In keinem anderen europäischen Land ist es für eine erfolgreiche Bewerbung so wichtig, die Landessprache zu beherrschen wie in Frankreich. Wer als Bewerber nicht fließend Französisch spricht, hat kaum Chancen auf eine Anstellung – mit Ausnahme von internationalen Konzernen oder bestimmten Tech-Branchen in Paris.
Wenn Sie der französischen Sprache jedoch sicher mächtig sind, stehen Ihre Aussichten gut: Mit einem überzeugenden Bewerbungsschreiben und Lebenslauf auf Französisch können Sie zum Vorstellungsgespräch nach Frankreich eingeladen werden.
Besonders deutsche Ingenieure genießen aufgrund der hervorragenden Ausbildung in Deutschland einen exzellenten Ruf und haben in Frankreich sehr gute Chancen. Auch Fachkräfte aus den Bereichen IT, erneuerbare Energien, Automotive und Luxusgüter sind gefragt.
Französischkenntnisse: Das A und O
Die französische Sprache hat in Frankreich einen außerordentlich hohen kulturellen Stellenwert. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern können Sie nicht erwarten, mit Englisch durchzukommen – auch nicht in Großstädten. Selbst hochqualifizierte Fachkräfte sprechen oft nur eingeschränkt Englisch oder lehnen es bewusst ab, im beruflichen Kontext darauf auszuweichen.
Empfohlene Sprachniveaus für eine erfolgreiche Bewerbung:
- B2 (gute Mittelstufe) als absolutes Minimum für die meisten Berufe
- C1 (fortgeschritten) für qualifizierte Fach- und Führungspositionen
- C2 (annähernd muttersprachlich) für Berufe mit hohem Schreib- oder Kommunikationsanspruch (Recht, Marketing, Bildung)
Tipp: Nutzen Sie offizielle Sprachzertifikate wie DELF, DALF oder TCF, um Ihre Sprachkenntnisse glaubhaft zu belegen – das wird in Frankreich sehr geschätzt.
Wie komme ich an Stellenangebote?
Das wichtigste staatliche Arbeitsvermittlungsportal in Frankreich heißt heute „France Travail“ (ehemals „Pôle emploi“, umbenannt 2024). Es ist das größte und bekannteste Jobportal Frankreichs, vergleichbar mit der deutschen Bundesagentur für Arbeit.
Für Akademiker und Führungskräfte gibt es zudem die spezialisierte Vermittlung APEC (Agence pour l’Emploi des Cadres), deren Dienste auch von ausländischen Bewerbern genutzt werden können – Webseite: apec.fr.
Weitere wichtige französische Online-Jobportale:
- France Travail (francetravail.fr) – staatliche Arbeitsvermittlung
- APEC (apec.fr) – für Akademiker und Führungskräfte
- Indeed.fr
- Welcome to the Jungle – beliebt bei Start-ups und Tech-Unternehmen
- LinkedIn – auch in Frankreich zunehmend wichtig
- Monster.fr
- HelloWork
Auch in überregionalen französischen Tageszeitungen erscheinen Stellenanzeigen – die wichtigsten sind Le Figaro und Le Monde. Beide Zeitungen sind auch in deutschen Bahnhofskiosken erhältlich.
Die französischen Hochschulabsolventen sind in der Regel nicht älter als 23 bis 24 Jahre. Sollten Sie als Berufsanfänger schon auf die 30 zugehen, könnte das bei Personalverantwortlichen für Irritation sorgen. Heben Sie in diesem Fall relevante Zusatzqualifikationen wie Auslandsaufenthalte, Praktika oder Berufserfahrung hervor.
Eine Initiativbewerbung („candidature spontanée“) ist in Frankreich genauso üblich wie in Deutschland. Ein Stellengesuch in Zeitungen aufzugeben, ist hingegen unüblich.
