Preise verhandeln, einkaufen, wiederverkaufen und die Vorräte im Blick behalten – das sind die Kernaufgaben eines Kaufmanns / einer Kauffrau im Groß- und Außenhandel. Bist du ein Verkaufstalent? Kannst du gut verhandeln und hattest schon immer Freude daran, zu kalkulieren und Produkte erfolgreich anzubieten?
Dann ist der Beruf Kaufmann / Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement – so lautet seit 2020 die offizielle Berufsbezeichnung – vielleicht genau der richtige für dich. Nachfolgend informieren wir dich über alle wichtigen Details rund um Ausbildung, Gehalt und Karrierechancen in diesem zukunftssicheren Berufszweig.
Gehalt und Ausbildungsvergütung als Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel
Die Ausbildungsvergütung richtet sich nach dem jeweiligen Lehrjahr, dem Ausbildungsbetrieb, der Branche sowie dem Bundesland. Im Groß- und Außenhandel wird in vielen Betrieben nach Tarifvertrag vergütet, was die Vergütung gegenüber nicht tarifgebundenen Unternehmen spürbar anhebt. Aktuelle Richtwerte (Stand 2024/2025) für die monatliche Brutto-Ausbildungsvergütung:
- 1. Ausbildungsjahr: ca. 750 – 1.190 Euro brutto
- 2. Ausbildungsjahr: ca. 804 – 1.251 Euro brutto
- 3. Ausbildungsjahr: ca. 921 – 1.324 Euro brutto
Der Durchschnitt über alle drei Lehrjahre liegt laut aktuellen Analysen bei rund 963 Euro brutto monatlich, womit diese Ausbildung zu den besser vergüteten kaufmännischen Berufen bundesweit zählt. In Baden-Württemberg sind im ersten Lehrjahr bereits Vergütungen um 1.075 Euro keine Seltenheit.
Quellenhinweise: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Ausbildungsvergütungen 2023/2024; ausbildung.de; jobbörse.de; einstieg.com. Alle Angaben sind Durchschnitts- bzw. Richtwerte und können je nach Betrieb, Branche und Bundesland abweichen.
Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung entwickelt sich das Gehalt je nach Erfahrung, Region und Branche deutlich:
Berufseinsteiger: Direkt nach der Ausbildung ist ein Einstiegsgehalt zwischen 2.490 und 2.900 Euro brutto monatlich realistisch. In wirtschaftsstarken Regionen wie Hamburg oder Baden-Württemberg sind auch Einstiegsgehälter von über 3.000 Euro möglich.
Erfahrene Fachkräfte: Mit wachsender Berufserfahrung pendelt sich das Durchschnittsgehalt laut aktuellen Erhebungen bei rund 3.100 bis 3.500 Euro brutto im Monat ein. Das durchschnittliche Jahresgehalt liegt bei ca. 41.220 Euro brutto. In Branchen wie Technik, Chemie, Pharma oder im internationalen Außenhandel sind die Gehälter tendenziell höher.
Führungsebene und Spezialisten: Wer sich weiterbildet – etwa zum geprüften Handelsfachwirt, zum Betriebswirt oder absolviert ein Studium im Bereich internationaler Handel – kann Monatsverdienste von 4.500 Euro brutto und mehr erreichen. Spitzengehälter in München liegen laut regionalen Auswertungen bei über 4.300 Euro monatlich.
Quellenhinweise: StepStone Gehaltsreport 2026; meingehalt.net; lohnspiegel.de (WSI-Lohnspiegel-Datenbank 2024); gehaltsvergleich.com. Alle Angaben ohne Gewähr.
Ausbildung als Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel
Die Ausbildung als Kaufmann / Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement dauert drei Jahre und ist dual organisiert: Theoretisches Wissen wird in der Berufsschule vermittelt, während die praktischen Kenntnisse direkt im Ausbildungsbetrieb erworben werden. Die Ausbildungsordnung wurde zum 1. August 2020 modernisiert – seitdem trägt der Beruf offiziell die neue Bezeichnung mit dem Zusatz „Management“ und wurde inhaltlich an die Anforderungen der digitalisierten Handelswelt angepasst.
