Landwirt/Landwirtin – Ausbildung, Berufsbild, Gehalt und Bewerbung

Du bist körperlich fit, arbeitest gerne selbstständig und suchst nach einer vielseitigen und naturnahen Tätigkeit? Dann ist möglicherweise eine Ausbildung zum/zur Landwirt/in genau richtig.

Typisch für diesen Beruf ist die große Bandbreite der unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche innerhalb der Landwirtschaft. Ausgebildete Landwirte und Landwirtinnen sorgen mit Sachkenntnis und großem Engagement dafür, dass uns täglich eine große Auswahl gesunder Nahrungsmittel zur Verfügung steht.

Während der Ausbildung lernst du, wie eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft funktioniert und was bei Aussaat, Pflanzenpflege und Ernte beachtet wird. Die Feldarbeit ist längst nicht das einzige Tätigkeitsfeld in diesem Beruf. Die Versorgung und Pflege der Tiere sowie die Kalkulation von Futtermengen sind ebenfalls wichtige Aspekte.

Zu einer modernen Landwirtschaft gehört selbstverständlich auch die Arbeit mit landwirtschaftlichen Maschinen wie dem Traktor oder Mähdrescher. Die Produktion pflanzlicher Erzeugnisse und die Versorgung der Tiere sind längst nicht die einzigen Tätigkeitsfelder. Weit verbreitet sind Spezialisierungen auf zusätzliche Erwerbszweige, zu denen beispielsweise touristische Angebote (Ferien auf dem Bauernhof), die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen oder die Gewinnung regenerativer Energien gehören.

Technisches Verständnis, eine selbstständige Arbeitsweise und Verantwortungsbewusstsein sind wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf. Kenntnisse im Betriebsmanagement sowie zu produktionstechnischen Abläufen gehören zum Alltag der Landwirte.

Gehalt als Landwirt/in

Nach der Ausbildung ist dein Verdienst von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Dazu gehören beispielsweise die Berufserfahrung, das Bundesland und die Branche, in der du tätig bist. Auch Selbstständigkeit oder Angestelltenverhältnis sowie Spezialisierungen auf weitere Dienstleistungen sind entscheidende Kriterien für die Höhe des Einkommens.

Laut aktuellen Stellenmarktdaten (StepStone 2025/2026) liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt für ausgebildete Landwirte und Landwirtinnen bei rund 2.150 bis 2.500 Euro brutto im Monat. Der gesetzliche Mindestlohn in der Landwirtschaft beträgt seit dem 1. Januar 2024 mindestens 12,41 Euro pro Stunde, was bei einer 40-Stunden-Woche einem Mindestbrutto von ca. 2.150 Euro entspricht. Mit steigender Berufserfahrung sowie zusätzlichen Qualifikationen kannst du dein Einkommen kontinuierlich erhöhen – erfahrene Fachkräfte erzielen je nach Betrieb und Region zwischen 2.400 und 3.500 Euro brutto monatlich.

Eine Weiterbildung zum Landmaschinenmechaniker/in oder zum Landwirtschaftsmeister/zur Landwirtschaftsmeisterin kann das Gehalt auf bis zu 4.200 Euro brutto im Monat steigern. In tarifgebundenen Betrieben richtet sich die Vergütung nach den regionalen Tarifverträgen, die von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und dem Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) ausgehandelt werden.

Quellen: StepStone Gehaltsreport Landwirt/in 2025/2026; Bundesempfehlung GLFA/IG BAU; Mindestlohnkommission Deutschland 2024.

Ausbildung zum Landwirt/zur Landwirtin

Als duale Ausbildung werden die Lerninhalte abwechselnd im Betrieb und in der Berufsschule vermittelt. Kenntnisse zur praktischen Seite des Berufs lernst du in deinem landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb, das theoretische Hintergrundwissen eignest du dir in der Berufsschule an. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und endet mit der Abschlussprüfung.

Im ersten Ausbildungsjahr steht die berufliche Grundbildung im Vordergrund. Dazu sieht der offizielle Rahmenplan in der betrieblichen Ausbildung insbesondere die technischen und organisatorischen Vorgänge von Produktion und Vermarktung, die Tier- und Pflanzenproduktion sowie innerbetriebliche Abläufe vor. Die Berufsschule vermittelt parallel Kenntnisse zu Standortwahl, Bodenbearbeitung und Aussaat sowie im Hinblick auf die Tierhaltung zu den Bereichen Züchtung, Haltung, Pflege und Fütterung.

Zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres erfolgt eine Zwischenprüfung. In den letzten zwei Ausbildungsjahren werden die erworbenen Kenntnisse weiter vertieft und ergänzt. Zusätzliche Themen sind die alternative Landwirtschaft sowie die Ermittlung von Kosten und Leistungen in unterschiedlichen Betriebszweigen.

