Häuser besichtigen, anbieten und verkaufen. Der Beruf des Immobilienmaklers hat dich schon immer gereizt, du möchtest aber nicht ausschließlich Kundentermine wahrnehmen, sondern auch Zeit im Büro verbringen und im Hintergrund die Fäden ziehen?
Dann ist die Ausbildung zum Immobilienkaufmann / zur Immobilienkauffrau vielleicht genau der richtige Beruf für dich. Welche Aufgaben in das Tätigkeitsfeld der Immobilienkaufleute fallen und ob dieser Beruf wirklich zu dir passt, erläutern wir nachfolgend.
Gehalt als Immobilienkaufmann/-frau
Die Ausbildung zum/zur Immobilienkaufmann/-frau gehört zu den bestbezahlten dualen Ausbildungen in Deutschland. Ab dem 1. Februar 2025 gelten im Tarifvertrag der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (ver.di / IG BAU) folgende Ausbildungsvergütungen: im ersten Lehrjahr rund 1.170 Euro brutto, im zweiten Lehrjahr rund 1.280 Euro brutto und im dritten Lehrjahr rund 1.390 Euro brutto monatlich. Nicht tarifgebundene Betriebe orientieren sich an der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung, die seit 2020 jährlich angepasst wird und teils darunter liegt. (Quellen: ausbildung.de, join-iad.de, Stand Februar 2025)
Nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung liegt das Einstiegsgehalt zwischen 2.300 und 3.000 Euro brutto monatlich, in tarifgebundenen Unternehmen sind direkt rund 2.900 Euro bei einer 37-Stunden-Woche möglich. Das Median-Bruttogehalt beträgt laut Bundesagentur für Arbeit und meingehalt.net rund 3.791 Euro brutto monatlich (ca. 45.492 Euro jährlich). Mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung sind 3.200 bis 3.800 Euro erreichbar, mit sieben Jahren und mehr bis zu 4.500 Euro. In großen Unternehmen mit über 20.000 Mitarbeitenden können Spitzenverdiener sogar knapp 6.000 Euro brutto monatlich erzielen. (Quellen: meingehalt.net, myStipendium, StepStone, Stand 2025)
Regionale Unterschiede sind erheblich: In Hessen (Frankfurt), Bayern (München) und Baden-Württemberg sowie Hamburg werden überdurchschnittliche Gehälter von rund 3.400 Euro und mehr gezahlt, während in Ostdeutschland die Werte teils bei rund 2.600 Euro liegen. Im Bereich Vermietung/Verkauf kommen zudem abschlussabhängige Provisionen hinzu, die das Grundgehalt deutlich aufstocken können. Wer sich weiterbildet – etwa zum Immobilienfachwirt oder Betriebswirt – erschließt sich höhere Gehalts- und Karrierestufen.
Nicht zu verwechseln sind Ausbildung und Beruf des Immobilienkaufmanns mit dem des Immobilienmaklers. Makler arbeiten vorwiegend provisionsbasiert und oft als Selbstständige, während Immobilienkaufleute breiter aufgestellt sind und häufig ein stabiles Festgehalt beziehen.
Ausbildung als Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau
Die Ausbildung als Immobilienkaufmann/-frau dauert in der Regel drei Jahre und findet dual statt: ein Teil im Ausbildungsbetrieb – dem Immobilien- oder Wohnungsunternehmen –, ein anderer Teil in der Berufsschule. Die Ausbildung ist nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) bundeseinheitlich geregelt und hat seit 2006 den früheren Beruf „Kaufmann/-frau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft“ abgelöst. Wer besondere Vorkenntnisse hat oder sehr gute Noten erzielt, kann eine Verkürzung um bis zu sechs Monate beantragen.
In der Berufsschule werden vor allem mathematische, wirtschaftliche und rechtliche Grundlagen vermittelt – darunter Kenntnisse im Miet- und Wohnrecht, Preis- und Kostenkalkulation sowie das Aufsetzen rechtssicherer Mietverträge. Im Betrieb selbst werden vor allem praxisrelevante Fähigkeiten ausgebaut, die die erfolgreiche Vermarktung von Immobilien ermöglichen: Exposés erstellen, Besichtigungen planen und durchführen sowie Kundengespräche führen.
