Die Bahn kommt! Mehdorn geht! – Ein Nachruf!

In vielen Bahner-Familien dürften am vergangenen Montag die Sektkorken geknallt haben. Nach 10 Jahren verabschiedet sich der Bahnchef Hartmut Mehdorn und die wenigsten weinen ihm auch nur eine Träne nach, insgeheim nur die Politiker, was sie allerdings im Wahljahr nicht zeigen dürfen. Aber auch der Steuerzahler sollte ihm dankbar sein.

Was hat Hartmut Mehdorn bewirkt und was nicht? Als Mehdorn gestern die Geschäftszahlen der Bahn vorstellte, da tat er dies in dem stolzen Bewusstsein einen maroden Volkseigenen Betrieb saniert zu haben. Um es mit den Worten von Franz Müntefering zu sagen: Wohl eines der „schwierigsten“ Ämter neben dem Papst.

Für diese Bilanz gebührt ihm Respekt und fachliche Anerkennung. Ein dickes materielles Abschiedsgeschenk wurde ihm aber mit dem Börsengang verwehrt, was aber nicht seine Schuld war, sonder politischer Wille und wirtschaftlicher Realismus. Ein Amtsnachfolger wird es schwer haben, denn die Wirtschaftskrise schlägt aktuell auch bei der Bahn voll durch und mit einem Überschuss ist in 2009 nicht zu rechnen.

Zahlen lügen nicht sagt man doch so schön, aber schaut man einmal genau dahinter wie Mehdorn die Milliarden-Überschüsse erwirtschaftet hat, so wird deutlich, dass Hartmut Mehdorn zu der Kaste von Managern gehört, deren Stern gerade in einer Supernova am weltwirtschaftlichen Himmel explodiert ist.

Aus Sicht des Kunden:

Hartmut Mehdorn hat es tatsächlich geschafft steigende Preise bei sinkenden Leistungen zu produzieren. Ok, das schafft nur ein Monopolist wie beispielsweise die deutschen Energieversorger, was die Bahn ja de fakto auch ist. Personal wurde abgebaut, Bahnhöfe geschlossen, Ticket-Preise haben sich teilweise verdoppelt und die Pünktlichkeit der Bahnzüge ist seit seinem Amtsantritt nicht mehr existent und ein Running Gag in der Bevölkerung. Wer sich auf die Bahn verlässt, der ist verlassen.

Aus Sicht der Mitarbeiter:

Stellenstreichungen, Gängelung von Betriebsräten, Kampf um Lohnerhöhungen, Abbau von Privilegien wie kostenlose Bahnfahrten für Familienmitglieder, keinen Beamtenstatus mehr, Bespitzelung und Rasterfahnung im eigenen Unternehmen und und und. Als langjähriger Mitarbeiter der Bahn musste man seit dem Antritt von Mehdorn fast schon masochistische Züge beweisen.

Aus Sicht der Politiker und Steuerzahler:

Wenn der Mann nicht das Bundesverdienstkreuz hätte, so müsste er es erneut bekommen. Oder es müsste ein Orden erfunden werden, wie zum Beispiel „Deutscher Managerorden am Bande“. Mehdorn bescherrte den Politkern volle Kassen und bewahrte den Staatshaushalt und somit uns alle, vor neuen Schulden. Er hat den Auftrag bekommen und er hat ihn erfolgreich ausgeführt. Das Unternehmen ist saniert, der Börsengang glücklicherweise verschoben, Mehdorn somit überflüssig – er teilt das Schicksal vieler Sanierer.

Der Wind hat sich gedreht. Shareholder Value ist zum Unwort geworden und der Finanzmarkt zeigt die Schwächen des Kapitalismus auf – die rufe nach Staatsunternehmen werden immer lauter. Gute Chancen für Politikerkarrieren in der PDS, schlechte Zeiten für Manager und Eliten.

Die Frage ist, welches Bild von Hartmut Mehdorn wird bleiben? Der Macher und Sanierer? Oder der Kundenschreck und Monster-Boss? Allein die Zeit wird diese Frage beantworten.

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