Du bist schwindelfrei und hast keine Angst vor Höhen? Handwerkliches Geschick und eine gewisse körperliche Robustheit zählen zu deinen Eigenschaften? Dann könnte das Berufsbild Gerüstbauer/in für dich durchaus interessant sein.
Kirchen, Bürogebäude, private Wohnhäuser – hoch sind sie in der Regel alle. Doch hast du dir schon einmal überlegt, wie Maler oder andere Gewerke beispielsweise die Fassade eines solchen Gebäudes anstreichen oder verputzen können?
Ohne die Hilfe eines Gerüstbauers ist dies nicht möglich. Dieser muss die schwindelerregende Höhe aushalten, um den anderen Handwerkern ihre Arbeit überhaupt zu ermöglichen.
Bist du auch jemand, der gut mit Höhe umgehen kann und möglichst viel Zeit im Freien verbringen möchte? Wie wäre es dann mit einer Ausbildung zum Gerüstbauer? Wir erläutern dir nachfolgend, welche Voraussetzungen du für diese Ausbildung mitbringen musst, wie die Verdienstmöglichkeiten sind und wie es um die berufliche Perspektive bestellt ist.
Gehalt als Gerüstbauer/in
Wer sich für den Beruf als Gerüstbauer interessiert, muss zunächst eine dreijährige duale Ausbildung absolvieren. Seit November 2025 gelten im Gerüstbauer-Handwerk neue tarifliche Ausbildungsvergütungen: Im ersten Lehrjahr verdient der Azubi rund 1.125 Euro (brutto) im Monat. Im zweiten Ausbildungsjahr steigt das Gehalt auf etwa 1.300 Euro (brutto), während es im dritten Ausbildungsjahr bereits bei 1.550 Euro (brutto) monatlich liegt. Damit gehört die Ausbildung zum Gerüstbauer zu den bestbezahlten Ausbildungen im Handwerk.
Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung verdient der ausgelernte Gerüstbauer anfangs zwischen 2.700 und 3.200 Euro (brutto) pro Monat. Je mehr Berufserfahrung nach der Ausbildung gesammelt wird, desto höher fällt auch das Gehalt aus. Das durchschnittliche Bruttogehalt liegt bei rund 3.200 Euro monatlich.
Dieses kann später – z. B. wenn ein Meistertitel erworben wurde – sogar zwischen 3.500 und 4.800 Euro (brutto) betragen. Dabei spielen allerdings die Größe des Betriebs eine Rolle, die Region, in der dieser angesiedelt ist, und ob ein Tarifvertrag Anwendung findet oder nicht. Seit 2026 liegt der tarifliche Mindestlohn im Gerüstbau bei 14,35 Euro pro Stunde.
Ausbildung als Gerüstbauer/in
Die Ausbildung zum Gerüstbauer dauert drei Jahre und basiert auf dem dualen System. Das heißt, der oder die Auszubildende besucht zum einen die Berufsschule, in welcher theoretische Kenntnisse vermittelt werden. Die restliche Zeit arbeitet er oder sie im Betrieb, um praktische Erfahrungen sammeln zu können.
Ob die Berufsschule jede Woche an bestimmten Wochentagen besucht wird oder ob der Unterricht im Block – also über einen längeren Zeitraum täglich – stattfindet, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.
In der Berufsschule wird dem Auszubildenden unter anderem gelehrt, wie Baupläne zu lesen sind oder ihnen die relevanten Maße entnommen werden. Zudem erlernt er, Längen, rechte Winkel und Höhen richtig zu messen und wie der Bedarf oder die Lasten ermittelt werden.
Er lernt verschiedene Hebelgesetze kennen, beschäftigt sich mit der Kräftelehre und mit Elektrizität sowie mit Druck und Druckspannung. Gleichzeitig werden dem Auszubildenden Kenntnisse im Arbeitsschutz vermittelt.
Er muss die Regeln für Flucht- und Rettungswege kennen, wissen, welche Schutzkleidung die Mindestanforderungen erfüllt und welche Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen. Selbst die Lagerung der Gerüstelemente muss bestimmten Anforderungen gerecht werden.
Auf dem Lehrplan steht ebenso die Werkstoffkunde. Hier werden Stahl, Aluminium und andere Kunststoffe sowie Materialien und Hilfsstoffe näher beschrieben. Beispiele hierfür sind Dübel, Gerüsthalter, Balken, Ösen, Gitterträger und Flanschklemmen.
Auch die unterschiedlichen Mauerwerk- und Bodenarten oder Werkzeuge – wie der Gabelstapler – gehören zum Ausbildungsprogramm, um den Auszubildenden ideal auf seine praktischen Tätigkeiten vorzubereiten. Unter anderem wird er ebenfalls in die Arbeit am PC eingewiesen, wo der Gerüstbau geplant, der Materialbedarf ermittelt, Rechnungen geschrieben und Kundenanfragen beantwortet werden.
Im Ausbildungsbetrieb selbst wird häufig damit begonnen, dem Azubi alle Gerüstelemente sowie ihre Eigenschaften und Funktionen im Lager zu erklären. Danach folgt die Einweisung auf der Baustelle, wo zunächst – aus Sicherheitsgründen – nur auf dem Boden gearbeitet und z. B. das Material angereicht wird.
Mit steigender Erfahrung wird der Auszubildende auch am Gerüst weiter aufsteigen dürfen. Zunächst darf dieser dann das Material annehmen und weitergeben, später darf er es auch verschrauben bzw. befestigen.
