Hebamme / Entbindungspfleger / Geburtshelfer – Ausbildung, Berufsbild, Gehalt und berufliche Zukunft

Der Vorgang der Geburt hat dich schon immer fasziniert? Du liebst Babys und siehst dich in der Lage, verantwortungsvoll mit schwangeren Frauen zu interagieren? Auch in schwierigen Situationen behältst du stets einen kühlen Kopf? Dann wird dir dieser Beruf sicherlich viel Freude bereiten und du solltest über ein Studium nachdenken.

Die Geburt eines Menschen ist ein einmaliges Erlebnis. In der Geschichte standen Verwandte oder andere Menschen schon immer helfend bei der Geburt eines Kindes zur Seite. Der offizielle Berufsname lautet seit der Hebammenreform 2020 einheitlich „Hebamme“ – die bis dahin gebräuchliche Bezeichnung „Entbindungspfleger“ für männliche Fachkräfte ist damit weggefallen. Ältere Bezeichnungen wie Geburtshelfer/in sind jedoch noch im Sprachgebrauch zu finden.

Schwangerschaft und Geburt finden täglich millionenfach auf der Welt statt, aber für das Individuum – die Mutter und den Vater – bildet dieser Umstand eine extreme Ausnahmesituation. Nach der Geburt ist die Lebenssituation eine völlig andere als zuvor, weshalb Hebammen auch einige Zeit nach der Entbindung weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Aufgabe umfasst die Betreuung der Mutter vor der Geburt, während des Geburtsvorgangs und nach der Entbindung. Hebammen arbeiten dabei eng mit Frauenärztinnen und -ärzten sowie Entbindungskliniken zusammen und überwachen Schwangerschaft und Geburtsverlauf. Selbstständige Hebammen bieten oftmals eigene Schwangerschaftskurse an, in denen zum Beispiel die richtigen Atemtechniken beim Einsetzen der Wehen geübt werden. Das gibt den werdenden Eltern ein Stück Sicherheit und Vorbereitung auf die kommende Ausnahmesituation der Geburt.

Gehalt als Hebamme

Das Gehalt einer Hebamme hängt von Arbeitsort, Berufserfahrung, Arbeitgeber und Tarifbindung ab. Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das Median-Bruttogehalt für Hebammen in Deutschland bei rund 4.380 Euro pro Monat (Stand 2025). Das entspricht einem Jahreseinkommen von rund 52.500 Euro brutto.

Im öffentlichen Dienst werden Hebammen nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst im Pflegebereich (TVöD-P) vergütet und in der Regel in Entgeltgruppe P8 eingestuft. Da es in dieser Gruppe keine Stufe 1 gibt, steigen Berufseinsteiger/innen direkt in Stufe 2 ein – das entspricht einem Einstiegsgehalt von ca. 3.490 bis 3.600 Euro brutto monatlich. Mit wachsender Berufserfahrung sind in Stufe 6 über 4.200 Euro erreichbar. Für leitende Hebammen ist eine Eingruppierung in P9 oder höher möglich, was nochmals höhere Gehälter bedeutet. (Quelle: praktischarzt.de, doctari.de, Stand 2025)

Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste können das Grundgehalt um weitere 20 bis 30 Prozent erhöhen. In Baden-Württemberg sind die Gehälter durchschnittlich am höchsten, während in Ostdeutschland etwas niedrigere Werte üblich sind.

Freiberufliche Hebammen rechnen ihre Leistungen nach festgelegten Honorarsätzen mit den gesetzlichen Krankenkassen ab. Zu beachten sind dabei die hohen Berufshaftpflichtbeiträge – allein für Geburtshilfe können diese über 8.000 Euro jährlich betragen – was das tatsächliche Nettoeinkommen erheblich schmälert.

Weiterbildungen und Spezialisierungen – etwa in Stillberatung, Familienbegleitung oder im Bereich Kinderkrankenpflege – können sich positiv auf das Gehalt auswirken und zusätzliche Karrierewege eröffnen.

Ausbildung als Hebamme

Wichtige Neuerung seit 2020: Mit dem Inkrafttreten des Hebammengesetzes (HebG) am 1. Januar 2020 wurde die frühere dreijährige Fachschulausbildung zur Hebamme in Deutschland abgeschafft. Seitdem erfolgt die Qualifikation ausschließlich über ein duales Studium der Hebammenwissenschaft an einer Hochschule oder Universität, kombiniert mit umfangreichen Praxiseinsätzen in Kliniken oder anderen Geburtshilfeeinrichtungen. Deutschland war damit das letzte EU-Land, das die Akademisierung des Hebammenberufs umgesetzt hat.

