Seitdem Menschen in den Urlaub fahren und besonders seit es Pauschalreisen gibt, existiert auch das Berufsbild Reiseleiter/in. Der Job ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem eines Animateurs, auch wenn die Grenzen hier bei einigen Reiseveranstaltern fließend sind.
In der Regel ist eine Reiseleitung auf ein bestimmtes touristisches Zielgebiet spezialisiert und betreut eine Reisegruppe über die gesamte Urlaubszeit. Die Berufsbezeichnungen Fremdenführer, Gästeführer oder Touristenführer sind weniger gebräuchlich und werden speziell für Führungen in Städten und bei Sehenswürdigkeiten genutzt.
Der Reiseleiter / die Reiseleiterin ist für die gesamte Urlaubsgruppe verantwortlich und sorgt für einen unbeschwerten Urlaub. Bei Problemen und der organisatorischen Abwicklung ist die Reiseleitung der erste Ansprechpartner. Das Aufgabengebiet umfasst sämtliche Bereiche der Reise – vom Transport über die Unterkunft bis hin zu Essen, Ausflügen oder persönlichen Problemen der Reisenden.
Die Informationsvermittlung bei Städtereisen, Ausflügen oder touristischen Sehenswürdigkeiten gehört natürlich ebenfalls zum Job. Fundierte Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten, der Kultur und möglichst auch der Landessprache sind daher unverzichtbar. Arbeitgeber der Reiseleiter sind in erster Linie Reiseveranstalter, Hotels, Fremdenverkehrsämter oder Tourismusverbände.
Gehalt als Reiseleiter/in
Das Gehalt als Reiseleiter/in hängt von vielen Faktoren ab: Qualifikation, Berufserfahrung, Verantwortungsbereich und Zielgebiet. Die wenigsten Reiseleiter/innen arbeiten in einem festen Angestelltenverhältnis – die meisten werden auf Honorarbasis als freie Mitarbeiter tätig und versteuern ihr Honorar eigenständig.
Das Honorar berechnet sich in der Regel nach pauschalen Tagessätzen. Der ernstzunehmende Honorarrahmen für Reiseleiter/innen mit vollem Aufgaben- und Verantwortungsbereich liegt laut Branchenangaben bei rund 120 bis 200 Euro pro Einsatztag – für einfache Reisebegleitung ohne Leitungsverantwortung auch bei 50 bis 100 Euro. Hochspezialisierte Studienreisenleiter oder Guides auf Premiumreisen können Tagessätze von 300 bis 400 Euro erzielen. Zusätzlich können Spesen, Prämien oder Trinkgelder das Einkommen erhöhen. Viele Reiseleiter/innen sind rund 180 Tage pro Jahr im Einsatz; bei einem Tagessatz von 150 Euro ergibt sich daraus ein Jahresbruttoeinkommen von rund 27.000 Euro. (Quellen: reiseleiter.com, RTGV – Reiseleiter und TourGuide Verband e.V., Stand 2024/2025)
Im Angestelltenverhältnis – zum Beispiel bei einem Reiseveranstalter oder in einem Fremdenverkehrsamt – können Reiseleiter/innen mit einem Bruttogehalt von rund 2.200 bis 2.800 Euro monatlich rechnen. Das Einstiegsgehalt liegt laut Marktdaten bei etwa 1.750 Euro. Erfahrene Reiseleiter/innen erzielen bis zu 4.000 Euro monatlich. Laut DRV-Tarifgemeinschaft und ver.di wurde Ende 2024 nach über sieben Jahren erstmals wieder ein neuer Gehaltstarifvertrag für die Touristikbranche abgeschlossen, der rückwirkend ab Mai 2025 gilt. (Quellen: karrieresprung.de, DRV-Tarifgemeinschaft/ver.di Tarifabschluss Dezember 2024)
Generell lässt sich festhalten: Die Gehälter in der Touristik fallen bei Jobs ohne Führungsverantwortung im Vergleich zu anderen Branchen eher bescheiden aus. Laut Statistischem Bundesamt verdienten Reiseverkehrskaufleute im April 2024 durchschnittlich rund 3.454 Euro brutto – damit lagen sie unter dem Schnitt aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsausbildung (3.973 Euro). (Quelle: Statistisches Bundesamt / Destatis, Verdiensterhebung April 2024)
Ausbildung als Reiseleiter/Reiseleiterin
Gesetzlich vorgeschrieben ist für diesen Beruf keine bestimmte Ausbildung. Reiseleiter/in ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Die Reiseveranstalter bilden selbst aus oder beschäftigen Reiseleiter/innen mit einer Berufsausbildung im touristischen Bereich oder einem Studium in Kultur-, Sprach- oder Reisewissenschaften. Bei Jugendreisen sind Reiseleiter/innen häufig Pädagogikstudierende.
