Du interessierst dich für nationale und internationale wirtschaftliche Zusammenhänge? Der Umgang mit Zahlen zählt zu deinen Talenten? Wie wäre es dann mit einem Beruf in der Volkswirtschaftslehre? Volkswirte (offiziell Volkswirt/in, in der Berufsklassifikation BERUFENET als Volkswirt/in geführt) analysieren ökonomische Prozesse von kleinsten Strukturen wie Einzelpersonen bis hin zu globalen Verhältnissen.
Die Volkswirtschaftslehre teilt sich grundsätzlich in Mikroökonomie und Makroökonomie. Während die Mikroökonomie das Verhalten einzelner Wirtschaftsakteure wie Haushalte und Unternehmen untersucht, befasst sich die Makroökonomie mit gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen wie Wachstum, Inflation, Beschäftigung und internationalem Handel.
Gerade in Zeiten globaler Lieferketten, geopolitischer Verschiebungen und einer fortschreitenden Digitalisierung des Welthandels schaffen viele Unternehmen mit internationalem Absatzmarkt neue Stellen für Volkswirte. Auch Themen wie Klimaökonomie, Energiewende und nachhaltige Finanzwirtschaft haben das Berufsbild in den letzten Jahren erweitert.
Bekannte Volkswirte, die das Fach geprägt haben, sind unter anderem Adam Smith als Begründer der modernen Nationalökonomie, Karl Marx als Kritiker des Kapitalismus sowie John Maynard Keynes, der sich für staatliche Eingriffe zur Stabilisierung der Nachfrage einsetzte. In jüngerer Zeit hat sich auch die deutsche Ökonomin Isabella Weber mit Beiträgen zur Inflationsdebatte international einen Namen gemacht.
Volkswirte analysieren ökonomische Prozesse aller Größenordnungen. Der Handel mit Gütern, Dienstleistungen, Daten und Kapital spielt dabei eine zentrale Rolle. Einen Job findet der Volkswirt in Banken, Versicherungen, Unternehmensberatungen, Verbänden, Ministerien, Forschungsinstituten und Hochschulen. Auch in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, bei der EU, der Weltbank oder dem IWF ist das Know-how der Volkswirte gefragt.
Gehalt und Verdienst als Volkswirt/in
Volkswirte arbeiten in ihrem Beruf häufig mit Summen, die das eigene Gehalt im Vergleich eher gering aussehen lassen. Tatsächlich gehört der Beruf jedoch zu den überdurchschnittlich vergüteten Akademikerberufen in Deutschland. Die Bandbreite ist allerdings groß und hängt stark von Qualifikation (Bachelor, Master, Promotion), Branche, Region und Verantwortungsbereich ab.
Im öffentlichen Dienst erfolgt die Eingruppierung meist nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bzw. der Länder (TV-L), in der Regel in den Entgeltgruppen E13 bis E14. Daraus ergibt sich für angestellte Volkswirte ein Bruttomonatsgehalt von etwa 4.600 bis 6.500 EUR, je nach Erfahrungsstufe. Quelle: TVöD-Entgelttabelle Bund 2025/2026.
In der freien Wirtschaft fällt das Gehalt deutlich höher aus. Das durchschnittliche Jahresgehalt für Volkswirt/innen liegt bei rund 77.000 EUR brutto, das Einstiegsgehalt für Berufseinsteiger bei etwa 58.000 bis 60.000 EUR brutto pro Jahr. Erfahrene Fachkräfte erreichen Werte bis zu 94.000 EUR und mehr. Quellen: jobvector Gehaltsanalyse 2026, meingehalt.net 2025/2026, Berufsstart.de Gehaltsumfrage Master-Absolventen.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: In Bayern und Baden-Württemberg sind die Gehälter am höchsten (durchschnittlich rund 81.000 EUR Jahresbrutto), während in den ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern die Bezüge spürbar niedriger ausfallen. Quelle: Indeed Gehaltsreport Volkswirt/in 2026.
Bei Banken, Versicherungen und Konzernen erhalten Volkswirte zusätzlich oft eine variable Vergütung in Form von Boni und Erfolgsbeteiligungen, die individuell verhandelbar sind und das Grundgehalt um 10 bis 30 Prozent ergänzen können. Eine Promotion und Spezialkenntnisse in Ökonometrie, Statistik-Software (R, Stata, Python) oder Finanzmodellen wirken sich zusätzlich gehaltssteigernd aus.
Studium und Ausbildung zum Volkswirt
Das Studium der Volkswirtschaftslehre war bis vor einigen Jahren als Diplomstudiengang möglich. Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde das Studium auf Bachelor und Master umgestellt. Der berufsqualifizierende Hochschulabschluss lautet heute Bachelor of Arts (B.A.) oder Bachelor of Science (B.Sc.), mit anschließender Möglichkeit zum Master und zur Promotion (Dr. rer. pol. oder Ph.D. in Economics).
