Du arbeitest gerne mit Holz? Handwerkliches Geschick gehört zu deinen Fähigkeiten? Dann ist der Beruf Zimmerer/Zimmerin vielleicht genau richtig für dich. Der Beruf Zimmerer ist eines der ältesten Gewerke und wird in einigen Regionen auch Zimmermann genannt. Er verbindet das Traditionelle, die körperliche Arbeit am Werkstoff Holz, mit der Moderne, dem Arbeiten am PC mit CAD-Software und digitalen Abbundtechniken.
Dabei ist der Zimmerer am Bau von Holzhäusern, Carports, Dachstühlen und am Innenausbau beteiligt. Er errichtet Fertighäuser, montiert Fenster, Treppen und Türen und fertigt diese teilweise selbst an. Auch Modernisierungsarbeiten und das Restaurieren historischer Gebäude gehören zu seiner Handwerkskunst. Verwandte Tätigkeitsfelder sind die Arbeit als Tischler/in oder Dachdecker/in.
Wichtig zu wissen: Der Zimmerer zählt zu den ältesten Bauberufen Deutschlands und ist heute Schlüsselberuf für nachhaltiges, klimafreundliches Bauen mit Holz.
Gehalt als Zimmerer/Zimmerin
Zimmerer und Zimmerinnen werden in tarifgebundenen Betrieben nach dem Tarifvertrag des Bauhauptgewerbes (BRTV) bezahlt. Maßgeblich ist in der Regel die Lohngruppe 3 (Spezialfacharbeiter) bzw. nach der Gesellenprüfung die Lohngruppe 4 (Facharbeiter mit zusätzlicher Fertigkeit). Außerhalb der Tarifbindung haben Betriebe Spielraum bei der Vergütung, der Ecklohn liegt seit dem 1. April 2025 bei 23,68 Euro brutto pro Stunde im Westen.
Deutschland: 3.230 Euro brutto monatlich liegt der Median für Gesellinnen und Gesellen, das Einstiegsgehalt startet bei rund 2.960 Euro, erfahrene Fachkräfte erreichen über 3.620 Euro. Mit Meistertitel oder als Polier sind 4.500 Euro und mehr realistisch. EUR
Österreich: Im Durchschnitt verdienen Zimmerleute zwischen 2.400 und 3.900 Euro brutto pro Monat (14 Gehälter pro Jahr inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld).
Schweiz: Das Bruttogehalt liegt deutlich höher und bewegt sich je nach Kanton und Erfahrung zwischen 5.500 und 7.500 Schweizer Franken pro Monat.
Vereinigtes Königreich: Carpenter verdienen im Durchschnitt zwischen 28.000 und 42.000 GBP pro Jahr, in London und Südostengland deutlich mehr.
USA: Das Jahresgehalt eines Carpenter liegt typischerweise zwischen 45.000 und 75.000 US-Dollar, je nach Bundesstaat, Spezialisierung und Gewerkschaftsbindung.
Diese Werte sind Richtwerte. Mit Zusatzqualifikationen wie Restaurator im Zimmererhandwerk, Fachkraft für Holzenergie oder Vorarbeiterposition liegen die Verdienstmöglichkeiten deutlich höher. Wer in Richtung Bauleitung gehen möchte, findet weitere Informationen unter Bauleiter/in oder Vorarbeiter/in.
Quellen: IG BAU Tarifvertrag Bauhauptgewerbe (Stand April 2025), Jobted Gehaltsdatenbank 2026, Brutto-Netto-Gehaltsrechner.de, Bundesagentur für Arbeit – Entgeltatlas.
Ausbildung als Zimmerer/Zimmerin
Der Weg zum Zimmerer bzw. zur Zimmerin führt über eine dreijährige duale Berufsausbildung im Bauhauptgewerbe. Die Ausbildung gliedert sich in eine zweijährige Stufenausbildung zum Hochbaufacharbeiter und ein drittes Jahr mit Spezialisierung auf das Zimmererhandwerk. Praxis im Betrieb wechselt sich mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule ab, hinzu kommen überbetriebliche Lehrgänge in den Ausbildungszentren des Baugewerbes.
Im ersten Lehrjahr besuchen viele Auszubildende zusätzlich die Berufsschule blockweise, in den darauffolgenden Jahren verbringen sie meist drei Tage im Betrieb und zwei Tage in der Berufsschule. Nach dem zweiten Ausbildungsjahr findet eine Zwischenprüfung statt, die zugleich Abschlussprüfung Teil 1 zum Hochbaufacharbeiter ist und die Grundlage für die spätere Gesellen- bzw. Abschlussprüfung bildet.
Diese Prüfung ist am Ende des dritten Lehrjahres abzulegen und besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Die Bezeichnung der Prüfung hängt vom Ausbildungsbetrieb ab: Im Handwerk wird die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer abgelegt, im Bereich Industrie und Handel die Abschlussprüfung vor der IHK.