Ein wichtiger Bonus: Frankreich legt großen Wert auf Elite-Universitäten („Grandes Écoles“). Wenn Sie an einer Hochschule mit gutem Ruf studiert haben oder Ihr Abschluss einem französischen „Grande École“-Diplom entspricht, sollten Sie das im Anschreiben hervorheben.
Wie schreibe ich die Bewerbung auf Französisch?
Einige Aspekte der französischen Bewerbung werden Ihnen ungewöhnlich erscheinen, wenn Sie die deutsche Variante gewohnt sind. Die klassische französische Bewerbung besteht aus zwei Dokumenten:
- Lettre de Motivation (Anschreiben) – maximal eine Seite
- Curriculum Vitae (CV) – maximal zwei Seiten
Eine Bewerbungsmappe ist in Frankreich nicht üblich. Bewerbungsschreiben und CV können gefaltet und in einem normalen Briefumschlag versandt werden – heute werden allerdings ohnehin fast alle Bewerbungen elektronisch per E-Mail oder über Online-Portale eingereicht.
Auf Zeugnis- und Diplomkopien wird in der Erstbewerbung in Frankreich verzichtet – diese werden gegebenenfalls erst im weiteren Verfahren oder beim Vorstellungsgespräch nachgereicht.
Die Lettre de Motivation – das Anschreiben auf Französisch
Das französische Anschreiben war lange Zeit traditionell handschriftlich verfasst – in vielen konservativen Branchen und älteren Unternehmen war das sogar Pflicht, da französische Personaler oft eine grafologische (handschriftenkundliche) Analyse vornahmen.
Heute hat sich dies weitgehend gewandelt: Im Zuge der digitalen Bewerbung ist eine maschinengeschriebene „Lettre de Motivation“ mittlerweile Standard. Bei traditionellen Unternehmen, in akademischen Kontexten oder im öffentlichen Dienst kann eine handschriftliche Form gelegentlich noch verlangt werden – achten Sie darauf, was in der Stellenanzeige gefordert wird.
Inhaltliche und stilistische Besonderheiten der Lettre de Motivation:
- Höfliche, gewählte Sprache: Franzosen messen der Sprache große Bedeutung bei – grammatikalische Korrektheit und stilistische Eleganz sind Pflicht.
- Anrede ohne Nachnamen: Die Anrede erfolgt mit „Madame“ oder „Monsieur“ – ohne Nachnamen. Bei bekanntem Ansprechpartner: „Madame Dupont“ möglich.
- Klassische Grußformel: Statt eines schlichten „Mit freundlichen Grüßen“ verwendet man die elaborierte Formel „Je vous prie d’agréer, Madame, Monsieur, l’expression de mes salutations distinguées.“
- Klare Dreiteilung: Vous (Was weiß ich über das Unternehmen?) – Moi (Was kann ich bieten?) – Nous (Was bringt unsere Zusammenarbeit?).
- Region und Universität nennen: Erwähnen Sie ruhig, an welcher Universität Sie studiert haben – besonders, wenn diese im Ranking gut abschneidet.
Mehr Inspiration zum Aufbau finden Sie in unserem Beitrag zum Bewerbungsanschreiben.
Der Curriculum Vitae (CV) auf Französisch
Der französische CV unterscheidet sich in einigen Punkten vom deutschen Lebenslauf:
- Maximal zwei Seiten – idealerweise eine Seite bei Berufseinsteigern.
- Antichronologische Reihenfolge: Aktuellste Tätigkeit oben.
- Knapp und präzise: Kurze Stichpunkte statt langer Sätze.
- Kein Datum, keine Unterschrift: Der französische CV wird weder datiert noch unterschrieben.
- Bewerbungsfoto: Ein Bewerbungsfoto ist in Frankreich üblich und sollte dem CV beigefügt werden – ein professionelles Porträt.
- Hobbys und Freizeitaktivitäten: Die Rubrik „Centres d’intérêt“ oder „Loisirs“ ist im französischen CV wichtig und gehört unbedingt dazu – sie sagt etwas über Ihre Persönlichkeit aus.
