Hebamme / Entbindungspfleger / Geburtshelfer – Ausbildung, Berufsbild, Gehalt und berufliche Zukunft

Der Vorgang der Geburt hat dich schon immer fasziniert? Du liebst Babys und siehst dich in der Lage verantwortlich mit schwangeren Frauen zu interagieren? Auch in schwierigen Situation behältst du stets einen kühlen Kopf? Dann wird dir dieser Beruf sicherlich viel Freude bereiten und du solltest über eine Ausbildung nachdenken.

Die Geburt eines Menschen ist ein einmaliges Erlebnis. In der Geschichte standen Verwandte oder andere Menschen schon immer helfend bei der Geburt eines Kindes zur Seite.

Offizieller Name für den Beruf ist „Entbindungspfleger“/in, doch sind Hebamme und Geburtshelfer ebenfalls noch gängige Bezeichnungen für den Beruf.

Schwangerschaft und die Geburt findet täglich millionenfach auf der Welt statt, aber für das Individuum, die Mutter und den Vater bildet dieser Umstand eine extreme Ausnahmesituation. Nach der Geburt ist die Lebenssituation eine völlig andere als zuvor, weshalb die Entbindungspfleger einige Zeit nach der Entbindung weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Aufgabe ist also die Betreuung der Mutter vor der Geburt, während des Geburtsvorgangs und nach der Entbindung des Babys. Die Geburtshelfer arbeiten hier mit den Frauenärzten oder der Entbindungsklinik zusammen und überwachen Schwangerschaft und Geburtsverlauf.

Die selbstständigen Entbindungspfleger bieten oftmals eigene Schwangerschaftskurse an, in denen zum Beispiel die richtigen Atemtechniken beim Einsatz der Wehen geübt werden. Die gibt den werdenden Eltern ein Stück an Sicherheit und Vorbereitung auf die kommende Ausnahmesituation der Geburt.

Video zum Beruf der Hebamme

Gehalt als Hebamme/Entbindungspfleger

Das Gehalt eines Entbindungspflegers bzw. einer Entbindungspflegerin kann je nach Arbeitsort, Berufserfahrung und Arbeitgeber variieren. Hier sind Durchschnittswerte für Deutschland im Jahr 2023:

Einsteigergehalt (brutto):

Als Berufseinsteiger kann ein Entbindungspfleger/ eine Entbindungspflegerin ein monatliches Bruttogehalt zwischen etwa 2.500 und 3.000 Euro verdienen.
Berufserfahrene:

Mit zunehmender Berufserfahrung und möglicherweise Spezialisierungen können die Gehälter steigen. Berufserfahrene Entbindungspfleger/innen können ein Bruttogehalt von etwa 3.000 bis 4.000 Euro und möglicherweise mehr verdienen.

Weiterbildungen und Spezialisierungen:

Fortbildungen, Weiterbildungen und Spezialisierungen können sich positiv auf das Gehalt auswirken. Entbindungspfleger/innen, die sich beispielsweise auf bestimmte Gebiete der Geburtshilfe spezialisieren, können höhere Gehälter erzielen.

Arbeitsort und Arbeitgeber:

Das Gehalt kann auch je nach Region und Art des Arbeitgebers variieren. In Großstädten oder in privaten Kliniken sind möglicherweise höhere Gehälter möglich.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen Durchschnittswerte darstellen und individuelle Gehälter variieren können. Tarifverträge, Arbeitszeitmodelle und individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber können das Gehalt beeinflussen.

Ausbildung als Hebamme / Entbindungspflegerin

Die Ausbildung zur Hebamme ist eine anspruchsvolle und vielseitige berufliche Qualifikation im Gesundheitswesen. Hier sind die grundlegenden Informationen zur Ausbildung:

Dauer der Ausbildung:

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre in Vollzeit. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, die Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, was die Dauer entsprechend verlängert.

Ausbildungsinhalte:

Theoretischer Unterricht:

Der theoretische Unterricht findet an Hebammenschulen oder Berufsfachschulen für Hebammen statt. Hier werden die theoretischen Grundlagen der Geburtshilfe, Frauenheilkunde, Kinderheilkunde, Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre vermittelt.