Das Studium dauert in der Regel sieben bis acht Semester (dreieinhalb bis vier Jahre) in Vollzeit und schließt mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) in Hebammenwissenschaft ab. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die Fachhochschulreife. Auch Personen mit einem abgeschlossenen Pflegeexamen können unter bestimmten Bedingungen zugelassen werden.

Die Studieninhalte umfassen Geburtshilfe, Frauenheilkunde, Kinderheilkunde, Anatomie, Physiologie sowie wissenschaftliches Arbeiten. Hinzu kommen praktische Einsätze, in denen die Studierenden die Begleitung von Geburten, die Versorgung von Neugeborenen sowie die Vor- und Nachsorge eigenständig erproben. Ein zentrales Lernziel ist auch die Gesundheitsförderung und Prävention – etwa Beratung zu Ernährung, Bewegung und allgemeiner Gesundheitsvorsorge.

Am Ende des Studiums legen die angehenden Hebammen eine staatliche Abschlussprüfung ab, die aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Teilen besteht. Der Bachelorabschluss eröffnet anschließend auch Wege in Forschung, Lehre und Gesundheitsmanagement – ein Masterstudium ist möglich.

Die Studienvergütung während des dualen Studiums richtet sich in der Regel nach dem Tarifvertrag für Studierende in einem dualen Hebammenstudium im kommunalen öffentlichen Dienst (TVHöD):

Duales Studium (kommunaler öffentlicher Dienst, TVHöD): 1.665 Euro brutto/Monat (einheitlich über alle Semester; ab April 2025: 1.740 Euro, ab Mai 2026: 1.815 Euro geplant).
Duales Studium nach TVAöD-BT-Pflege: 1. Jahr ca. 1.341 Euro – 2. Jahr ca. 1.402 Euro – 3. Jahr ca. 1.503 Euro brutto/Monat.
Private Träger sind nicht an Tarifverträge gebunden und können darunter liegen – bieten dafür teils Zusatzleistungen wie Übernahme von Studiengebühren oder Fahrtkostenzuschüsse.

Quelle: praktischarzt.de / ausbildung.de, Stand 2025. Hinweis: Wer sich noch in der auslaufenden schulischen Hebammenausbildung befindet, kann diese nach Übergangsregelung noch bis 2026 abschließen.

Eigenschaften und Voraussetzungen als Hebamme

Als Hebamme sind bestimmte Eigenschaften und Voraussetzungen von großer Bedeutung, um den Anforderungen des Berufs gerecht zu werden.

Empathie und Einfühlungsvermögen sind die Grundlage der Arbeit: Eine ausgeprägte Empathie ermöglicht es, sich in die Situation der Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen hineinzuversetzen und mit Verständnis auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Ebenso wichtig ist eine klare und respektvolle Kommunikationsfähigkeit, um effektiv mit werdenden Müttern, ihren Familien und dem medizinischen Team zu interagieren.

Der Geburtsprozess kann mitunter sehr stressig und emotional belastend sein. Deshalb sind Geduld, Ruhe und Stressresistenz unverzichtbar – auch dann, wenn unvorhergesehene Situationen eine schnelle Reaktion erfordern. Hebammen sind gelegentlich auch mit schweren Schicksalen wie Fehlgeburten konfrontiert und müssen dabei psychisch stabil und zugleich einfühlsam sein.

Daneben sind Organisationstalent und Teamfähigkeit gefragt, denn Hebammen arbeiten im interdisziplinären Team mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften und weiteren Gesundheitsberufen – ähnlich wie etwa Krankenpfleger/innen oder Kinderkrankenpfleger/innen. Ein ausgeprägtes Hygienebewusstsein sowie die Fähigkeit, auf kulturelle Unterschiede bei werdenden Müttern einzugehen, runden das Anforderungsprofil ab.

Zu den formalen Voraussetzungen zählen eine gesundheitliche Eignung (ggf. ärztliches Attest) sowie ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis. Für das Studium ist mindestens die Fachhochschulreife erforderlich; in einigen Fällen kann auch ein Pflegeexamen als Zugangsvoraussetzung anerkannt werden. Eine frühere Altersbeschränkung besteht seit August 2008 nicht mehr.