- Sprachkenntnisse nach europäischem Referenzrahmen (A1–C2) angeben.
- Persönliche Daten: Name, Adresse, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum und Nationalität sind üblich.
Die typischen Hauptrubriken eines französischen CV lauten:
- Expérience professionnelle (Berufserfahrung)
- Formation (Ausbildung/Studium)
- Compétences (Kompetenzen)
- Langues (Sprachen)
- Informatique (EDV-Kenntnisse)
- Centres d’intérêt (Interessen/Hobbys)
Die Online-Bewerbung ist heute auch in Frankreich Standard – über E-Mail oder firmeneigene Bewerbungsportale werden die meisten Bewerbungsverfahren abgewickelt.
Das Vorstellungsgespräch in Frankreich
Französische Vorstellungsgespräche unterscheiden sich in einigen Punkten von deutschen Gesprächen. Stellen Sie sich auf folgende Eigenheiten ein:
- Formelle Atmosphäre: Französische Personalverantwortliche legen Wert auf höfliche Distanz – das „Sie“ (vous) ist die Norm, auch in lockeren Branchen.
- Hierarchische Strukturen: Hierarchien werden in Frankreich stärker betont als in Deutschland – zeigen Sie Respekt vor Status und Position.
- Selbstpräsentation auf hohem Niveau: Eloquenz und intellektuelle Brillanz werden geschätzt – sprachliche Schwächen fallen sofort auf.
- Details zur akademischen Laufbahn: Häufig wird sehr genau nach Universität, Abschlussnoten und Spezialisierungen gefragt.
- Persönliche Fragen: Auch nach Familie, Wohnort oder Hobbys kann gefragt werden – das gilt nicht als unhöflich.
- Pünktlichkeit: Ist Pflicht – mindestens fünf Minuten vor dem Termin sollten Sie da sein.
- Outfit: Eher konservativ und elegant – Frankreich legt Wert auf gepflegtes Erscheinen („le look“).
Französische Arbeitskultur: Was Sie wissen sollten
Die französische Arbeitskultur weist einige bemerkenswerte Unterschiede zur deutschen auf:
- 35-Stunden-Woche: Die gesetzliche Wochenarbeitszeit beträgt 35 Stunden – Mehrarbeit wird oft durch zusätzliche Urlaubstage („RTT – Réduction du Temps de Travail“) ausgeglichen.
- Lange Mittagspause: Eine ein- bis zweistündige Mittagspause mit warmer Mahlzeit ist üblich und wichtig für den Teamzusammenhalt.
- Hierarchische Entscheidungsstrukturen: Wichtige Entscheidungen werden top-down getroffen – Eigeninitiative ohne Rücksprache wird nicht immer geschätzt.
- „Joie de vivre“ am Arbeitsplatz: Soziales Miteinander, gemeinsame Pausen und gepflegte Diskussionen sind fester Bestandteil des Arbeitsalltags.
- Großzügiger Urlaubsanspruch: Mindestens fünf Wochen Jahresurlaub plus ggf. RTT-Tage – insgesamt oft 6–8 Wochen.
- Sommerpause im August: Im August ist Frankreich teilweise im Urlaubsmodus – viele Unternehmen sind für mehrere Wochen geschlossen.
- Strenger Arbeitnehmerschutz: Der „Code du Travail“ gehört zu den umfassendsten Arbeitsgesetzbüchern der Welt – Kündigungen sind komplex und teuer.
Gehalt, Steuern und Sozialsystem
Das Gehaltsniveau in Frankreich ist je nach Region sehr unterschiedlich. Wichtige Eckdaten:
- Mindestlohn (SMIC): Aktuell rund 1.802 € brutto pro Monat (35-Stunden-Woche, Stand 2024) – wird jährlich angepasst.
- Paris zahlt deutlich höhere Gehälter als die Provinz, allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten – besonders Mieten – sehr hoch.