Der Auszubildende durchläuft alle wichtigen Abteilungen des Unternehmens, in der Regel die Bereiche „Mietprüfung und Recht“, „Rechnungswesen und Buchhaltung“, Zentrale und Verkauf. So erhält er einen umfassenden Einblick in das gesamte Tätigkeitsfeld. Am Ende der Ausbildung empfiehlt sich eine Spezialisierung auf einen Bereich.
Voraussetzungen und Eigenschaften Immobilienkaufmann/-frau
Der Beruf Immobilienkaufmann/-frau ist sehr abwechslungsreich. Wichtig sind ein sicheres Gefühl im Umgang mit Menschen, Kommunikationsfreude, gute Umgangsformen und ein gewisses Verkaufstalent. Für den kaufmännischen Bereich ist ein mathematisches und wirtschaftliches Verständnis vorteilhaft, um Kalkulationen, Analysen und Rechnungen korrekt erstellen zu können. Da regelmäßig auch Mietverträge und Exposés zu formulieren sind, sollte man außerdem sprachlich gewandt sein.
Hinsichtlich der schulischen Voraussetzungen sieht die Ausbildungsordnung formal nur einen Hauptschulabschluss vor. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass Bewerber/innen mit mittlerer Reife oder Abitur bevorzugt eingestellt werden, da die Ausbildung aufgrund ihrer Vielseitigkeit hohe Anforderungen stellt. Grundsätzlich haben aber auch Bewerber/innen mit Hauptschulabschluss eine Chance auf einen Ausbildungsplatz.
Bewerbung als Immobilienkaufmann/-frau
Den Ausbildungsplatz stellt immer der Betrieb, weshalb Bewerbungen dort einzureichen sind. Viele Betriebe schreiben offene Stellen aus, aber auch Initiativbewerbungen – ohne direkten Bezug auf eine konkrete Ausschreibung – sind möglich und oft erfolgreich.
Je nachdem, welche Art von Bewerbung das Immobilienbüro bevorzugt, erfolgt sie entweder in Form einer Bewerbungsmappe per Post oder per E-Mail. In beiden Fällen gehören ein aussagekräftiges Anschreiben, ein lückenloser Lebenslauf und alle wichtigen Zeugnisse und Zertifikate dazu.
Um die Chancen auf die Ausbildungsstelle zu erhöhen, ist es wichtig, die eigenen Stärken und Fähigkeiten bereits im Anschreiben gezielt herauszuarbeiten – statt auf ein Musteranschreiben zurückzugreifen. Wer ein persönliches, individuelles Anschreiben verfasst, beweist gleichzeitig, dass er sich selbst vermarkten kann – eine Schlüsselkompetenz in der Immobilienbranche. Die Bewerbung darf deshalb auch als erste „Probearbeit“ verstanden werden, bei der es gilt, den möglichen Arbeitgeber von sich selbst zu überzeugen.
Ausbildende Betriebe legen besonders Wert auf ein vertrauenswürdiges und professionelles Auftreten sowie auf gute Präsentationsfähigkeiten. Wer auch bei schwierigen Fragen im Vorstellungsgespräch souverän bleibt, vermittelt starke Kommunikationsfähigkeiten – und lässt erkennen, dass auch mit anspruchsvollen Kunden professionell umgegangen werden kann.
Zukunft und Trends für das Berufsbild
Auch wenn der Beruf häufig mit dem des Immobilienmaklers verwechselt wird, ist das Berufsbild Immobilienkauffrau/-mann ein eigenständiger, staatlich anerkannter Ausbildungsberuf mit hervorragenden Zukunftsperspektiven. Die Immobilienwirtschaft ist mit über 810.000 Unternehmen und rund 3,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige Deutschlands – und trägt mit rund 730 Milliarden Euro fast 20 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung bei. (Quelle: ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss, 2023/2024)
Gerade in großen Städten gibt es eine Vielzahl von leerstehenden Gebäuden und eine hohe Fluktuation aufgrund von Jobwechseln oder weil Unternehmen ihren Flächenbedarf anpassen. Gleichzeitig fehlen laut Prognosen bis 2025 in Deutschland bis zu 720.000 Wohneinheiten – ein Dauerthema, das für anhaltend hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in der Immobilienwirtschaft sorgt. (Quelle: ZIA Frühjahrsgutachten)
Wichtig zu beachten: Nach Jahren des Booms infolge historisch niedriger Bauzinsen hat der Immobilienmarkt seit 2022 eine Korrekturphase durchlaufen. Steigende Zinsen haben die Nachfrage nach Eigenheimkäufen vorübergehend gedämpft, was sich auch auf die Auftragslage in einigen Teilbereichen auswirkt. Wer sich in Verwaltung, Bestandsvermietung oder Facility-Management spezialisiert, ist von diesen Schwankungen deutlich weniger betroffen. Die Digitalisierung verändert außerdem die Branche: PropTech, digitale Besichtigungen und automatisierte Verwaltungstools werden immer wichtiger.