In der Berufsschule werden vor allem Grundlagen in den Bereichen Beschaffungs-, Geschäfts- und Wirtschaftsprozesse, Marketing sowie Personalwesen vermittelt. Nach dem zweiten Ausbildungsjahr findet eine Zwischenprüfung statt; die Ausbildung endet mit einer schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfung.
Im Ausbildungsbetrieb lernst du den Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern, die Annahme und Abwicklung von Aufträgen, die Erstellung von Angeboten sowie alle Abläufe der Lagerhaltung und Logistik kennen. Dabei wird das schulisch erworbene Wissen direkt in die Praxis umgesetzt und mit betriebseigenen Programmen und Warenwirtschaftssystemen verknüpft.
Ab dem zweiten Ausbildungsjahr spezialisierst du dich auf eine der beiden Fachrichtungen:
- Fachrichtung Großhandel: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Waren- und Lagerwirtschaft, Einkauf, Verkauf und der Optimierung interner Prozesse.
- Fachrichtung Außenhandel: Du beschäftigst dich intensiv mit internationalen Märkten, Auslandsgeschäften, Import- und Exportabwicklung sowie Zollprozessen. Fremdsprachenkenntnisse – insbesondere Englisch als Wirtschaftssprache – stehen hier besonders im Fokus.
Eigenschaften und Voraussetzungen für Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel
Für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ist ein bestimmter Schulabschluss gesetzlich nicht vorgeschrieben. Empfohlen wird jedoch mindestens ein guter Realschulabschluss, da viele Ausbildungsbetriebe diesen oder einen höheren Abschluss bevorzugen. Auch Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Abitur können sich grundsätzlich bewerben.
Zu den wichtigen persönlichen Voraussetzungen gehören ein selbstsicheres Auftreten, eine gute Ausdrucksweise in Wort und Schrift sowie Verhandlungsgeschick. Diese Eigenschaften sind entscheidend, um langfristige und erfolgreiche Geschäftsbeziehungen aufzubauen und im Preispoker stets das Optimum herauszuholen.
Ein gutes Gespür für Fremdsprachen ist besonders für eine Karriere im Außenhandel unverzichtbar. Da zu deinen Aufgaben auch das Berechnen von Budgets, das Erstellen von Kalkulationen und das Schreiben von Rechnungen gehören, solltest du außerdem eine Affinität zu Zahlen und ein solides mathematisches Verständnis mitbringen. Durchsetzungsvermögen rundet das Anforderungsprofil ab.
Bewerbung als Groß- und Außenhandelskaufmann/-frau
Für eine Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel bewirbst du dich bei einem Ausbildungsbetrieb – infrage kommen Großhandelsunternehmen in nahezu allen Wirtschaftsbereichen, von der Lebensmittelbranche über Technologie bis hin zur Pharmaindustrie. Zunächst sollten ausgeschriebene Stellen Beachtung finden. Wer sich für ein bestimmtes Unternehmen begeistert, bei dem keine Stelle ausgeschrieben ist, sollte dennoch über eine Initiativbewerbung nachdenken – denn eine überzeugende Bewerbung kann mitunter einen eigenen Ausbildungsplatz schaffen.
Bewerbungen werden heute überwiegend online bzw. per E-Mail eingereicht. Sollte ein Unternehmen die postalische Einreichung bevorzugen, ist diesem Wunsch mit einer vollständigen Bewerbungsmappe nachzukommen. Jeder Bewerbung sollten ein überzeugendes Anschreiben, ein aktueller und lückenloser Lebenslauf sowie alle relevanten Zeugnisse und Zertifikate beiliegen.
Da Rechtschreibung und Grammatik im Berufsalltag als Groß- und Außenhandelskaufmann/-frau einen hohen Stellenwert einnehmen, sollte die Bewerbung absolut fehlerfrei sein. Die Bewerbung ist deine erste Arbeitsprobe – nutze sie, um dein Potenzial zu zeigen.
