Lehrer als Saisonarbeiter

Dass ich kein Freund des deutschen Bildungssystems bin und auch keine allzu hohe Meinung über die Bundesagentur für Arbeit habe, dürften Leser des Blogs ja bereits mitbekommen haben. Trotzdem bin ich zeitweilig überrascht, wie sich Synergien bilden und ich beide in einem Blog kritisieren kann, nein, leider muss.

Denn dass die Menschen, denen wir unseren größten Schatz, in Form unserer Kinder anvertrauen, und deren Ausbildung auch der Garant für die Qualifikationen, Fähigkeiten, Wissen und Leidenschaften unseres Nachwuchses sind, das also einige der Pädagogen als Saisonarbeiter tätig sind, war mir neu. Kein Scherz: Einige Bundesländer stellen gerade Jung- und Vertretungslehrer nur für ein Schuljahr ein und lassen sie in den Sommerferien „stempeln“ gehen. Die Arbeitslosigkeit steigt auffallend in den Monaten Juli und August (7000 Lehrer +) und sinkt dann wieder schlagartig mit dem neuen Schuljahr. Ich kennen aus meiner Arbeit als Bildungsreferent viele Lehrer und will den Job wirklich nicht machen (wollen sie die Hälfte des Tages mit einer Klientel verbringen, die null Bock auf Sie und Ihre Arbeit hat?), und einige von ihnen schwänzen definitiv einen anderen Beruf. Aber, gute Leute haben ihren Preis (über Managergehälter, die 140x höher sind als die der Belegschaft brauchen wir nicht reden)! Und der hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Wie soll ich Schüler für Stoff interessieren, wenn meine Motivation mit daran hängt, ob ich sechs Wochen später überhaupt noch einen Job habe? Und in der Zwischenzeit meinem Deutschkurs Burger im Fast-Food-Restaurant serviere, um meine Miete zahlen zu können? Absurd. Das Land spart, der Staat springt ein und gezahlt wird es am Ende eh von jedem Einzelnen. Merkt er aber nicht, weil nicht bei jeder „sozial Subvention“ ein Beamter vor der Tür steht und den Obolus einfordert.

Der Bundesrechnungshof kritisierte schon im Jahr 2001, diese Praxis “reize die gesetzlichen Schutzbestimmungen des Arbeitsrechts bis an die Grenzen aus”, was die Bundesagentur schließlich veranlasste (nach nur sieben Jahre der Bewusstwerdung: soll man da schreien oder glücklich sein?), die fraglichen „Kettenverträge“ der Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, aber auch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz unter die Lupe zu nehmen. Die zusätzliche Belastung an ALG I und II Zahlungen beläuft sich auf 17 Millionen Euro. By the Way: es fehlen 20000 Lehrer. Und natürlich die Mittel um sie zu bezahlen.

Ich finde dieses ganze Prozedere unglaublich. Und es zeigt mal wieder die schlechte, oder gar nicht vorhandene Lobby der Lehrer. Aber Würde ist in Sicht: zumindest Hessen und Rheinland-Pfalz haben Änderungen beschlossen.

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