Kaufmann/Kauffrau E-Commerce – Berufsbild, Ausbildung, Gehalt und Voraussetzungen und Weiterbildung

Schuhe online bestellen, die neueste Technik nach Hause liefern lassen oder einfach im Web nach den neuesten Trends suchen – der Internethandel ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile schafft er sogar zunehmend Arbeitsplätze, vielleicht auch für dich?

Wolltest du schon immer bei einem der angesagtesten Online-Shops oder Versandhäuser arbeiten? Möchtest du die neusten Mode- oder Techniktrends schon vor allen anderen entdecken? Dann ist eine Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im E-Commerce vielleicht genau das Richtige für dich. Der Berufszweig ist noch vergleichsweise jung, aber bereits jetzt einer der aufstrebendsten digitalen Ausbildungsberufe in Deutschland.

Gehalt und Ausbildungsvergütung als Kaufmann/Kauffrau E-Commerce

Die Ausbildungsvergütung richtet sich nicht allein nach dem Lehrjahr, sondern auch nach der Branche des Ausbildungsbetriebs und danach, ob ein Tarifvertrag gilt. Aktuelle Richtwerte (Stand 2024/2025) für die monatliche Brutto-Ausbildungsvergütung lauten:

  • 1. Ausbildungsjahr: ca. 785 – 1.060 Euro brutto
  • 2. Ausbildungsjahr: ca. 835 – 1.170 Euro brutto
  • 3. Ausbildungsjahr: ca. 965 – 1.310 Euro brutto

Tarifgebundene Betriebe zahlen in der Regel am oberen Ende dieser Spanne. Nicht tarifgebundene Betriebe sind gesetzlich verpflichtet, eine angemessene Vergütung zu zahlen, die die einschlägigen Tarifgehälter nicht um mehr als 20 Prozent unterschreiten darf. Damit zählt die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im E-Commerce zu den vergleichsweise besser vergüteten kaufmännischen Ausbildungsberufen in Deutschland. Regionale Unterschiede bestehen: In Bayern beginnt die Vergütung im ersten Lehrjahr mit rund 1.060 Euro, während sie in Mecklenburg-Vorpommern bei etwa 900 Euro startet.

Quellenhinweise: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Datenreport 2024; ausbildungsmarkt.de; ausbildungskompass.de; IHK Nord Westfalen. Alle Angaben sind Durchschnittswerte und können je nach Betrieb und Bundesland abweichen.

Das Gehalt nach der Ausbildung entwickelt sich je nach Berufserfahrung und Verantwortung deutlich:

Berufseinsteiger: Nach erfolgreichem Abschluss liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt bei rund 2.370 – 2.713 Euro brutto pro Monat, also etwa 28.000 – 33.000 Euro im Jahr.

Erfahrene Fachkräfte: Mit zunehmender Berufserfahrung und spezifischen Kenntnissen im digitalen Handel steigen die Gehälter auf durchschnittlich 3.500 – 3.860 Euro brutto monatlich. In Spitzenpositionen oder bei Spezialisierung auf Bereiche wie Online-Marketing oder E-Commerce-Strategie sind Monatsverdienste von über 4.300 Euro möglich.

Führungsebene und Spezialisten: E-Commerce-Manager und Fachwirte im E-Commerce können Jahresgehälter von 60.000 Euro brutto und mehr erzielen, insbesondere in wirtschaftsstarken Regionen wie Baden-Württemberg oder Bayern.

Quellenhinweise: Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas; jobted.de (Gehaltsdaten 2026); ausbildungskompass.de. Alle Angaben ohne Gewähr.

Ausbildung als Kaufmann/Kauffrau E-Commerce

Die Ausbildungsdauer für Kaufleute im E-Commerce beträgt drei Jahre und basiert auf dem dualen Ausbildungssystem: Theoretische Kenntnisse werden in der Berufsschule vermittelt, das praktische Wissen direkt im Ausbildungsbetrieb. Der Beruf ist seit dem 1. August 2018 staatlich anerkannt und kann in Unternehmen absolviert werden, die online Waren oder Dienstleistungen vertreiben.