Trends und Perspektiven für den Groß- und Außenhandel
Der Beruf des Kaufmanns / der Kauffrau im Groß- und Außenhandel hat eine stabile und wachsende Zukunft. Durch die fortschreitende Internationalisierung der Wirtschaft und den zunehmenden globalen Warenfluss werden Fachkräfte gesucht, die souverän verhandeln, mehrere Sprachen beherrschen und internationale Märkte verstehen. Digitale Übersetzungstools mögen bei einfachen Texten helfen, können aber das persönliche Gespräch und den Aufbau vertrauensvoller Geschäftsbeziehungen nicht ersetzen.
Die Digitalisierung von Handels- und Logistikprozessen verändert das Berufsbild spürbar: Warenwirtschaftssysteme, automatisierte Bestellprozesse und datengetriebene Einkaufsentscheidungen sind längst Alltag. Kaufleute im Groß- und Außenhandel, die digitale Kompetenz mit klassischem kaufmännischen Know-how verbinden, sind gefragter denn je. Hinzu kommen Nachhaltigkeitsanforderungen: Lieferkettensorgfaltspflichten, umweltfreundliche Verpackungen und transparente Lieferketten rücken zunehmend in den Fokus.
Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, hat vielfältige Möglichkeiten: Eine Weiterbildung zum geprüften Handelsfachwirt, zum Fachwirt für Außenwirtschaft oder ein Bachelor-Studiengang im Bereich (internationaler) Handel eröffnen den Weg in Führungs- und Spezialistenpositionen.
Auszubildende im Beruf Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel in Deutschland 2010–2025
Gesamtzahl der Auszubildenden Kaufmann/-frau Groß- und Außenhandel(smanagement), gerundet
Prognose/Schätzung 2025
Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), DAZUBI-Datenbank; BIBB-Datenreport 2024/2025; Statistisches Bundesamt, Berufsbildungsstatistik. Hinweis: Ab 2020 neue Berufsbezeichnung „Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandelsmanagement“ (Modernisierung der Ausbildungsordnung). Werte ab 2023 sowie 2025 sind Schätz- bzw. Prognosewerte auf Basis der BIBB-Zeitreihe. Alle Angaben gerundet und ohne Gewähr. Stand: April 2025.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ausbildung Kaufmann/Kauffrau Groß- und Außenhandel
Was ist der Unterschied zwischen den Fachrichtungen Großhandel und Außenhandel?
In der Fachrichtung Großhandel liegt der Fokus auf der Waren- und Lagerwirtschaft sowie auf dem Einkauf und Verkauf innerhalb Deutschlands. Auszubildende lernen vor allem, wie Warenströme effizient organisiert, Lagerkosten minimiert und Prozesse optimiert werden. In der Fachrichtung Außenhandel dreht sich alles um internationale Märkte: Import- und Exportabwicklung, Zollprozesse, ausländische Geschäftspartner und Wirtschaftsenglisch stehen im Mittelpunkt. Die Wahl der Fachrichtung erfolgt in der Regel nach dem zweiten Ausbildungsjahr und bestimmt maßgeblich die spätere Karriereausrichtung.
Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch mindestens einen mittleren Bildungsabschluss (Realschulabschluss). Für größere Unternehmen oder internationale Handelshäuser kann auch die Fachhochschulreife oder das Abitur erwartet werden. Entscheidender als der formale Abschluss sind oft Motivation, mathematisches Verständnis, Sprachgeschick und ein selbstsicheres Auftreten.
Welche Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung stehen vielfältige Wege offen: Mit Berufserfahrung und gezielter Weiterbildung – etwa zum geprüften Handelsfachwirt, zum Betriebswirt oder zum Fachwirt für Außenwirtschaft – lassen sich Führungs- und Projektleitungspositionen erreichen. Für Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulzugangsberechtigung bietet sich auch ein Studium im Bereich internationaler Handel, Betriebswirtschaft oder Logistik an. Zusatzqualifikationen in Fremdsprachen oder im Bereich Zoll- und Exportrecht steigern die Karrierechancen im Außenhandel erheblich.