Ausbildungsvergütung 2025 (tarifgebundene Betriebe): Die Vergütungen werden auf Länderebene zwischen den Tarifpartnern ausgehandelt. Laut dem bundesweit verbreiteten Tarifvertrag für landwirtschaftliche Auszubildende (Stand: ab 01.08.2025, LWK Rheinland-Pfalz / LWK NRW / LKSH) gelten folgende Richtwerte für tarifgebundene Betriebe:

1. Ausbildungsjahr:
809 € brutto (Tarif ab 08/2025)
Mindestvergütung: 682 € (2025)
2. Ausbildungsjahr:
878 € brutto (Tarif ab 08/2025)
Mindestvergütung: 805 € (2025)
3. Ausbildungsjahr:
983 € brutto (Tarif ab 08/2025)
Mindestvergütung: 921 € (2025)

Quellen: Tarifvertrag für landwirtschaftliche Auszubildende, LWK Rheinland-Pfalz (Stand: Oktober 2024, gültig ab 01.08.2025); Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Merkblatt Landwirt/in (Stand: 18.04.2024); Bekanntmachung Mindestausbildungsvergütung (MiAV) gemäß § 17 BBiG, Bundesgesetzblatt 2024/2025. Die tatsächlichen Vergütungen variieren je nach Bundesland und Tarifbindung des Betriebs. Einzelne Bundesländer wie Bayern (Tarif ab 01.01.2025: 900/950/1.050 €) oder Sachsen können abweichende Sätze aufweisen.

Tipp: Wer bei der Abschlussprüfung einen Notendurchschnitt von 1,0 bis 2,5 erreicht, hat in vielen Bundesländern Anspruch auf eine zusätzliche Leistungszulage. Informiere dich bei deiner zuständigen Landwirtschaftskammer über die genauen Konditionen in deinem Bundesland.

Voraussetzungen und Eigenschaften für Landwirte und Landwirtinnen

Ein bestimmter Schulabschluss ist für die Ausbildung zwar nicht vorgeschrieben, die meisten Betriebe erwarten jedoch, dass du mindestens einen Hauptschulabschluss vorweisen kannst. Vereinzelt wird auch eine Fachoberschulreife erwartet. Eine berufliche Aufstiegsfortbildung wird durch einen höheren Schulabschluss grundsätzlich erleichtert. Gute Kenntnisse in den Schulfächern Biologie, Chemie und Mathematik sind von Vorteil, da sie für das Mischen von Düngemitteln und Futtervarianten sowie für betriebswirtschaftliche Berechnungen wichtig sind.

Du solltest über generelles Interesse an Tieren, Umwelt und Natur sowie handwerkliches und technisches Geschick verfügen. Eine gute gesundheitliche Konstitution ist für diesen Beruf besonders wichtig, denn Einschränkungen wie beispielsweise eine sehr starke Sehschwäche oder Wirbelsäulenschäden können sich im landwirtschaftlichen Alltag als Handicap erweisen. Auch persönliche Eigenschaften spielen eine große Rolle: Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft, Zielstrebigkeit und Flexibilität sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf.

Bewerbung auf Ausbildungsplätze als Landwirt/in

Da der erste Eindruck meist bereits über die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch entscheidet, ist die Vollständigkeit deiner Bewerbungsunterlagen ein wichtiger Aspekt.

Im Bewerbungsschreiben kannst du den Ausbildungsbetrieb von deinen Kenntnissen und Fähigkeiten überzeugen. Du solltest möglichst auf die in der Anzeige geschilderten Anforderungen eingehen und plausibel darlegen, warum du genau der oder die Richtige für diese Stelle bist.

Wenn du bereits ein Praktikum im landwirtschaftlichen Bereich absolviert hast, ehrenamtlich im Tierheim arbeitest oder über erste Berufserfahrung verfügst, solltest du dies im tabellarischen Lebenslauf unbedingt erwähnen. Dies zeigt dein Interesse an der Natur und kann ein entscheidendes Kriterium für einen positiven Bescheid sein.

Ebenfalls empfehlenswert ist der persönliche Kontakt. Du kannst beispielsweise telefonisch nachfragen, ob eine persönliche Abgabe der Bewerbungsunterlagen möglich ist. So kannst du mit etwas Glück einen ersten Einblick in den Betrieb bekommen oder einen Probearbeitstag vereinbaren. Ausbildungsplätze werden oft regional über die zuständigen Landwirtschaftskammern und deren Online-Ausbildungsplatz-Börsen ausgeschrieben – schaue dort regelmäßig vorbei.