Inhalte des Studiums sind in den Pflichtmodulen klassischerweise Mikroökonomik, Makroökonomik, BWL, Mathematik, Statistik, Ökonometrie und Wirtschaftsrecht. Bei den Wahlpflichtmodulen kann zwischen Themen wie Energie- und Umweltökonomik, Wirtschaftsgeschichte, Internationale Wirtschaft, Finanzwissenschaft, Behavioral Economics oder Gesundheitsökonomie gewählt werden. Viele Hochschulen bieten zudem Schwerpunkte in Data Science und Computational Economics an, die in der Praxis stark nachgefragt werden.
Die Regelstudienzeit für den Bachelor beträgt 6 Semester, der anschließende Master kann in 2 bis 4 Semestern absolviert werden. Da es sich nicht um einen klassischen Ausbildungsberuf handelt, erhalten Studierende keine Ausbildungsvergütung. Zur Finanzierung kommen Stipendien, Leistungen nach BAföG, ein Bildungskredit oder klassische Studierendenjobs in Frage. Praktika während des Studiums werden je nach Unternehmen mit etwa 1.000 bis 2.000 EUR pro Monat vergütet. Quelle: Stifterverband Praktikumsreport 2024.
Wer sich für das Studium entscheidet, unterliegt den allgemein gültigen Zulassungsbeschränkungen und muss die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife mitbringen. Zusätzlich kann jede Hochschule eigene Kriterien festlegen, etwa über einen Numerus Clausus, Eingangsprüfungen oder Eignungsgespräche. Beruflich Qualifizierte können in einigen Bundesländern auch ohne Abitur ein VWL-Studium aufnehmen.
Voraussetzungen und Aufgaben für Volkswirte
Die Aufgaben eines Volkswirts variieren je nach Arbeitsumfeld, Spezialisierung und Branche. Volkswirte beschäftigen sich in der Regel mit der Analyse wirtschaftlicher Daten, Trends und politischer Entwicklungen, um ökonomische Zusammenhänge zu verstehen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Typische Tätigkeitsfelder sind:
Datenanalyse und Forschung: Volkswirte sammeln, analysieren und interpretieren wirtschaftliche Daten und Statistiken. Sie führen Marktanalysen durch, erstellen Wirtschaftsprognosen, Konjunkturberichte und Trendstudien – oft unter Einsatz moderner ökonometrischer und KI-gestützter Verfahren.
Politikberatung: Sie entwickeln Empfehlungen und Handlungsstrategien für wirtschaftliche und politische Entscheidungsträger, etwa in Ministerien, beim Sachverständigenrat oder in Wirtschaftsforschungsinstituten wie ifo, DIW oder IW Köln. Sie nehmen an politischen Diskussionen teil und erarbeiten wirtschaftspolitische Positionen.
Unternehmensberatung: In Beratungshäusern analysieren Volkswirte Unternehmensdaten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Sie beraten Mandanten zu Marktbedingungen, Risiken, Wettbewerbsfähigkeit, regulatorischen Veränderungen und Internationalisierungsstrategien.
Gutachten und Studien: Die Erstellung von Gutachten und Studien zu spezifischen wirtschaftlichen Fragestellungen ist ebenfalls fester Bestandteil des Berufsbildes. Dazu zählt die Beurteilung wirtschaftlicher Auswirkungen politischer Entscheidungen, Subventionen oder Großprojekte.
Volkswirte arbeiten in Regierungsstellen, Unternehmen, Forschungsinstituten, internationalen Organisationen (z.B. EZB, OECD, IWF, Weltbank) oder in der Hochschullehre. Für ihre Tätigkeit benötigen sie eine Reihe fachlicher und persönlicher Voraussetzungen:
Analytische Fähigkeiten: Die Fähigkeit, komplexe wirtschaftliche Daten zu verstehen, zu analysieren und zu interpretieren, ist zentral. Auch die Entwicklung und Anwendung von Modellen zur Vorhersage wirtschaftlicher Trends gehört dazu.
Statistische und digitale Kompetenz: Verständnis statistischer Methoden, ökonometrischer Modelle sowie sicherer Umgang mit Tools wie R, Python, Stata oder SQL sind heute weitgehend Standard. Auch Kenntnisse im Bereich Machine Learning werden zunehmend gefragt.
Wirtschaftliches Verständnis: Fundiertes Wissen über wirtschaftliche Theorien, Prinzipien und Konzepte sowie ein klares Verständnis makro- und mikroökonomischer Zusammenhänge sind für jeden Volkswirt unabdingbar. Hinzu kommen sehr gute Englischkenntnisse, Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen.
Bewerbung als Volkswirt/in
Die Bewerbung als Volkswirt/in unterscheidet sich im Prinzip nicht von der anderer akademischer Berufe. Branche und Arbeitgeber spielen jedoch eine gewichtige Rolle: Bewerbungsunterlagen für eine Großbank, eine Aufsichtsbehörde oder die Bundesbank werden in der Regel konservativer gestaltet als die Unterlagen für den Einstieg in einer Unternehmensberatung oder einem Tech-Konzern.
Eine vollständige Bewerbung umfasst Bewerbungsschreiben, einen tabellarischen Lebenslauf, Zeugniskopien (Hochschulzeugnis, Notenspiegel, ggf. Abiturzeugnis), Praktikums- und Arbeitszeugnisse sowie eventuell eine zusätzliche Motivationsseite.