Seit dem 1. Mai 2024 gilt im Bauhauptgewerbe eine bundeseinheitliche Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr, die Ost-West-Angleichung in allen Lehrjahren tritt zum 1. April 2026 in Kraft. Im Tarifgebiet West können Auszubildende derzeit von folgender Ausbildungsvergütung ausgehen:
Quellen: Tarifvertrag über die Löhne und Ausbildungsvergütungen im Baugewerbe (TV-Lohn vom 14. Juni 2024), SOKA-BAU, Holzbau Deutschland, IG BAU. Stand: Tarifstufe ab 1. April 2025; ab 1. April 2026 weitere Anhebung um 3,9 % im Westen und bundeseinheitliche Angleichung.
Auszubildende, die für den Berufsschulbesuch eine Landes- oder Bundesfachklasse besuchen, erhalten zusätzlich pauschal 60 Euro pro Monat als Abgeltung für Fahrt- und Unterbringungskosten.
Unter Umständen ist eine Verkürzung der Ausbildungsdauer möglich, etwa bei einschlägiger Berufserfahrung oder einem höheren Schulabschluss. Die Verkürzung muss vor Beginn der Ausbildung bei der zuständigen Kammer beantragt werden. Wird sie genehmigt, erfolgt häufig der direkte Einstieg in das zweite Ausbildungsjahr, was sich auch positiv auf das Ausbildungsentgelt auswirkt.
Eine der bekanntesten historischen Figuren, die mit dem Beruf des Zimmermanns in Verbindung gebracht wird, ist Jesus von Nazareth. Laut den Evangelien des Neuen Testaments war Jesus der Sohn eines Zimmermanns namens Josef und arbeitete selbst als Zimmermann, bevor er seine öffentliche Lehrtätigkeit begann.
Voraussetzungen für den Zimmermann/-frau
Die formalen Voraussetzungen für die Ausbildung zum Zimmerer sind überschaubar, persönliche Eignung und körperliche Fitness sind jedoch entscheidend. Rechtlich ist für die Ausbildung kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen Betriebe aber meist Auszubildende mit Hauptschul- oder Realschulabschluss ein.
- Schulabschluss: Empfehlenswert ist mindestens ein Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen die mittlere Reife. Gute Noten in Mathematik, Physik und Werken sind hilfreich.
- Handwerkliches Geschick: Zimmerleute arbeiten täglich mit Werkzeugen und Maschinen wie Kreissäge, Hobel, Akkuschrauber und CNC-Abbundanlagen.
- Körperliche Fitness: Der Beruf erfordert Kraft, Ausdauer und Trittsicherheit, da häufig schwere Lasten getragen und auf Baustellen unter freiem Himmel gearbeitet wird.
- Technisches Verständnis: Bauzeichnungen, Konstruktionspläne und statische Grundlagen müssen sicher gelesen und in die Praxis umgesetzt werden.
- Teamfähigkeit: Auf der Baustelle arbeiten Zimmerer eng mit anderen Gewerken wie Maurern, Dachdeckern und Elektrikern zusammen.
- Höhentauglichkeit: Da viele Arbeiten auf Dachstühlen, Gerüsten oder Hubsteigern erfolgen, ist Schwindelfreiheit unverzichtbar.
- Räumliches Vorstellungsvermögen: Komplexe Holzkonstruktionen müssen aus dem Plan heraus dreidimensional gedacht werden, bevor sie gebaut werden.
- Witterungstauglichkeit: Zimmerer arbeiten überwiegend draußen, bei Hitze, Kälte und Regen.
Die genauen Anforderungen können je nach Betrieb und Region variieren. Wichtig sind in jedem Fall die Bereitschaft zur körperlichen Arbeit und ein echtes Interesse am Werkstoff Holz.
Als Zimmermann/-frau auf Walz gehen
Während der Walz, auch Wanderschaft oder Tippelei genannt, reisen Zimmerleute nach bestandener Gesellenprüfung mindestens drei Jahre und einen Tag von Ort zu Ort und arbeiten für verschiedene Bauunternehmen oder Handwerksbetriebe. Sie erhalten dabei keinen festen Lohn, sondern werden meist mit Unterkunft, Verpflegung und einer kleinen Vergütung entlohnt.
Die Walz hat historische Wurzeln im mittelalterlichen Zunftwesen und diente schon damals dazu, das Wissen und die Fertigkeiten von Gesellen zu erweitern und den Zusammenhalt innerhalb der Handwerkszunft zu stärken. Wandergesellen tragen traditionelle Kleidung, die sogenannte Kluft, mit Schlapphut, Stenz (Wanderstab) und Charlottenburger (Bündel). Erkennbar sind sie zudem an Ohrring und individuell gewähltem Wappen.
Heute wird die Walz nur noch von wenigen hundert Gesellinnen und Gesellen pro Jahr angetreten und steht für ein lebendiges immaterielles Kulturerbe. Sie bietet die Chance, andere Bauweisen kennenzulernen, Sprachen zu lernen und neue Handwerkskollegen weltweit zu treffen.