- Einkommenssteuer: Progressiv von 0 bis 45 %, dazu Sozialabgaben (CSG/CRDS).
- Sozialversicherung „Sécurité Sociale“: Sehr umfassend, mit Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Eine Zusatzversicherung („Mutuelle“) wird oft vom Arbeitgeber übernommen.
- 13. Monatsgehalt: In manchen Branchen üblich, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.
- „Tickets restaurant“: Viele Arbeitgeber zahlen Essensgutscheine als Zusatzleistung.
Beispiel: Lebenslauf auf Französisch
Damit Sie ein besseres Verständnis für die Bewerbung auf Französisch bekommen, haben wir ein konkretes Beispiel für einen Lebenslauf erstellt. Wichtig: Diese Vorlage dient ausschließlich der Orientierung – passen Sie Inhalte und Formulierungen unbedingt individuell an Ihre Person und die Zielposition an.
Beispiel Lebenslauf auf Französisch (PDF)
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Bewerbung in Frankreich
Nein – als deutscher Staatsbürger und EU-Bürger genießen Sie volle Personenfreizügigkeit und benötigen weder ein Visum noch eine Arbeitserlaubnis. Sie können sich frei in Frankreich aufhalten, dort arbeiten und wohnen. Wenn Sie länger als drei Monate in Frankreich leben, sollten Sie sich bei der zuständigen Behörde anmelden. Wichtig: Bei Aufnahme einer Beschäftigung erhalten Sie eine französische Sozialversicherungsnummer („numéro de Sécurité sociale“), die Sie im Alltag für Bankkonten, Mietverträge, Arztbesuche und behördliche Angelegenheiten benötigen. Auch eine Steuernummer beim französischen Finanzamt sollten Sie zeitnah beantragen, sobald Sie steuerpflichtig werden.
In Frankreich ist die besuchte Hochschule extrem wichtig – wichtiger als in fast jedem anderen europäischen Land. Frankreich hat ein zweigeteiltes Bildungssystem: Auf der einen Seite die regulären Universitäten („universités“), auf der anderen Seite die elitären „Grandes Écoles“ (HEC, ESSEC, École Polytechnique, ENS, Sciences Po u. a.), die als Sprungbrett für Spitzenkarrieren in Wirtschaft, Politik und Forschung gelten. Französische Personalverantwortliche fragen oft sehr genau nach der besuchten Hochschule und werten diese als wichtiges Auswahlkriterium. Wenn Sie an einer renommierten deutschen Universität studiert haben (TUM, RWTH Aachen, LMU München, Mannheim u. a.), erwähnen Sie dies unbedingt im Anschreiben und CV. Für deutsche Bewerber kann es zudem hilfreich sein, das deutsche Hochschulsystem kurz einzuordnen – etwa durch Verweis auf internationale Rankings.
Anders als das deutsche schlichte „Mit freundlichen Grüßen“ erwartet das französische Anschreiben eine elaborierte, formelhafte Schlussformel. Die klassische und sicherste Variante lautet: „Je vous prie d’agréer, Madame, Monsieur, l’expression de mes salutations distinguées.“ (Wörtlich: „Ich bitte Sie, Madame, Monsieur, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Grüße entgegenzunehmen.“) Wichtig: Die Anrede in der Schlussformel muss exakt der Anrede zu Beginn entsprechen. Schreiben Sie also „Madame“ am Anfang, dann auch „Madame“ am Schluss – nicht „Madame, Monsieur“. Diese Formelhaftigkeit mag deutschen Bewerbern übertrieben erscheinen, ist im Französischen aber unverzichtbar und gilt als Zeichen von Respekt und sprachlicher Bildung. Eine zu schlichte Schlussformel wie „Cordialement“ wirkt im klassischen Bewerbungskontext zu locker und sollte nur in informellen E-Mails oder bei jüngeren Start-ups verwendet werden.
ulmato.de wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Bewerbung in Frankreich – bonne chance!
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