Beim Bewerbungsschreiben ist es besonders wichtig, die Motivation für den Job und den Arbeitgeber sowie die fachliche Qualifikation klar herauszuarbeiten. Mehr als eine DIN-A4-Seite sollte das Anschreiben jedoch nicht umfassen. Zusätzliche Informationen zur Motivation – etwa zu Auslandserfahrung, Schwerpunktthemen der Abschlussarbeit oder ehrenamtlichem Engagement – können über die sogenannte „Dritte Seite“ formuliert werden.
In der Regel erfolgt die Bewerbung heute als Online-Bewerbung – per E-Mail oder über Bewerbungsportale der Arbeitgeber. Bewerbungen per Post sind weiterhin rückläufig. Bei größeren Konzernen und Beratungen folgen häufig Online-Assessments, Case Studies und mehrstufige Interviews.
Trends und Entwicklung für Volkswirte
Überall dort, wo es um große Geldströme oder gesamtwirtschaftliche Entscheidungen geht, sind Volkswirte gefragt – sei es bei Banken, Versicherungen, in Ministerien, bei der Bundesbank, der EZB oder in internationalen Organisationen. Sie beraten die Politik bei zentralen Fragen zu Konjunktur, Arbeitsmarkt, Energie, Klima oder Globalisierung.
Vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Krisen, hoher Inflation oder geopolitischer Spannungen sind Volkswirte stark nachgefragt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – die sogenannten „Wirtschaftsweisen“ – setzt Prognosen auf, die entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftspolitik nehmen können.
Sehr gute Aussichten auf einen Job als Volkswirt/in bestehen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Finanzaufsicht, ESG- und Nachhaltigkeitsanalyse sowie in der Klima- und Energieökonomie. Auch das Thema Künstliche Intelligenz und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen bietet ein spannendes neues Tätigkeitsfeld.
In Zeiten geänderter Zinslandschaften, regulatorischer Reformen und digitaler Transformation müssen sich Banken und Versicherungen neu erfinden. Klassische Geschäftsfelder verändern sich rapide, weshalb viele Unternehmen verstärkt Volkswirte einsetzen, um neue Märkte und Geschäftsmodelle zu erschließen. Laut Bundesagentur für Arbeit lag die berufsspezifische Arbeitslosenquote für Wirtschaftswissenschaftler/innen 2024 mit rund 1,7 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt für Akademiker/-innen – Berufsgruppen 2024.
Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Wirtschaftswissenschaftler/innen in Deutschland (2010–2025)
Da Volkswirte mit rund 8.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine sehr kleine Berufsgruppe darstellen und die Bundesagentur für Arbeit Volkswirte gemeinsam mit Betriebswirten unter „Wirtschaftswissenschaftler/innen“ ausweist, basiert die folgende Darstellung auf der Gesamtgruppe der hochqualifiziert wirtschaftswissenschaftlich Beschäftigten (Expertinnen und Experten).
Quellen: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigtenstatistik (KldB 2010, Berufsgruppe 713 – Wirtschaftswissenschaften, Anforderungsniveau Experte); Bericht „Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker – Berufsgruppen“, Ausgaben 2015–2024. Werte für 2025 vorläufig hochgerechnet.
Häufige Fragen zum Beruf Volkswirt/in
Was verdient ein Volkswirt/in beim Berufseinstieg?
Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Volkswirt/innen in Deutschland liegt bei etwa 58.000 bis 60.000 EUR brutto pro Jahr. In der freien Wirtschaft – insbesondere bei Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen in Frankfurt, München oder Stuttgart – können Berufseinsteiger auch deutlich mehr verdienen, vor allem mit einem Masterabschluss oder einer Promotion. Quellen: jobvector Gehaltsanalyse 2026, Berufsstart.de Gehaltsumfrage Master-Absolventen.
Worin unterscheidet sich ein Volkswirt von einem Betriebswirt?
Volkswirte (VWL) betrachten gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge wie Konjunktur, Inflation, Außenhandel oder Arbeitsmärkte und beraten häufig Politik, Banken oder Forschungsinstitute. Betriebswirte (BWL) konzentrieren sich auf einzelne Unternehmen und deren Prozesse wie Marketing, Controlling, Personal oder Finanzen. Beide Studienrichtungen bauen auf gemeinsamen wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen auf, unterscheiden sich aber im Fokus und in den späteren Tätigkeitsfeldern.
Wie sind die Berufsaussichten für Volkswirte in Deutschland?
Die Berufsaussichten sind insgesamt sehr gut. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Wirtschaftswissenschaftler/innen ist in den letzten zehn Jahren um fast ein Drittel gestiegen und lag 2024 bei rund 1,5 Millionen Personen. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote betrug nur 1,7 Prozent. Speziell ausgeschriebene Volkswirt-Stellen sind zwar selten, viele Volkswirte starten jedoch in Stellen für Wirtschaftswissenschaftler/innen allgemein, etwa in Banken, Beratungen, Ministerien oder Forschungsinstituten. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt für Akademiker/-innen – Berufsgruppen 2024.
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