Bewerbung als Hebamme

Viele Hebammen gehen den Weg in die Selbstständigkeit und eröffnen eine eigene Praxis. Jede Entbindungsklinik verfügt jedoch über angestellte Hebammen, die im Schichtbetrieb die Geburten begleiten. Die Bewerbung richtet sich daher in der Regel an Kliniken, Geburtshäuser oder Hochschulen für das duale Studium und wird mit Bewerbungsschreiben, einem tabellarischen Lebenslauf und Zeugniskopien erstellt. In Kliniken sind Bewerbungen über das Internet heute Standard – der postalische Weg ist eher die Ausnahme.

Besonders wichtig ist das Bewerbungsanschreiben, welches über die engere Auswahl entscheidet. Hier sollten Motivation und Qualifikation klar herausgearbeitet werden. Der tabellarische Lebenslauf bildet den schulischen und beruflichen Werdegang chronologisch ab und sollte keine unerklärlichen Lücken enthalten.

Besonders wichtig für Bewerber/innen: Die Bereitschaft zur Schichtarbeit ist in diesem Beruf quasi ein Muss, denn viele Geburten finden nachts oder an Wochenenden statt. Teamkompatibilität und soziale Kompetenz werden im Auswahlprozess häufig sehr hoch gewichtet.

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Trends und Entwicklungen für Hebammen

Der Arbeitsmarkt für Hebammen ist von einem deutlichen Fachkräftemangel geprägt. Laut Angaben von Fachverbänden sind in Deutschland derzeit rund 26.000 Hebammen tätig – angesichts von rund 677.000 Geburten im Jahr 2024 bedeutet das eine anhaltend hohe Arbeitsbelastung. Zwölf-Stunden-Dienste rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen, sind keine Seltenheit.

In den letzten Jahren hat sich das Spektrum der pränatalen Geburtsvorbereitung enorm erweitert. So hat zum Beispiel der Einsatz moderner Diagnostikverfahren die Risikoabschätzung bei Schwangerschaften erheblich verbessert. Geburtshäuser und Hausgeburten erfreuen sich wachsender Beliebtheit als Alternative zur klassischen Klinikgeburt, da Mütter sich dort geborgener und individueller betreut fühlen.

Ein strukturelles Problem bleibt die hohe Berufshaftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen, die allein für Geburtshilfe über 8.000 Euro jährlich betragen kann. Dies hat in der Vergangenheit viele Hebammen zur Aufgabe ihrer selbstständigen Tätigkeit bewogen und den Nachwuchsmangel mitverursacht. Die Akademisierung des Berufs durch das duale Studium seit 2020 soll langfristig Abhilfe schaffen und den Beruf attraktiver und aufstiegsfähiger machen – inklusive Möglichkeiten zur Promotion und einer Laufbahn in Forschung und Lehre.

Verwandte Berufsfelder mit ähnlichem Arbeitsumfeld sind Krankenpfleger/in, Kinderkrankenpfleger/in sowie Gesundheits- und Pflegeassistent/in.

Beschäftigungsentwicklung: Hebammen in Deutschland 2010–2025

Beschäftigte 2010
ca. 19.500
Beschäftigte 2025
ca. 26.000
Wachstum 2010–2025
+33 %

Hebammen gesamt inkl. Freiberufliche (in Tsd., gerundet)

2010: 19,5 Tsd., 2011: 20,0 Tsd., 2012: 20,5 Tsd., 2013: 21,0 Tsd., 2014: 21,5 Tsd., 2015: 22,0 Tsd., 2016: 22,5 Tsd., 2017: 23,0 Tsd., 2018: 23,5 Tsd., 2019: 23,8 Tsd., 2020: 24,0 Tsd., 2021: 24,5 Tsd., 2022: 25,0 Tsd., 2023: 25,5 Tsd., 2024: 25,8 Tsd., 2025: 26,0 Tsd.

Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statista / Bundesagentur für Arbeit. Gesamtzahl inkl. freiberuflich tätiger Hebammen. Angaben für 2023–2025 teilweise geschätzt. Stand: 2025.


Häufige Fragen zum Beruf Hebamme

Muss ich für den Beruf als Hebamme studieren?