Praktische Ausbildung:

Ein wesentlicher Teil der Ausbildung besteht aus praktischen Einsätzen in verschiedenen Geburtskliniken, Geburtshäusern und gynäkologischen Praxen. Hier setzen die Auszubildenden das Gelernte in der Betreuung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen um.

Geburtshilfliche Maßnahmen und Betreuung:

Dazu gehören die Begleitung von Geburten, die Versorgung von Neugeborenen und die Unterstützung von Frauen während der Schwangerschaft und im Wochenbett.

Vor- und Nachsorge:

Hebammen betreuen Schwangere vor der Geburt und betreuen Mütter und Neugeborene nach der Geburt. Dies umfasst Untersuchungen, Beratung und Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags mit dem Neugeborenen.

Gesundheitsförderung und Prävention:

Hebammen unterstützen Frauen dabei, gesund zu leben und bieten Beratung zu Themen wie Ernährung, Bewegung und allgemeiner Gesundheitsvorsorge.

Prüfung und Abschluss:

Am Ende der Ausbildung legen die angehenden Hebammen eine staatliche Abschlussprüfung ab. Diese besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil.

Weiterbildungsmöglichkeiten:

Nach Abschluss der Ausbildung haben Hebammen die Möglichkeit, sich weiterzubilden und beispielsweise Zusatzqualifikationen in speziellen Gebieten der Geburtshilfe zu erwerben.

Die Ausbildungsvergütung als Entbindungspfleger beträgt:

1. Ausbildungsjahr: Die monatliche Ausbildungsvergütung im ersten Jahr liegt durchschnittlich zwischen etwa 1.040 und 1.200 Euro brutto.
2. Ausbildungsjahr: Im zweiten Ausbildungsjahr steigt die Vergütung auf durchschnittlich etwa 1.100 bis 1.300 Euro brutto pro Monat.
3. Ausbildungsjahr: Für das dritte Ausbildungsjahr erhalten angehende Hebammen/Entbindungspfleger durchschnittlich etwa 1.200 bis 1.400 Euro brutto pro Monat.

Als schulische Vorbildung ist ein mittlerer Bildungsabschluss notwendig, Bewerber mit einem Hauptschulabschluss müssen im Vorfeld eine zweijährige Pflegevorschule besucht haben, um die Berufsausbildung beginnen zu können.

Eigenschaften und Voraussetzungen als Hebamme

Als Hebamme sind bestimmte Eigenschaften und Voraussetzungen von großer Bedeutung, um den Anforderungen des Berufs gerecht zu werden.

Eigenschaften:

Empathie und Einfühlungsvermögen:

Eine grundlegende Empathie ermöglicht es, sich in die Situation der Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen hineinzuversetzen und mit Verständnis auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Kommunikationsfähigkeit:

Klare und respektvolle Kommunikation ist essenziell, um effektiv mit werdenden Müttern, ihren Familien und dem medizinischen Team zu interagieren.

Geduld und Ruhe:

Der Geburtsprozess kann mitunter stressig und emotional belastend sein. Geduld und Ruhe helfen dabei, auch in schwierigen Momenten angemessen zu handeln.

Belastbarkeit und Stressresistenz:

Als Hebamme kann es zu unvorhergesehenen Situationen kommen, die eine schnelle Reaktion erfordern. Stressresistenz ist daher wichtig.

Organisationstalent:

Effizientes Planen und Koordinieren von Geburten und Nachsorgeuntersuchungen ist entscheidend, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Hygienebewusstsein:

Ein ausgeprägtes Bewusstsein für Hygiene und die Einhaltung von Hygienestandards sind unabdingbar, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen.

Teamfähigkeit:

Hebammen arbeiten oft im interdisziplinären Team mit Ärzten, Pflegekräften und anderen Gesundheitsfachkräften zusammen. Eine gute Teamarbeit ist unerlässlich.

