Entwickeln von Prototypen:
Beim iterativen Entwickeln von Prototypen wird ein agiler Designprozess angewendet, der auf wiederholten Zyklen von Entwurf, Test und Anpassung basiert. Prototypen sind vereinfachte Versionen eines Produkts oder einer Anwendung, die genutzt werden, um Funktionalität, Nutzererfahrung und Design frühzeitig zu validieren.
Erfassen, Modellieren und Aufbereiten von 3-D-Daten:
Dreidimensionale Objekte und Szenen werden am Computer modelliert, durch 3-D-Scans erfasst oder aus anderen Quellen generiert. Anschließend werden diese Daten bearbeitet und optimiert, um ihre Qualität zu verbessern und sie für den jeweiligen Verwendungszweck vorzubereiten.
Gestalten und Umsetzen von Animationen:
Die Erstellung von Animationen umfasst 2-D- und computergenerierte 3-D-Animation. Mithilfe spezialisierter Software werden Figuren, Objekte und Umgebungen mit Bewegung und Ausdruck versehen.
Durchführen von Bild- und Tonaufnahmen in realen und virtuellen Produktionen:
Die Erfassung von visuellen und auditiven Inhalten erfolgt sowohl in realen Umgebungen mit Kameras und Mikrofonen als auch in virtuellen Umgebungen mit spezieller Software. Die aufgenommenen Materialien werden anschließend in der Postproduktion weiterverarbeitet.
Einrichten von Netzwerktechnik und Publikation für Betrieb und Distribution:
Dazu gehören die Konfiguration von Netzwerkinfrastrukturen, das Hosting von Inhalten in der Cloud sowie die Entwicklung von Schnittstellen für die Nutzerinteraktion, um sicherzustellen, dass immersive Inhalte effizient bereitgestellt und abrufbar sind.
Kooperieren, Kommunizieren und Präsentieren:
Die Zusammenarbeit mit Teammitgliedern, Kundinnen und Kunden sowie externen Partnerinnen und Partnern ist zentraler Bestandteil des Berufsalltags. Dazu gehört die Fähigkeit, Ideen verständlich zu kommunizieren und Projekte überzeugend zu präsentieren.
Einhalten der rechtlichen Grundlagen der Medienproduktion:
Die Einhaltung von Urheberrecht, Markenrecht, Datenschutzbestimmungen (insbesondere DSGVO) und Lizenzvereinbarungen ist essenziell, um rechtliche Risiken bei der Erstellung und Veröffentlichung von immersiven Medieninhalten zu vermeiden.
Ausbildungsinhalte der Berufsschule für das 1. und 2. Ausbildungsjahr
- Beruf und Betrieb präsentieren: Den Beruf und die Geschäftstätigkeiten vorstellen und veranschaulichen.
- Bild- und Tonaufnahmegeräte einrichten: Die Einrichtung von Geräten zur Aufnahme von Bild- und Tonmaterial vornehmen.
- Bild- und Tonaufnahmen durchführen: Die Aufnahme von visuellem und auditivem Material unter Anwendung entsprechender Techniken ausführen.
- Bild- und Tonmaterial auswählen, bearbeiten und bereitstellen: Auswahl, Bearbeitung und Bereitstellung von visuellen und auditiven Inhalten für den Einsatz in Medienproduktionen.
- Statische 3-D-Elemente erstellen und bearbeiten: Die Erstellung und Bearbeitung von 3-D-Objekten ohne Animation oder Bewegung.
- 3-D-Modelle animieren: Die Animation von dreidimensionalen Modellen durchführen, um Bewegung und Lebendigkeit zu verleihen.
- Klangwelten realisieren: Die Schaffung und Umsetzung von auditiven Umgebungen und Atmosphären.
- Digitale Realitäten nach Kundenvorgaben erstellen: Die Entwicklung und Realisierung von digitalen Umgebungen gemäß den Anforderungen und Wünschen der Auftraggebenden.
Ausbildungsinhalte im Betrieb vom 19. bis 36. Monat
Vertiefen der Kenntnisse aus den ersten 18 Monaten:
In der zweiten Hälfte der Ausbildung werden die erworbenen Kenntnisse durch Spezialisierungen, Weiterbildungskurse und komplexere Praxisprojekte ausgebaut und verfeinert.