Ja, seit dem Inkrafttreten des neuen Hebammengesetzes (HebG) am 1. Januar 2020 ist ein duales Studium der Hebammenwissenschaft an einer Hochschule die einzige Zugangsmöglichkeit zum Beruf. Die frühere dreijährige Fachschulausbildung wurde abgeschafft und durch die Akademisierung ersetzt – Deutschland setzt damit eine EU-Richtlinie um, die einen akademischen Abschluss für Hebammen vorschreibt. Das duale Studium dauert in der Regel sieben bis acht Semester und schließt mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Es kombiniert theoretische Hochschullehre mit umfangreichen Praxisphasen in Kliniken und außerklinischen Einrichtungen. Während der Praxisphasen erhalten Studierende eine Vergütung vom kooperierenden Klinikum, in der Regel nach TVöD-P bzw. den entsprechenden Tarifverträgen – das macht den Studiengang finanziell attraktiver als ein klassisches Vollzeitstudium. Personen, die sich noch in der auslaufenden schulischen Fachschulausbildung befinden, können diese nach einer Übergangsregelung noch bis spätestens 31. Dezember 2027 abschließen. Zugangsvoraussetzung für das Studium ist mindestens die Fachhochschulreife. Alternativ können auch Bewerber/innen mit einer abgeschlossenen Pflegeausbildung (z. B. Pflegefachfrau/-mann) oder anderer einschlägiger Berufsausbildung nach den Hochschulgesetzen der Länder zugelassen werden. Vor Studienbeginn ist meist ein Vorpraktikum in einer geburtshilflichen Einrichtung erforderlich.

Wie viel verdient eine Hebamme in Deutschland?

Das Einkommen variiert stark nach Anstellungsverhältnis. Im öffentlichen Dienst (TVöD-P, Entgeltgruppe P8) beginnt das Einstiegsgehalt 2025 bei rund 3.490 bis 3.600 Euro brutto monatlich und steigt mit Berufserfahrung über die Stufen 1 bis 6 auf über 4.500 Euro. Hebammen mit besonderen Funktionen (z. B. im Kreißsaal-Leitungsteam) werden in P9 oder höher eingruppiert. Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das Median-Bruttogehalt für angestellte Hebammen branchenübergreifend bei rund 4.380 Euro pro Monat (Stand 2025). Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sind tariflich geregelt und können das Gesamtgehalt um 20 bis 30 Prozent erhöhen, da Hebammen typischerweise in Wechselschicht arbeiten. Freiberufliche Hebammen rechnen Geburten und Vor-/Nachsorge nach dem mit den Krankenkassen vereinbarten Vergütungsverzeichnis ab; die Pauschalen wurden in den letzten Jahren deutlich erhöht. Allerdings tragen Freiberuflerinnen die Berufshaftpflichtversicherung selbst – seit 2010 ein zentrales Problem der freien Geburtshilfe. Die Beiträge liegen aktuell bei rund 9.500 bis 11.000 Euro jährlich, werden jedoch über den GKV-Sicherstellungszuschlag teilweise erstattet, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Wie sind die Berufsaussichten für Hebammen in Deutschland?

Die Berufsaussichten für Hebammen sind trotz sinkender Geburtenzahlen insgesamt sehr gut, da in Deutschland ein erheblicher und seit Jahren wachsender Hebammenmangel besteht. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) und die Bundesregierung schätzen den zusätzlichen Bedarf in den kommenden Jahren auf mehrere tausend Stellen, vor allem in Kliniken und für die 1:1-Betreuung im Kreißsaal, die in vielen Häusern aus Personalmangel nicht mehr durchgehend gewährleistet werden kann. Auch die aufsuchende Wochenbettbetreuung durch freiberufliche Hebammen ist in vielen Regionen unterversorgt – Schwangere müssen teils Monate im Voraus suchen, um eine Hebamme zu finden. Die Akademisierung durch das duale Studium eröffnet zudem neue Karrierewege: In Forschung und Lehre an Hochschulen, in der Praxisanleitung, im Qualitätsmanagement von Kliniken oder im Gesundheitsmanagement sind akademisch ausgebildete Hebammen zunehmend gefragt. Mit Masterabschluss (z. B. M.Sc. Hebammenwissenschaft, M.Sc. Public Health) ist auch eine Promotion möglich. Herausforderungen bleiben die hohen Haftpflichtversicherungskosten für Freiberuflerinnen, die emotionale und körperliche Belastung durch Schicht- und Nachtdienste sowie die teils schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Politisch wird zunehmend über bessere Rahmenbedingungen diskutiert – etwa über tarifliche Verbesserungen, Personalmindestbesetzung im Kreißsaal und den weiteren Ausbau von Studienplätzen.

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