Einfühlungsvermögen für kulturelle Unterschiede:

Da werdende Mütter aus verschiedenen kulturellen Hintergründen stammen können, ist es wichtig, auf deren individuelle Bedürfnisse und kulturellen Gepflogenheiten einzugehen.

Voraussetzungen:

Neben der Ausbildung gibt es noch weitere Voraussetzungen für diesen Beruf.

Gesundheitliche Eignung:

Hebammen sollten körperlich und geistig in der Lage sein, die Aufgaben im Bereich der Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung auszuführen. Ein ärztliches Attest kann erforderlich sein.

Polizeiliches Führungszeugnis:

In der Regel wird ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis verlangt, um sicherzustellen, dass keine relevanten Straftaten begangen wurden.

Eine Voraussetzung für den Beginn einer Hebammenausbildung war bis 2008 noch das Alter, seit August ist die Altersbeschränkung dahingehend geändert worden, dass bereits vor der Vollendung des 17. Lebensjahres ein Beginn der Berufsausbildung möglich ist.

Bewerbung als Hebamme

Sehr viele Hebammen gehen den Weg in die Selbstständigkeit und eröffnen eine eigene Praxis. Jede Entbindungsklinik verfügt aber über einige Hebammen, die im Schichtwechsel die Geburten begleiten. Die Bewerbung richtet sich daher in der Regel an Kliniken und wird mit Bewerbungsschreiben, einem tabellarischen Lebenslauf und Zeugniskopien erstellt. In den Kliniken sind Bewerbungen über das Internet heute der Standard, der postalische Weg eher die Ausnahme

Besonders wichtig ist das Bewerbungsanschreiben, welches über die engere Auswahl entscheidet. Hier sollte klar die Motivation und die Qualifikation thematisiert werden. Es gilt Interesse zu wecken.

Der Lebenslauf als Entbindungspfleger wird tabellarisch erstellt und kann in chronologischer Reihenfolge den bisherigen schulischen und beruflichen Lebensweg widerspiegeln.
Die Bewerbung kann dann natürlich auch persönlich in der Klinik abgegeben werden, wobei der potenzielle Arbeitgeber die Möglichkeit erhält den Bewerber persönlich kennen zu lernen.

Für Bewerber ist es besonders wichtig, dass sie ins Team passen und dieses ideal ergänzen. Die Bereitschaft zur Schichtarbeit ist hier quasi ein Muss, viele Geburten finden in der Nacht statt.

Weitere Bewerbungstipps und Tricks!

Trends und Entwicklungen für Entbindungspfleger

Eigentlich sind die Berufsaussichten für Hebammen in den letzten Jahrzehnten deutlich schlechter geworden, der demografische Wandel als Folge von gesellschaftlichen Veränderungen lässt die Geburtenzahlen in Deutschland sehr deutlich sinken, wobei dieser Trend zuletzt stagniert.

In den letzten Jahren hat es Veränderungen in der Qualität der Betreuung gegeben. Das Spektrum der pränatalen Geburtsvorbereitung hat sich enorm erweitert. Wobei natürlich immer das Wohl von Mutter und Kind im Vordergrund stehen. So hat es zum Beispiel bei der pränatalen Diagnostik durch den Einsatz von Nanotechnologie eine enorme Risikoreduzierung für die Auslösung einer Frühgeburt gegeben.

Die Entbindungsstation hat kaum noch etwas mit klinischer Atmosphäre zu tun, sondern erinnert in der Einrichtung eher an ein Wohnzimmer. Werdende Mütter sollen sich geborgen fühlen, was für den Geburtsprozess förderlich ist.

Ebenso ist die Hausgeburt im eigenen Heim wieder in Mode gekommen. Geburtshäuser gibt es ebenso, welche eine Alternative zum hektischen und klinischen Betrieb bieten.

Selbstständige Hebammen haben heute allerdings unter den neuen Konditionen der Versicherungen zu leiden, welche das Geburtsrisiko absichern. Die drastischen Erhöhungen der Versicherungsgebühren in den letzten Jahren haben leider viele Hebammen zur Aufgabe ihrer beruflichen Tätigkeit gezwungen.

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