Zu den zentralen Ausbildungsinhalten gehören die Gestaltung und Bewirtschaftung des Sortiments eines Online-Shops, die Warenbeschaffung sowie die Logistik inklusive Fristenkontrolle und Liefertermineinhaltung. Außerdem lernen Auszubildende, Schwachstellen zu analysieren und Prozesse zu optimieren.

Ein weiterer wesentlicher Lernbereich umfasst die Auswahl geeigneter Vertriebskanäle sowie die Entwicklung von Online-Marketing- und E-Commerce-Strategien. Dabei steht die Gewinnung neuer Kunden sowie die Bindung von Bestandskunden durch zielgruppengerechte Marketingmaßnahmen im Vordergrund. Der kaufmännische Teil der Ausbildung umfasst außerdem die Steuerung und Kontrolle von Online-Vertriebskanälen sowie Grundlagen der Buchführung und Kalkulation.

Da rechtssichere Prozesse im Online-Handel unverzichtbar sind, werden Auszubildende auch in den Bereichen Wettbewerbs- und Urheberrecht, Markenschutz sowie Datenschutzrecht (DSGVO) geschult. Projektbezogenes Arbeiten ist ein zentrales Merkmal des Berufsbilds – Auszubildende werden von Anfang an mit praxisnahen Projekten vertraut gemacht.

Ein Berufsbild mit Zukunft, extra geschaffen für die Anforderungen der Online-Shops und Dienstleister im Internet. Ob es sich in dieser Form am Arbeitsmarkt durchsetzen wird bleibt abzuwarten, aber die Perspektive ist gut.

Voraussetzungen und Eigenschaften für Kaufleute im E-Commerce

Offiziell ist für die Zulassung zur Ausbildung kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis verlangen die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch mindestens einen guten Hauptschulabschluss, häufig einen mittleren Bildungsabschluss. Der kaufmännische Beruf im E-Commerce setzt ein hohes analytisches Denkvermögen sowie ein Geschick für Sprache und Vermarktungsstrategien voraus.

Wichtig ist außerdem eine Affinität zu Zahlen und ein solides mathematisches Verständnis, um Kalkulationen zu erstellen, Buchführung zu erledigen und Rechnungen korrekt zu stellen. Je nach Einsatzbereich – etwa im Modegeschäft beim Eintreffen neuer Kollektionen – kann ein besonders hoher Arbeitseinsatz gefragt sein, der nicht immer pünktlichen Feierabend erlaubt.

Ein ausgeprägtes Organisationstalent ist in jedem kaufmännischen Beruf empfehlenswert: Es ist notwendig, um Lieferung, Lagerung und Kundenanfragen reibungslos zu koordinieren und einen geregelten Büroablauf sicherzustellen. Darüber hinaus solltest du Interesse an digitalen Technologien, Social Media und den Strukturen des Online-Handels mitbringen.

Bewerbung als Kaufmann / Kauffrau E-Commerce

Im Online-Business wird in der Regel eine Bewerbung per E-Mail gewünscht. Um ganz sicherzugehen, sollte man sich aber vorab über den bevorzugten Bewerbungsweg des Unternehmens informieren.

In jedem Fall sollte Wert gelegt werden auf ein überzeugendes Bewerbungsanschreiben, einen lückenlosen Lebenslauf und das Beifügen aller relevanten Zeugnisse und Zertifikate. Das Bewerbungsschreiben gibt dem Arbeitgeber einen tiefen Einblick in deine Motivation und sollte nach den klassischen Vorgaben strukturiert sein.

Der Lebenslauf enthält sämtliche Stationen deiner schulischen und beruflichen Entwicklung sowie einen Einblick in dein Privatleben, etwa durch die Angabe relevanter Hobbys. Wer sich auf eine Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im E-Commerce bewirbt, sollte besonders auf fehlerfreie Rechtschreibung und Grammatik achten – die Bewerbung ist schließlich die allererste Arbeitsprobe für die spätere, öffentlich sichtbare Tätigkeit im Online-Shop.

Zukunft und Trends für das Berufsbild im Onlinehandel

Der Onlinehandel wächst kontinuierlich: Kunden bestellen aufgrund von Flexibilität und Komfort immer häufiger im Internet. Der branchenübergreifende Ausbildungsberuf wurde 2018 geschaffen, um Fachkräfte gezielt auf die Anforderungen der Digitalisierung und des veränderten Kaufverhaltens vorzubereiten. Bereits im ersten Jahr nach Einführung wurden bundesweit rund 1.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein bemerkenswerter Start für einen neuen Ausbildungsberuf (Quelle: BIBB, 2018).