Wer weiter aufsteigen möchte, strebt eine Weiterbildung zum Immobilienfachwirt (IHK) an und kann so in Management- und Verwaltungsebenen aufsteigen. Alternativ bietet sich ein Studium im Bereich Immobilienwirtschaft oder Betriebswirtschaftslehre an. Der Schritt in die Selbstständigkeit lohnt sich finanziell, wenn ein tragfähiger Kundenstamm aufgebaut wurde. Verwandte Berufsbilder sind Bankkauffrau/-mann und Versicherungskauffrau/-mann.
Beschäftigungsentwicklung in der Immobilienwirtschaft in Deutschland 2010–2025
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Immobilienwirtschaft gesamt (in Mio., gerundet)
Quellen: ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss (2023/2024), Statistisches Bundesamt (Destatis), Bundesagentur für Arbeit. Die Angaben beziehen sich auf die gesamte Immobilienwirtschaft inkl. Verwaltung, Vermittlung und Dienstleistungen. Werte für 2010–2021 auf Basis verfügbarer Branchendaten interpoliert. Stand: 2025.
Häufige Fragen zum Beruf Immobilienkaufmann/-frau
Was ist der Unterschied zwischen Immobilienkaufmann/-frau und Immobilienmakler/in?
Immobilienkaufmann/-frau ist ein staatlich anerkannter dualer Ausbildungsberuf mit geregelten Ausbildungsinhalten und IHK-Abschluss. Das Tätigkeitsfeld umfasst neben der Vermittlung auch Buchhaltung, Personalwesen, Mietrecht und Verwaltung. Immobilienmakler/in ist hingegen kein Ausbildungsberuf, sondern eine Berufsbezeichnung für Personen, die überwiegend die Vermittlung von Immobilien – oft auf Provisionsbasis – betreiben. Immobilienkaufleute arbeiten in der Regel in Unternehmen, die selbst Immobilien besitzen und verwalten, während Makler im Auftrag von Käufern oder Verkäufern tätig werden.
Wie viel verdient man als Immobilienkaufmann/-frau in Deutschland?
Das Median-Bruttogehalt liegt laut Bundesagentur für Arbeit bei rund 3.791 Euro monatlich (ca. 45.492 Euro jährlich). Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung beträgt je nach Betrieb und Region 2.300 bis 3.000 Euro brutto monatlich, in tarifgebundenen Unternehmen auch direkt rund 2.900 Euro. Mit mehrjähriger Berufserfahrung sind 3.500 bis 4.500 Euro erreichbar, in Führungspositionen oder großen Konzernen auch deutlich mehr. Regionale Spitzenreiter sind Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. (Quellen: meingehalt.net, StepStone, Bundesagentur für Arbeit, Stand 2025)
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung bieten sich verschiedene Karrierewege an: Die Weiterbildung zum Immobilienfachwirt (IHK) eröffnet Führungs- und Managementpositionen. Der Abschluss als Betriebswirt für das Immobiliengewerbe ermöglicht den Einstieg auf Leitungsebene. Alternativ ist ein Studium in Immobilienwirtschaft, BWL oder Facility-Management möglich. Wer sich selbstständig machen möchte, kann ein eigenes Immobilienbüro eröffnen. Spezialisierungen auf Bereiche wie PropTech, Nachhaltigkeitsmanagement oder gewerbliche Immobilien erhöhen die Karriere- und Verdienstchancen zusätzlich.
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