Die Spielräume der internen Qualifizierung legt jeder Veranstalter selbst fest. In der Regel kann eine solche Qualifizierung nachträglich von der IHK zertifiziert werden. Eine Ausbildungsvergütung wird üblicherweise nicht gezahlt – im Gegenteil können für Schulungen und Trainings des Veranstalters sogar Kosten entstehen.
Als verwandte und empfehlenswerte Ausbildungsberufe bieten sich an: die Ausbildung zum Tourismuskaufmann/-frau oder zum Kaufmann/Kauffrau für Tourismus und Freizeit. Diese dreijährigen dualen Ausbildungen vermitteln kaufmännisches und touristisches Fachwissen und schaffen eine gute Grundlage für den Einstieg als Reiseleitung. Ab März 2026 gelten für diese Ausbildungsberufe im DRV-Tarifbereich neue Ausbildungsvergütungen von 934 Euro (1. Lj.), 1.053 Euro (2. Lj.) und 1.207 Euro (3. Lj.) monatlich brutto. (Quelle: DRV-Tarifgemeinschaft / ver.di Tarifabschluss Dezember 2024)
Eigenschaften und Voraussetzungen für Reiseleiter/innen
Der direkte und permanente Umgang mit Kunden von früh morgens bis spät abends erfordert ein ausgeprägtes Verständnis für Serviceorientierung und ein kommunikatives Wesen. Den ganzen Tag offen für Fragen und Probleme zu sein und dabei stets höflich und zuvorkommend zu begegnen, ist körperlich und mental anspruchsvoll.
Ein gutes Organisationstalent ist unverzichtbar, denn viele Abläufe – vom Ausflug bis zur Stadtführung – müssen geplant, koordiniert und mit örtlichen Dienstleistern abgestimmt werden. Besonders herausfordernd sind die sogenannten Wechseltage, an denen eine abreisende Gruppe und eine ankommende Gruppe zeitlich eng aufeinanderfolgen – der Stressfaktor ist an diesen Tagen sehr hoch.
Für die Tätigkeit im Ausland sind Fremdsprachenkenntnisse – zumindest Englisch, idealerweise die Sprache des Zielgebiets – praktisch unverzichtbar. Auch kulturelles Einfühlungsvermögen, Flexibilität beim Umgang mit unvorhergesehenen Situationen und ein sicheres Auftreten vor Gruppen sind wichtige Eigenschaften.
Bewerbung als Reiseleiter/in
Reiseleiter/innen und Fremdenführer/innen arbeiten häufig auf Honorarbasis und nicht im festen Angestelltenverhältnis. Wer sich auf ein Stellenangebot als Reiseleitung bewirbt, erstellt eine vollständige Bewerbungsmappe mit Bewerbungsanschreiben, tabellarischem Lebenslauf und Zeugniskopien.
Heute erfolgt die Bewerbung fast ausschließlich über das Internet. Unterlagen per Post zu versenden ist mittlerweile eher die Ausnahme. Das Bewerbungsanschreiben stellt Motivation und Qualifikation in den Vordergrund und entscheidet in der Mehrzahl der Fälle über Absage oder Weiterkommen. Der tabellarische Lebenslauf enthält neben persönlichen Angaben den schulischen und beruflichen Werdegang sowie alle für den Beruf relevanten Stationen – inklusive Sprachkenntnisse, Auslandserfahrungen, absolvierter Reiseleiter-Qualifizierungen und besonderer Zielgebietskompetenzen.
Tipp: Ein direkter Kontakt zu den Reiseveranstaltern schon vor der offiziellen Stellenausschreibung kann sehr hilfreich sein – viele Veranstalter bauen ihren Pool an freien Reiseleitern durch persönliche Empfehlungen auf.