Zukunft und Trends der Landwirtschaft

Der Beruf Landwirt/in hat eine stabile und langfristig gesicherte Perspektive. Nach der Ausbildung stehen dir viele Wege in die Arbeitswelt offen: Du kannst von deinem Ausbildungsbetrieb übernommen werden, dich bei einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb bewerben oder in die Selbstständigkeit starten.

Neben dem eigenen Hof oder der Anstellung in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb kannst du auch eine Stelle im öffentlichen Dienst, bei einer Agrar-Firma oder einem Saatzucht- und Vermehrungsunternehmen annehmen. Seit einigen Jahren bieten solidarische Landwirtschaften (SoLaWi) in Deutschland eine wachsende Alternative. Hier sind häufig ausgebildete Landwirte oder Gärtner/innen angestellt.

Automatisierungstechniken, Precision Farming und das Internet der Dinge finden in der Landwirtschaft immer mehr Anwendungsmöglichkeiten und werden den Beruf zukünftig verändern, aber nicht ersetzen. Vielmehr steigt der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften, die moderne Technologien kompetent einsetzen können.

Es gibt viele Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten, zum Beispiel in Agrartechnik, Ackerbau und Pflanzenschutz oder ökologischer Landwirtschaft. Unter bestimmten Voraussetzungen (etwa mit Fachoberschulreife oder nach mehrjähriger Berufserfahrung) kannst du dich zum/zur Fachagrarwirt/-in oder Landwirtschaftsmeister/-in ausbilden lassen oder an einer Fachhochschule ein Studium der Agrarwissenschaften aufnehmen.

Arbeitskräfte in der Landwirtschaft in Deutschland 2010–2025

Arbeitskräfte 2010
ca. 1.024.000
Arbeitskräfte 2016
ca. 940.000
Arbeitskräfte 2020
ca. 876.000
Arbeitskräfte 2025*
ca. 870.000

Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gesamt (inkl. Familienarbeitskräfte und Saisonkräfte), gerundet
2010: 1024000, 2013: 1014000, 2016: 940000, 2020: 876000, 2023: 876000, 2025: 870000
Arbeitskräfte Landwirtschaft gesamt
Prognose/Schätzung 2025

Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Agrarstrukturerhebungen 2010, 2013, 2016, 2023; BMEL-Statistik, Landwirtschaftszählung 2020; Statista/Destatis 2024. Hinweis: Daten liegen nur für Erhebungsjahre vor (keine jährliche Vollerhebung); Zwischenjahre sind interpoliert. 2025 = Schätzung auf Basis Trendfortschreibung. Alle Angaben gerundet und ohne Gewähr. Stand: April 2025.


Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ausbildung Landwirt/in

Wie lange dauert die Ausbildung zum Landwirt/zur Landwirtin?

Die duale Ausbildung zum Landwirt/zur Landwirtin dauert in der Regel drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen, etwa mit einem höheren Schulabschluss oder einschlägiger Vorbildung, kann die Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzt werden. Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung vor der zuständigen Landwirtschaftskammer. Zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt, die den Ausbildungsstand überprüft.

Was verdiene ich als Auszubildende/r in der Landwirtschaft?

Die Ausbildungsvergütung variiert je nach Bundesland und Tarifbindung des Betriebs. In tarifgebundenen Betrieben beträgt die monatliche Bruttovergütung laut Tarifvertrag (gültig ab 01.08.2025) im 1. Ausbildungsjahr 809 Euro, im 2. Jahr 878 Euro und im 3. Jahr 983 Euro. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung (MiAV) nach § 17 BBiG liegt 2025 bei 682 Euro (1. Jahr), 805 Euro (2. Jahr) und 921 Euro (3. Jahr). Einige Bundesländer wie Bayern zahlen höhere Tarife. Hinzu kommen ggf. Sachleistungen wie Unterkunft und Verpflegung, die auf die Vergütung angerechnet werden können. Quellen: LWK Rheinland-Pfalz, LWK NRW, LKSH, Bundesgesetzblatt MiAV 2025.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Landwirt/in?

Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Du kannst dich zum Landwirtschaftsmeister/zur Landwirtschaftsmeisterin oder zum Fachagrarwirt/zur Fachagrarwirtin qualifizieren – beides ermöglicht das selbstständige Führen eines Betriebs und das Ausbilden von Lehrlingen. Wer über die nötige Hochschulzulassung verfügt, kann ein Studium der Agrarwissenschaften, des Agrarmanagements oder der Landschaftsökologie an einer Fachhochschule oder Universität aufnehmen. Weitere Spezialisierungen sind möglich in den Bereichen Precision Farming, ökologische Landwirtschaft, Agrartechnik oder Pflanzenschutz. Eine Weiterbildung steigert in der Regel das Gehalt deutlich.

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