Gestalten von immersiven Klangwelten:
Die Schaffung von auditiven Umgebungen, die Nutzerinnen und Nutzer vollständig in eine Atmosphäre eintauchen lassen, erfolgt durch den Einsatz von Soundeffekten, Musik, Raumklangtechniken (Spatial Audio) und anderen modernen Audiotechnologien.
Entwickeln von Konzeption und Gestaltung im Team:
Im Team werden Ideen entwickelt, Konzepte erarbeitet und gestalterische Lösungen entworfen. Die Synergie unterschiedlicher Perspektiven führt zu kreativen und robusten Ergebnissen.
Beraten von Kundinnen und Kunden:
Die Kommunikation mit Auftraggebenden dient dazu, deren Anforderungen zu verstehen und ihnen bei der Auswahl der besten Lösungen zu helfen. Dazu gehört die Fähigkeit, kreative Ideen überzeugend zu präsentieren.
Validieren und Abschließen von Aufträgen:
Nach Projektabschluss werden die Ergebnisse anhand der vereinbarten Anforderungen und Qualitätsstandards geprüft. Erst nach erfolgreicher Validierung werden Aufträge offiziell abgeschlossen und übergeben.
Planen und Organisieren von Projekten durch iterative Prozesse:
Agile Methoden wie Scrum oder Kanban werden genutzt, um Projekte strukturiert zu planen, flexibel auf Änderungen zu reagieren und den Fortschritt kontinuierlich zu überprüfen.
Ausbildungsinhalte der Berufsschule im dritten Ausbildungsjahr
Im dritten Ausbildungsjahr werden die Inhalte aus Betrieb und Berufsschule vertieft. Schwerpunkte sind das iterative Entwickeln von Prototypen, die eigenständige Konzeption und Produktion digitaler Realitäten sowie die selbstständige Planung und Realisierung komplexer immersiver Medienprojekte.
Nach erfolgreich absolvierten 36 Monaten in Betrieb und Berufsschule erfolgt die Abschlussprüfung zur Gestalterin bzw. zum Gestalter für immersive Medien vor der IHK.
Eigenschaften und Voraussetzungen als Gestalter/in für immersive Medien
Als Gestalterin oder Gestalter für immersive Medien sind bestimmte Eigenschaften entscheidend, um erfolgreich in diesem faszinierenden und sich rasant weiterentwickelnden Berufsfeld zu arbeiten.
Kreativität: Die Fähigkeit, einzigartige und fesselnde VR-, AR- und MR-Erfahrungen zu konzipieren und zu gestalten, erfordert eine ausgeprägte kreative Denkweise und ein Gespür für visuelle Wirkung.
Technologisches Interesse und Affinität: Ein starkes Interesse an aktuellen Technologien und die Bereitschaft, sich mit neuen Tools, Plattformen und Programmiersprachen wie Python, C# oder Blueprints auseinanderzusetzen, sind unerlässlich.
Problemlösungsfähigkeiten: Die Fähigkeit, komplexe technische Herausforderungen zu identifizieren und kreative Lösungen zu entwickeln, ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung immersiver Medienprojekte.
Teamarbeit und Kommunikation: Die enge Zusammenarbeit mit Designerinnen und Designern, Entwicklerinnen und Entwicklern sowie Auftraggebenden erfordert ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten und Teamorientierung.
Analytisches Denken: Die Fähigkeit, komplexe Konzepte zu durchdringen und in technische Umsetzungen zu überführen, ist eine wichtige Grundlage für qualitativ hochwertige Ergebnisse.
Bewerbung als Gestalter/in für immersive Medien
Eine Bewerbung als Gestalterin oder Gestalter für immersive Medien sollte alle relevanten Informationen enthalten, um potenzielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von deinen Qualifikationen, Fähigkeiten und deiner Motivation zu überzeugen.
Das Anschreiben ist der erste Eindruck, den du hinterlässt. Es sollte prägnant, professionell und individuell auf das Unternehmen zugeschnitten sein – erkläre, warum du dich für die Position interessierst und warum du die richtige Besetzung bist.