Trends und Entwicklungen in der Touristik
Der Deutschlandtourismus erlebt seit der Erholung von der Corona-Pandemie eine starke Renaissance. Im Jahr 2024 wurden mit 496,1 Millionen Übernachtungen sogar die Zahlen des Rekordjahres 2019 übertroffen – ein Wachstum, von dem auch Reiseleiter/innen im Inland direkt profitieren. Besonders Städtereisen, Rad- und Wanderreisen sowie Naturerlebnistouren sind stark nachgefragt. (Quelle: Statistisches Bundesamt / Destatis; Bundesministerium für Wirtschaft, 2024)
Gleichzeitig wirken sich globale Unsicherheiten, politische Instabilität in manchen Regionen und gestiegene Kosten auf das Buchungsverhalten aus. Die Tourismusbranche ist konjunkturabhängig – in wirtschaftlich schwierigen Zeiten reagiert die Nachfrage nach Reisen oft mit Verzögerung. Insgesamt sind laut Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft knapp 3 Millionen Menschen direkt und indirekt im deutschen Tourismus beschäftigt – rund 6,8 Prozent aller Erwerbstätigen. (Quelle: BTW – Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft)
Aktuelle Trends, die das Berufsbild prägen, sind die zunehmende Individualisierung von Reisen (kleinere Gruppen, spezialisiertere Touren), Nachhaltigkeit und Öko-Tourismus sowie der Einsatz digitaler Tools zur Reisevorbereitung und Kommunikation mit Gruppen. Wer sich auf ein Nischensegment spezialisiert – etwa Kultur- und Studienreisen, Senioren-Touren, barrierefreies Reisen, Fahrrad- und Wandertouren oder Kreuzfahrten – steigert die eigene Nachgefragtheit und damit auch das Honorarpotenzial.
Beschäftigungsentwicklung: Reisebüros & Reiseveranstalter in Deutschland 2010–2025
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Reisebüros, Reiseveranstaltern & Reservierungsdienstleistungen (WZ 79), gerundet
Corona-Einbruch 2020/21
Erholung
* Prognose 2025
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Branche Reisebüros, Reiseveranstalter & Erbringung sonstiger Reservierungsdienstleistungen (WZ 79). Freiberufliche und honorarbasierte Reiseleiter/innen sind in dieser Statistik nicht vollständig erfasst. Werte für 2010–2018 auf Basis verfügbarer BA-Daten interpoliert. 2024/2025 teilweise geschätzt.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit (Beschäftigungsstatistik); Statista / Statistisches Bundesamt; BMWE Tourismuszahlen 2024. Stand: 2025.
Häufige Fragen zum Beruf Reiseleiter/in
Welche Ausbildung brauche ich, um Reiseleiter/in zu werden?
Eine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung gibt es nicht – Reiseleiter/in ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. In der Praxis bevorzugen Reiseveranstalter Bewerber/innen mit einer touristischen Berufsausbildung (z. B. Tourismuskaufmann/-frau oder Kaufmann/Kauffrau für Tourismus und Freizeit) oder einem Studium in Kultur-, Sprach- oder Reisewissenschaften. Viele Veranstalter führen eigene interne Schulungen durch, die teilweise von der IHK zertifiziert werden können. Fremdsprachenkenntnisse und nachgewiesene Kenntnisse über das jeweilige Zielgebiet sind in der Praxis die wichtigsten Zugangsvoraussetzungen. (Quelle: karrieresprung.de; gehaltsvergleich.com)
Wie viel verdient ein/e Reiseleiter/in?
Die meisten Reiseleiter/innen sind freie Mitarbeiter und werden auf Honorarbasis bezahlt. Der ernstzunehmende Tagessatz liegt laut Branchenangaben zwischen 120 und 200 Euro für Reiseleitung mit Leitungsverantwortung; einfache Reisebegleitung wird oft mit 50 bis 100 Euro pro Tag vergütet. Für hochspezialisierte Studienreisen sind bis zu 300–400 Euro möglich. Im Angestelltenverhältnis liegt das Bruttogehalt zwischen rund 2.200 und 2.800 Euro monatlich, Einstiegsgehälter starten bei ca. 1.750 Euro. Generell gelten die Gehälter in der Touristik als eher unterdurchschnittlich. (Quellen: reiseleiter.com; RTGV; karrieresprung.de; Destatis Verdiensterhebung April 2024)
Wie sind die Zukunftsaussichten für Reiseleiter/innen?
Die Tourismusbranche hat sich nach dem Corona-Einbruch 2020/2021 stark erholt: 2024 wurden in Deutschland mit 496,1 Millionen Übernachtungen neue Rekordwerte erzielt. Damit steigt auch die Nachfrage nach qualifizierten Reiseleiter/innen. Langfristige Trends wie Individualtourismus, Nachhaltigkeit, Senioren- und Kulturreisen bieten gut qualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten gute Perspektiven. Die Branche bleibt jedoch konjunkturabhängig – wirtschaftliche Krisen oder geopolitische Instabilität können die Nachfrage schnell dämpfen. Wer sich auf ein Nischensegment spezialisiert, ist deutlich wettbewerbsfähiger. (Quellen: BMWE Tourismuszahlen 2024; Destatis; BTW)
Ähnliche Berufsbilder wie Fremdenführer:



(21 Bewertung(en), durchschnittlich: 3,81 von 5)