Projektbezogenes Arbeiten und Anpassungsfähigkeit an sich wandelnde Vertriebskanäle spielen dabei eine zentrale Rolle. Fachkräfte mit kaufmännischen und strategischen Kenntnissen im E-Commerce sind deshalb gefragter denn je. Viele Arbeitgeber bieten flexible Arbeitszeitmodelle mit Gleitzeit oder Home-Office an, was die Work-Life-Balance zusätzlich fördert.

Die Nutzung von KI und Automatisierung verändert das Berufsbild spürbar: Kaufleute im E-Commerce setzen zunehmend auf intelligente Technologien, um Kundendaten auszuwerten, personalisierte Empfehlungen zu erstellen und Kampagnen effizienter zu steuern. Gleichzeitig rückt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus – von umweltfreundlichen Verpackungen über ressourcenschonende Lieferketten bis hin zur transparenten Kommunikation ökologischer Auswirkungen.

Die fortschreitende Globalisierung des E-Commerce eröffnet weitere Perspektiven: Kaufleute, die internationale Märkte verstehen und grenzüberschreitende Handelsstrukturen beherrschen, sind besonders wertvoll. Mit gezielten Weiterbildungen – etwa zum E-Commerce-Manager oder Fachwirt im E-Commerce – lassen sich die Karrierechancen erheblich verbessern. Wer die Hochschulreife besitzt, kann nach der Ausbildung auch ein Studium in Betrieb­swirtschaft, Digital Commerce oder Online-Marketing in Betracht ziehen.

Auszubildende 2018
ca. 1.300
Auszubildende 2024
ca. 6.300
Wachstum gesamt
+385 %
Prognose 2025
ca. 6.600
Auszubildende Kaufmann/Kauffrau E-Commerce
Prognose/Schätzung 2025
2018: 1300, 2019: 2800, 2020: 3600, 2021: 4293, 2022: 5200, 2023: 5900, 2024: 6300, 2025: 6600

Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Pressemitteilung 2018; handelsdaten.de (Stand 31.12.2021: 4.293); BIBB-Datenreport 2024. Werte 2019–2020 sowie 2022–2025 sind gerundete Schätz- bzw. Prognosewerte auf Basis der BIBB-Zeitreihe. Der Beruf wurde am 1. August 2018 staatlich anerkannt. Stand: April 2025.


Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ausbildung Kaufmann/Kauffrau E-Commerce

Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im E-Commerce?

Offiziell ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis erwarten die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch mindestens einen guten Hauptschulabschluss oder mittleren Bildungsabschluss (z. B. Realschulabschluss). Größere Unternehmen und renommierte Online-Shops verlangen häufig die Fachhochschulreife oder Abitur. Entscheidend sind außerdem Interesse an digitalen Themen, kaufmännisches Verständnis und kommunikative Stärke.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im E-Commerce und wo findet sie statt?

Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist dual organisiert: Die praktische Ausbildung findet im Betrieb statt, die theoretischen Inhalte werden parallel an der Berufsschule vermittelt. Unter bestimmten Voraussetzungen – etwa bei sehr guten Leistungen – kann die Ausbildungszeit auf Antrag verkürzt werden. Eine Teilzeitausbildung ist ebenfalls möglich.

Welche Karrieremöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung im E-Commerce?

Nach der Ausbildung stehen verschiedene Karrierewege offen: Mit Berufserfahrung und gezielter Weiterbildung – etwa zum Fachwirt/zur Fachwirtin im E-Commerce oder zum E-Commerce-Manager – können Kaufleute in Führungs- und Projektleitungspositionen aufsteigen. Wer die Hochschulreife besitzt, kann auch ein Studium in Betriebswirtschaft, Digital Commerce oder Online-Marketing anschließen. Spezialisierungen in den Bereichen Online-Marketing, SEO/SEA, Datenanalyse oder internationale Märkte steigern die Einkommens- und Aufstiegschancen erheblich.

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