Der Lebenslauf gibt einen strukturierten Überblick über Ausbildung, Berufserfahrung, Fähigkeiten und Qualifikationen. Hebe relevante Erfahrungen im Bereich immersive Medien besonders hervor und nenne konkrete Tools und Technologien, mit denen du gearbeitet hast.
Ein Portfolio ist für diesen Beruf von entscheidender Bedeutung. Es zeigt konkrete Beispiele deiner bisherigen Arbeiten und Projekte – in Form von Bildern, Videos, Links zu Anwendungen oder interaktiven Demos. Ein starkes Portfolio kann eine Bewerbung entscheidend aufwerten.
Referenzen von früheren Arbeitgeberinnen, Arbeitgebern oder Lehrkräften sowie relevante Zertifikate oder Qualifikationsnachweise runden die Bewerbung ab. Ein Motivationsschreiben kann optional ergänzt werden, um auf persönliche Karriereziele und spezifische Stärken einzugehen.
Alle Bewerbungsunterlagen sollten gut strukturiert, fehlerfrei und individuell auf die ausgeschriebene Position zugeschnitten sein.
Trends und Perspektiven als Gestalter/in für immersive Medien
Die Zukunftsaussichten für Gestalterinnen und Gestalter für immersive Medien sind ausgezeichnet. Mit der zunehmenden Verbreitung von VR-, AR- und MR-Technologien wächst die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in nahezu allen Branchen.
Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit die Bereiche industrielle VR-Simulation (Wartung, Training, Fertigung), medizinische Visualisierung und Therapieunterstützung, immersives Lernen und E-Learning sowie Architektur- und Stadtplanung mit AR-Overlays. Auch der Einsatz von KI-gestützten Tools zur Generierung von 3-D-Inhalten und Umgebungen verändert die Arbeitsprozesse zunehmend und eröffnet neue kreative Möglichkeiten.
Wichtig ist, sich kontinuierlich weiterzubilden und über die neuesten Trends und Technologien informiert zu bleiben. Wer Flexibilität und Lernbereitschaft mitbringt, hat in diesem dynamischen Berufsfeld langfristig ausgezeichnete Karrierechancen.
Viele Gestalterinnen und Gestalter für immersive Medien entscheiden sich nach der Ausbildung für eine freiberufliche Tätigkeit oder gründen eigene Studios, um kreativ und unabhängig zu arbeiten.
Häufige Fragen zum Beruf Gestalter/in für immersive Medien
Wie lange dauert die Ausbildung zur Gestalterin bzw. zum Gestalter für immersive Medien?
Die duale Ausbildung zur Gestalterin bzw. zum Gestalter für immersive Medien dauert 36 Monate (drei Jahre) und findet abwechselnd im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Sie schließt mit einer Abschlussprüfung vor der IHK ab. Der Beruf wurde 2020 als staatlich anerkannter Ausbildungsberuf eingeführt und gehört damit zu den jüngsten Ausbildungsberufen in Deutschland.
In welchen Branchen arbeiten Gestalterinnen und Gestalter für immersive Medien?
Gestalterinnen und Gestalter für immersive Medien sind in einer Vielzahl von Branchen gefragt: Gaming und Unterhaltung, Bildung und E-Learning, Medizin und Rehabilitation, Architektur und Stadtplanung, Industrie und Fertigung (z. B. virtuelle Trainings und Wartungssimulationen), Marketing und Werbung sowie Film- und Medienproduktion. Die Einsatzmöglichkeiten erweitern sich mit der Verbreitung von VR- und AR-Technologien kontinuierlich.
Welche Schulabschlüsse werden für die Ausbildung als Gestalter/in für immersive Medien benötigt?
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss für die Ausbildung zur Gestalterin bzw. zum Gestalter für immersive Medien vorgeschrieben. In der Praxis bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur, insbesondere mit Stärken in den Bereichen Kunst, Informatik oder Medien. Ein aussagekräftiges Portfolio kann fehlende formale Voraussetzungen häufig ausgleichen.
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