Unterrichtsfach „Glück“ an Schule in Baden-Württemberg.

An der Heidelberger „Willy-Hellpach-Schule“ steht, deutschlandweit einmalig, in diesem Schuljahr „Glück“ auf dem Lehrplan.

Wo im Bildungskanon immer wieder der Ruf nach Sekundär Tugenden wie Sauberkeit, Fleiß, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungssinn, Höflichkeit, oder Treue und Gehorsam laut wird, setzt die Schule ein neues Modell ein. Nur die Beurteilung durch Kopfnoten bringt wohl kaum verstandenes Handeln zu den Schülern.

Die Einführung des Fachs trägt der Tatsache Rechnung, dass traditionelle soziale Netzwerke, wie etwa die Familie, nur noch bedingt in der Lage sind, herkömmliche Normen, Traditionen, Verhaltensweisen, Konventionen etc. zu vermitteln, die aber Grundlage für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben des Einzelnen sind und die Basis für eine intakte Gemeinschaft darstellen.

Als Grundlage dient der aristotelische Glücksbegriffe (Glück als Ziel des guten Lebens). Es soll vermittelt werden, dass Glück erlernbar ist und sich im glücklichen und erfolgreichen Tun widerspiegelt, der Mensch also selbst für sein Glück verantwortlich ist.
„Ziel ist die Förderung von persönlicher Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung“, sagt Direktor Ernst Fritz-Schubert. Dabei geht es in dem Pilotprojekt nicht darum, das Negative auszumerzen, sondern das Positive zu verstärken. Die Jugendlichen sollen empfänglich für Glücksmomente sein und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können.

Wo Eigenständigkeit immer mehr gefragt wird (Stichwort: persönliche und soziale Kompetenzen) kann Schule mit Frontalunterricht nur zum Lernen erziehen. Alles andere fällt hinten runter und bildet den Einzelnen nicht fürs Leben. Das Fach Glück bildet und kultiviert, in dem es die persönlichen Anlagen und Möglichkeiten der Jugendlichen aufnimmt und weiterentwickelt.
Wegen der individuellen und subjektiven Auffassung von Glück sollen sich die Schülerinnen und Schüler eine eigene Wertehierarchie erstellen und selbst mögliche Wechselwirkungen einzelner Prozesse erfahren dürfen. Dazu gehört auch, Werte und Ziele anderer zu erkennen und anzunehmen. Perspektivenwechsel und Hineinversetzen in das Gegenüber als Unterrichtsinhalt. Bravo.

Zu den Dozenten der Kurse gehören auch externe Lehrkräfte wie Wissenschaftler, Psychologen und Künstler. Diese werden unterstützt durch den Schulleiter, aber auch durch Ethik-, Biologie-, und einen Sportlehrer, der auch Arzt ist.

Bleibt zu hoffen, dass das Projekt tatsächlich zum Ziel führt und dann weiter Schule macht. Ich jedenfalls hätte mir zu meiner Schulzeit mehr Raum und Angebote zur Eigenentwicklung
gewünscht.

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