In der Regel wird ein Lehrling im dritten Lehrjahr in der Lage sein, das Gerüst eigenständig aufzubauen und anderen Teamkollegen Anweisungen zu geben.
1.125 Euro
1.300 Euro
1.550 Euro
Eigenschaften und Voraussetzungen für den Gerüstbau
Höhenangst ist in diesem Beruf ein Ausschlusskriterium. Auch wenn der Gerüstbauer niemals ungesichert arbeiten darf, ist eine gewisse Ruhe als Voraussetzung für die Ausbildung mitzubringen. Der Auszubildende darf weder unter Schwindel noch unter Angst vor Höhe leiden und muss unbedingt gewissenhaft und präzise arbeiten.
Für die Planung und Konstruktion ist ein mathematisches und physikalisches Verständnis empfehlenswert. Zu den Softskills, die man mitbringen sollte, zählen Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit – alles, was auf der Baustelle anfällt, wird im Team erledigt.
Da der Beruf zu den Handwerksberufen zählt und einiges an Kraft erfordert, sollte der Bewerber zum einen keine „zwei linken Hände“ besitzen und zum anderen körperlich fit und belastbar sein. Er sollte keine Scheu haben, anzupacken, und keine Probleme darin sehen, im Freien zu arbeiten – egal ob bei 30 Grad im Sommer oder bei -10 Grad im Winter.
Als schulische Voraussetzung ist der Hauptschulabschluss empfehlenswert. Aber auch Bewerber mit anderen Schulabschlüssen erhalten in der Regel eine Chance.
Bewerbung als Gerüstbauer/in
Die Bewerbung um eine Ausbildung im Gerüstbau ist bei einem ausbildenden Betrieb – einem spezialisierten Unternehmen für Gerüstbau – einzureichen. In der Regel wird die Bewerbung postalisch in Form einer Bewerbungsmappe verschickt oder online über die Website des Unternehmens eingereicht.
Diese sollte ein aussagekräftiges Anschreiben, einen detaillierten Lebenslauf sowie alle erworbenen und für die Ausbildung relevanten Zertifikate und Zeugnisse enthalten.
Wer bereits ein Praktikum in einem Bauunternehmen absolviert hat, sollte dieses in jedem Fall erwähnen, um erste Erfahrungen deutlich zu machen und so die Chancen auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhöhen.
Auch die für die Praxis notwendigen Fähigkeiten sollten bereits im Anschreiben bzw. Lebenslauf deutlich gemacht werden. Wer mit guten Noten in Mathe und Physik punkten kann, hat ebenfalls eine realistische Chance, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.
Trends und Perspektiven für den Gerüstbau
Der Beruf zählt zu den risikoreichsten Berufen. Gleichzeitig ist er auch einer der wichtigsten Berufe im Handwerk, denn ohne Gerüstbauer/innen werden weder Arbeits- noch Schutz- oder Traggerüste gebaut, sodass auch Maler und Verputzer Schwierigkeiten beim Verrichten ihrer Arbeit bekommen.
Auch bewegliche Arbeitsplattformen und Sonderkonstruktionen können nicht ohne Gerüstbauer hergestellt werden. Gleichzeitig fehlen vielen Betrieben ausreichend Bewerber, um ihre offenen Ausbildungsplätze zu besetzen oder ältere Fachkräfte, die in Rente gehen, zu ersetzen. Wer sich für den Gerüstbau interessiert, hat deshalb gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten und später vom Betrieb übernommen zu werden.
Die körperlich anspruchsvolle Arbeit ist nur selten bis zur Rente durchführbar. In der Regel werden innerhalb eines Arbeitsverhältnisses bestimmte Fortbildungen absolviert, die dann ab dem 40. bis 50. Lebensjahr für den Innendienst qualifizieren.
Seit 2026 gibt es im Gerüstbauer-Handwerk zudem das neue Sommerausfallgeld, das Beschäftigte bei extremen Wetterbedingungen in den Sommermonaten finanziell absichert – eine Reaktion auf den Klimawandel und zunehmende Wetterextreme.
Die Chancen am Arbeitsmarkt steigen und fallen natürlich mit der Konjunktur auf dem Bau. In Zeiten des Baubooms werden immer händeringend Fachkräfte gesucht.
Häufig gestellte Fragen zur Ausbildung als Gerüstbauer/in
Wie viel verdient man als Gerüstbauer/in in der Ausbildung?
Die tarifliche Ausbildungsvergütung im Gerüstbauer-Handwerk beträgt seit November 2025 im ersten Lehrjahr 1.125 Euro brutto, im zweiten Lehrjahr 1.300 Euro brutto und im dritten Lehrjahr 1.550 Euro brutto monatlich. Damit gehört die Ausbildung zum Gerüstbauer zu den bestbezahlten im Handwerk.
Welche Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung zum Gerüstbauer?
Für die Ausbildung zum Gerüstbauer sollte man schwindelfrei, körperlich belastbar und teamfähig sein. Ein Hauptschulabschluss ist empfehlenswert, aber auch Bewerber mit anderen Abschlüssen haben gute Chancen. Gute Noten in Mathematik und Physik sind von Vorteil.
Welche Karrieremöglichkeiten hat man als Gerüstbauer/in?
Nach der Ausbildung kann man sich zum Kolonnenführer, Gerüstbauermeister oder Polier weiterbilden. Mit einem Meistertitel sind Gehälter von 3.500 bis 4.800 Euro brutto monatlich möglich. Viele Gerüstbauer wechseln zudem ab dem 40. bis 50. Lebensjahr über Fortbildungen in den Innendienst, etwa in die Planung oder Bauleitung.
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