Zukunft und Perspektiven im Beruf Zimmermann/Zimmerer
Die Zukunftsaussichten für Zimmerer sind ausgesprochen gut. Die Holzbauquote im Wohnungsneubau ist in Deutschland in den letzten zehn Jahren von rund 15 % auf über 22 % gestiegen, und der Trend zum klimafreundlichen Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen verstärkt diese Entwicklung weiter. Die Beschäftigtenzahlen im Zimmererhandwerk haben sich trotz Baukrise stabil entwickelt.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Zimmerinnen und Zimmerer in Deutschland lag Ende 2024 bei rund 54.500 Personen. Hinzu kommen rund 8.700 Auszubildende, die sich auf etwa 12.000 Zimmerei- und Holzbaubetriebe verteilen. Der Branchenumsatz im Zimmerer- und Holzbaugewerbe lag 2024 bei rund 9,2 Milliarden Euro. Insgesamt sind in diesen Betrieben (alle Berufe zusammen) rund 75.000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Beschäftigtenentwicklung im Zimmererhandwerk 2010–2025
Quellen: Bundesagentur für Arbeit – Beschäftigungsstatistik (Stichtag 31.12., Klassifikation der Berufe 2010), Holzbau Deutschland Lagebericht 2025, Statistisches Bundesamt. Werte für 2010–2011 und 2025 sind verbandsbasiert geschätzt bzw. vorläufig.
Nachhaltiges Bauen
Mit wachsendem Bewusstsein für Klimaschutz und Ressourceneffizienz gewinnt der Holzbau als ökologisch nachhaltige Bauweise zunehmend an Bedeutung. Holz bindet CO₂ und ist nachwachsend. Zimmerleute spielen die zentrale Rolle in diesem Bereich, da sie das Fachwissen für den Werkstoff Holz und für hybride Holz-Beton-Konstruktionen mitbringen.
Modernisierung des Baugewerbes
Digitale Planungstools wie Building Information Modeling (BIM), CNC-Abbundanlagen und vorgefertigte Holzbauelemente verändern den Beruf grundlegend. Wer mit moderner Technik umgehen kann, hat hervorragende Karrierechancen.
Fachkräftemangel
Der Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bauhauptgewerbe ist ausgeprägt. Holzbau Deutschland meldet jährlich tausende offene Stellen im Zimmererhandwerk, was Berufseinsteigern und Wechslern sehr gute Beschäftigungschancen und attraktive Konditionen verschafft.
Weiterbildungsmöglichkeiten
Nach der Gesellenprüfung stehen vielfältige Wege offen: Vorarbeiter oder Polier, Zimmerermeister, geprüfter Restaurator im Zimmererhandwerk, Fachkraft für Holzenergie oder das Studium zum Bauingenieur mit Schwerpunkt Holzbau.
Internationaler Arbeitsmarkt
Holzbau-Know-how aus Deutschland ist international gefragt. Besonders im DACH-Raum sowie in Skandinavien, Kanada und den USA finden deutsche Zimmerer attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten.
Demografischer Wandel
Die alternde Bevölkerung sorgt für steigende Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum, altersgerechten Umbauten und energetischer Sanierung. Hier sind Zimmerleute mit Sanierungskompetenz besonders gefragt.
Insgesamt sind die Zukunftsaussichten im Beruf des Zimmermanns vielversprechend, insbesondere für Fachkräfte, die sich auf nachhaltiges Bauen, digitale Fertigung und energetische Sanierung spezialisieren. Wer auch im Innenausbau tätig werden möchte, kann sich Inspiration bei Ausbaufacharbeiter/in oder Stuckateur/in holen.
Häufige Fragen zum Beruf Zimmerer/Zimmerin
Wie viel verdient ein Zimmerer in der Ausbildung 2026?
Im Bauhauptgewerbe gilt seit dem 1. Mai 2024 eine bundeseinheitliche Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr von 1.080 Euro brutto. Im Tarifgebiet West folgen 1.351 Euro im zweiten und 1.610 Euro im dritten Lehrjahr. Zum 1. April 2026 werden die Vergütungen um 3,9 % erhöht und bundesweit angeglichen. Quelle: Tarifvertrag Bauhauptgewerbe 14.06.2024, SOKA-BAU.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Zimmerer benötigt?
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen die meisten Betriebe Auszubildende mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife ein. Wichtig sind gute Noten in Mathematik und Physik sowie technisches Verständnis und körperliche Fitness. Quelle: Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET, Holzbau Deutschland.
Wie sind die Zukunftsaussichten als Zimmerer?
Sehr gut. Die Holzbauquote im Wohnungsneubau ist auf über 22 % gestiegen, der Fachkräftemangel im Bauhauptgewerbe ist ausgeprägt und nachhaltiges Bauen mit Holz wird politisch und gesellschaftlich stark gefördert. Mit Zusatzqualifikationen wie Restaurator oder Meister sind Verdienste über 4.500 Euro brutto realistisch. Quelle: Holzbau Deutschland Lagebericht 2025, Bundesagentur für Arbeit.
Ähnliche Berufsbilder wie Zimmermann:


(7 Bewertung(en), durchschnittlich: 4,86 von 5)